Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

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Herausgegeben und redigirt von

Dr. Mii5 Scfjnsfer.

S8. Februar
1869.

Preis des Journals pro Quartal 1% Thlr. Bei Pränumeration auf den ganzen Jahrgang erhalten die Abonnenten ausserdem das photographische
Künstler-Album in vierteljährlichen Lieferungen gratis. (Kedaction der Dioskuren: Berlin, Hohenzollernstr. 9.)

Inhalt.

Abhandlung: lieber das Princip des evangelischen Kirchenbaustyls. Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Düsseldorf, Köln.

Korrespondenzen: k. Heidelberg, 17. Febr. (Restauration des Schlosses.)— Kunstkritik: Die Ausstellung der Konkurrenz-Entwürfe für den neuen ber-

f. München, Mitte Febr. (Schlußausstellung des Kunstvereins; Kaul- liner Dom.

bach's Todtentanz.) — ^ Wien, im Febr. (Künstlerhaus und Kunst- Kunstgeschichte und Technik: Ueber Kuustkeunerschaft und Restauration alter
Verein. (Fortsetzung aus Nr. 6.) Meisterwerke. (Schluß.)

Aeber das princip des evangelischen Kirchenbaustyls.

Mit besonderer öerichnng auf die berliner Vombanfragc.

-ndem wir die Charakteristik der Konkurrenzpläne
zum Dombau, auf Grund der vorgeschriebeuen
Bedingungen in lokaler und anderweitiger Be-
ziehung, einer besonderen Besprechung in der
Rubrik „Kunstkritik" Vorbehalten, glauben wir
nicht nur einem Wunsche unsrer Leser zu be-
gegnen, sondern auch jener konkreten Betrach-
tung der ausgestellten Entwürfe selbst Vorschub
zu leisten, wenn wir die Frage nach dem
Princip des evangelischen Kirchenbaustyls an sich,
als welche vor allen Dingen zu erörtern ist, ehe über den re-
lativen Werth der Entwürfe abgeurtheilt werden kann, einer
besonderen Untersuchung unterziehen.

Gelingt es uns, diese Untersuchung zu einem positiven
Resultat zu führen, so wird dieses Resultat einen festen Stand-
punkt und zugleich den sichersten Maaßstab bilden, der — unter
Berücksichtigung der lokalen Bedingungen und der mancherlei,
gerade in diesem Falle zahlreichen Schwierigkeiten — für die
Würdigung der einzelnen Pläne sich darbieten kann.

Schon einmal — vor ziemlich 6 Jahren, und zwar bei

Gelegenheit der Ausstellung der Konkurrenz-Entwürfe für die
Mariannenkirche —- nahmen wir Anlaß, uns über diese Frage
auszusprechen, und wenn sich auch über einzelne Punkte unsere
Ansichten, was wir gern eingestehen, seitdem geläutert und
modificirt haben, so müssen wir uns doch auch heute noch im
Wesentlichen zu unserer damaligen Ueberzeugung bekennen; auch
heute müssen wir mit Entschiedenheit betonen, daß, wenn sich
die Architektur nicht auf ein willkürliches Spiel mit baukünst-
lerischen Formen beschränken will, welche mit nur beiläufiger
Rücksicht auf Bedeutung und praktischen Zweck des Bauwerkes,
die rein abstrakte Monumentalität — um diesen Ausdruck zu
wählen — im Auge hat: wenn sie vielmehr als erstes Grund-
gesetz einen organischen Zusammenhang zwischen dem Zweck und
der Gestaltung fordert, dann in erster Linie die Frage nach
diesem Zweck, dem das Bauwerk dienen soll, nach der Be-
stimmung desselben in allen- ihren Konsequenzen hin aufzustellen
sein wird.

Berlin fehlt es wahrlich nicht an abschreckenden Beispielen
für jene architektonische Lüge, welche sich stets aus dem Aus-
einanderfallen von Form und Inhalt entwickelt; wir erinnern
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