Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

Page: 41
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioskuren1869/0055
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
J: 14ter Jahrgang.

! M 6.

UAUtsWM (ln ArvlSellM Amstverrmr.



Herausgegeben und redigirt von

vi. Max Schasler.

7. Februar
1869.

O


Preis des Journals pro Quartal 1'^ Tlilr. Bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang erhalten die Abonnenten ausserdem das photographische
Künstler-Album in vierteljährlichen Lieferungen gratis. (Kedaction der Dioskuren: Berlin, Hohenzollernstr. 9.)

Inhalt.

Abhandlung: lieber Raphaels ,,Transfiguration". Kunst-Clironik: Lokalnachrichten aus Berlin, Düsseldorf, München.

Korresvondenzen: £ München, Ans. Februar. (Piloty's Berufung nach Kunstkritik: Die akademische Kunst-Ausstellung zu Berlin. (Fortsetzung.)

Berlin.) — ^ Wien, Ende Januar. (Die Ausstellung im Künstler- H. Plastik.

hause; die Museumsfrage; Oesterreichischer Kunstverein u. s. f. Forts.) Ausstellungskalender. — Briefkasten (Erklärung der Redaetion).

NB. Der nächsten Nummer wird ausser Titel, Jnhaltsverzeichniss und Register auch die erste diesjährige Lieferung
des Künstler-Albums — Portrait Eduard Hilde brau dt’s nebst Text — beigegeben werden.

Ueber Kapljaet's „Transstguration".

(Aus der von Harris in St. Louis hrransgegcbencn „3citlchrift für spekulative Philosophie'

nserm Studium der „Transfiguration"
legen wir den von Raphael Morghen
nach einer Zeichnung Tofanelli's
gemachten Kupferstich zu Grunde,
weil dieser Stich vollkommener ist,
als andere, namentlich als der von
Pavoni in neuerer Zeit gelieferte,
wird glaubhaft berichtet, das Raphael die
Transfiguration auf Bitten des Kardinals Giulio
de Medici gemalt und zu Ehren desselben die bei-
den Heiligen — Julian und Laurentius — auf
dem Berge angebracht habe, wobei St. Julian auf den un-
glücklichen Giuliano de Medici, den Vater des Kardinals, hin-
deuten und St. Laurentius, dessen Oheim Lorenzo, den größten
der Mediceer und den größten Mann seiner Zeit in Italien,
darstellen soll. Raphael starb, bevor sein hier in Rede stehen-
des Meisterwerk vollendet war. Sein Lieblingsschüler, Giulio
Romano, beendigte den unteren Theil des Gemäldes (besonders

den Besessenen) im Geiste Raphael's, welcher den oberen Theil
und in dem unteren das Meiste vollendet hatte.

Die hier dargestellte, von der Erzählung im Neuen Testa-
ment ein wenig abweichende, aber ihr nicht widersprechende
Legende ist folgende: Christus geht mit seinen zwölf Jüngern
nach einem Berge, wahrscheinlich nach dem Berge Tabor, und
besteigt mit den drei bevorzugten Jüngern, indem er die neun
übrigen am Fuße des Berges zurückläßt, den Gipfel desselben,
wo die Scene der Transfiguration stattfindet. Während dies
kundgeworden ist, naht sich die Familiengruppe mit dem Be-
sessenen, um aus einer Wunder bewirkenden Quelle Hülse zu
suchen. — Zu dieser Legende hat Raphael den Umstand hinzu-
gefügt, daß zwei mitleidsvolle, den Berg hinauf kommende Fremde
dem Heilande die Botschaft von dem unten vor sich gehenden
Ereigniß bringen und um seine unmittelbare gnädige Dazwischen-
kunst flehentlich bitten.

Man kann zuversichtlich behaupten, daß es schwerlich ein
Gemälde giebt, in welchem die Individualitäten durch innere.
loading ...