Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

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14ter Jahrgang.

M 31.32.


Herausgegeben und redigirt von

vr. Max tzchasler.

29. August

k 5. September
i 1869. I:

Preis des Journals pro Quartal Thlr. Bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang erhalten die Abonnenten ausserdem das photographische
Künstler-Album in vierteljährlichen Lieferungen gratis. (Kedaction der Dioskuren: Berlin, Hohenzollernstr. 9.)

Inhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Aachen, Köln, Frankfurt a. M., Stuttgart, Regensburg, Nürnberg, Mün-

LXXI. I. W. Cordes. chen, Urbino, Rom, Madrid, London, Bergen, Christiania, Washington.

Korrespondenzen: ch München, im August. (Die Ausstellung älterer Bil- Message: Kunstkritik: Die internationale Kunstausstellung zu München,
der.) — B. Gotha, im August. (Kunstausstellung.)— □ St. Peters- Kunst - Institute und -Vereine: Allgemeines Ausstellungs-Programm rc. —
bürg, im August. (Kunstzustände.) K. K. Akademie der Künste in Wien. — Konkurrenz für Geschichts-

Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Weimar, Dresden, Düsseldorf, Malerei in Ungarn. — Briefkasten.

Studien zur Hharakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

LXXI. 3. W. Cordes.

(Nekrolog.)

bermals ist die Reihe unsrer hervorragen-
der Künstler durch den Tod gelichtet
»worden. Am 16. August starb zu Lübeck
'Johann Wilhelm Cordes, dessen
geistvolles letztes Werk „Die wilde Jagd"
wir noch in unserm Bericht über die
chorjährige berliner Kunst-Ausstellung*)
mit rühmender Anerkennung zu erwäh-
nen Gelegenheit hatten. Wir glauben
seine Bedeutung als Komponist und Ma-
ler nicht besser würdigen zu können als
durch die Erinnerung an unsre damalige
Charakteristik dieses originellen und malerisch wie kompositionell
höchst bedeutsamen Bildes. Im Gegensatz zu dem auf solche
mystisch-symbolischen Motive nicht passenden koloristischen Realis-
mus, mit welchem Henneberg, von dem ebenfalls eine „Wilde
Jagd" herrührt, seine „Jagd nach dem Glück" behandelt hatte,
bemerkten wir damals: „Cordes' „Wilde Jagd" steht, was
*) S. Dioskuren 1868, Nr. 36, S. 303.

man auch sonst in dem Henneberg'schen Bilde für technische
Vorzüge Nachweisen könnte, doch in Beziehung auf die Gleich-
artigkeit von Stoff und Gestaltung weit über der „Jagd nach
dem Glück". Es ist ein Mondscheinbild, und zwar in völlig
mystischer Weise aufgefaßt: ein Kampf des bleichen, grünlich
schimmernden Mondlichtes mit dem nächtlichen Nebeldunst in
der Luft. Nirgends etwas faßbar Irdisches, nur einige wunder-
lich emporzackende vertrocknete Zweige starren gespenstisch von
unten herauf, ohne daß das Auge sie bis zu dem Stamm zu
verfolgen vermag; und dazwischen die rasende Jagd des wilden
Jägers, der auf gespenstigem Rosse durch Nebeldampf und Mondes-
glanz uns gerade entgegenstürmt, rings umschwirrt von allerlei
tollem Gesindel, Hexenzeug und Eulengeslatter. Das ist ein
Brausen und Zischen, als ob — nun, als ob eben der wilde
Jäger durch die Lüfte daherstürmt. So aufgefaßt, wird die
ganze Phantasterei ohne Weiteres als poetischer Zauberspuk hin-
genommen, weil eben jede Voraussetzung realer Naturhaftigkeit
verschwunden, jede Erinnerung an wirkliche Form und nament-
lich Farbe der Natur entfernt ist. Das Bild ist in jedem
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