Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

Page: 295
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Inhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Kunstkritik: Die internationale Kunstausstellung zu München. (Forts.)

LXXIII. Wilhelm Camphausen. (Forts.) Kunstliteratur: Germanische Göttersage rc. — Beiträge zur Beurtheilung

Korrespondenzen: f München, im Septbr. (Die Ausstellung alter Ge- von Personen :c. — Album: Lessinggallerie:c.; Stahlstichillustrationen

malde. Forts.)— Q München, 30. Sept. (Goethe-Denkmal. Schluß.) zur Natioualbibliothek sämmtlicher deutscher Klassiker rc.

Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Kassel, München, Dublin. Briefkasten.

Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

LXXIII. Wilhelm Lamphausen.

(Forts, statt Schluß.)

iedrich der Große und seine Kriegshelden
haben Camphausen aus erklärlichen Grün-
den am längsten gefesselt. Immer wieder,
nachdem er schon in mehren Gemälden bis
zu der Zeit der Freiheitskriege, ja bis in
die Gegenwart herabgegangen, kehrte er zu
jener ruhmvollen Epoche der preußischen Ge-
schichte zurück. Noch auf der letzten großen
Kunstausstellung der berliner Akademie war
ein umfangreiches Bild von ihm ausgestellt
„Friedrich der Große an der Leiche des
Feldmarschalls Schwerin im Margarethen-
kloster bei Prag, nach der Schlacht", wel-
ches — wie früher seine andern Werke —
in unserm Bericht über die Ausstellung kritisch gewürdigt wurde.*)
Von größeren Gemälden, welche Motive aus den Freiheits-
kriegen behandeln, sind uns nur zwei bekannt, nämlich meister-

hafte Bild „Blücher's Uebergang über den Rhein bei Caub am
Neujahrsmorgen 1814" und „Zusammentreffen Blücher's und
Wellingtons nach der Schlacht bei Bellealliance". Ersteres ist
im Besitz des breslauer Stadtmuseums, das zweite wurde für
das königsberger Museum ausgeführt. Wir schließen hieran
noch die Erwähnung eines dritten Bildes, das zwar kein Motiv
der Freiheitskriege behandelt, indeß insofern damit in Beziehung
steht, als es eine Scene aus dem Leben des größten Helden
derselben, nämlich Blücher's, darstellt. Es ist „Blücher als
schwedischer Cornet vor Belling". Es bildet also gleichsam den
Uebergang von den Bildern des siebenjährigen Krieges zu denen
der Freiheitskriege. Denn der „alte Blücher", damals ein
junger Bursche, war bekanntlich im siebenjährigen Kriege ohne
Wissen seines Vaters, eines kurhessischen Rittmeisters, bei dem
schwedischen Husaren-Regiment von Mörner als Cornet einge-
treten und gerieth dabei in preußische Gefangenschaft.

Nach der langen und segensreichen Friedenszeit, welche
den „Freiheitskriegen" folgte und die nur durch die Wirren
des Jahres 1848 und die damit verknüpften inneren Kämpfe

*) S. Dioskuren 1868, Nr. 34, S. 285.

D. R.
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