Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

Page: 369
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Inhalt.

Abhandlung: Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. Kunstkritik: Berliner Kunstschau.

LXXIV. Friedrich Overbeck. (Schluß.) Kunstindustrie: Das Neue Museum in Weimar. (Forts.)

Korrespondenzen: R. Altenburg, Ende November. (Ein Ausflug nach Kunstliteratur: Ueber den Verfall der Restauration alter Gemälde rc., von
Altenburg: das Rathhaus rc. Forts.)— Q München, Mitte Decbr. Karl Förster. (Schluß.) — Album: Zur Literatur der sogenannten

(Kunstvereiu.) — t. Wien, Mitte Decbr. (Generalversammlung der Prachtwerke. — Eduard Hildebrandt's Aquarellen u. s. f. — Glückliche

Künstlergenossenschaft.) Zeiten u. s. f. Der schwarze Peter u. s. f.

Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Bremen, München, Pesth, Pompeji, Kunst-Institute und -Vereine: Anzeige der Expedition.

Paris, London, Simla. Ausstellungskalender.

Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Hegenwart.

LXXIV. Friedrich Overbeck.

(Schluß.)

ie Uebersiedelung Peter v. Cor-
nelius' nach Rom, welche im
Jahre 1811 stattfand, gab —
wie der ganzen deutsch-römischen
Schule — so auch Overbeck einen
neuen Aufschwung. Overbeck
hatte außer dem genannten Bilde für Herrn
von Rumohr nur erst wenige Bilder gemalt,
unter denen „Die Anbetung der Könige" für
die Königin Caroline von Baiern und das etwas
später entstandene „Christus bei Martha und
Maria" die bedeutendsten waren. Es waltet in
ihnen noch eine an Nüchternheit streifende Strenge
und in Einzelheiten ein fast sklavisches Anlehnen
an die alten Florentiner ob. Dies wurde durch den Einfluß
von Cornelius anders.

Ohne daß sie einander je gekannt, bildete sich zwischen
Beiden — vielleicht gerade des Gegensatzes ihrer Naturen hal-
ber — ein tiefes und nie getrübtes Freundschasts-Verhältniß.

In dem alten Kloster wurde es plötzlich lebendig, besonders als
noch andere Gesinnungsgenossen, Philipp Veit, Wilh. Scha-
dow, der spätere Direktor der düsseldorfer Akademie, u. A. m.,
sich hinzugesellten. Es entstand so ein förmlicher Künstlerbund,
und bald sollte derselbe auch Gelegenheit haben, Zeugniß abzu-
legen von seiner Wirksamkeit. Der preußische Consul Bar-
tholdy hatte den Entschluß gefaßt, ein Zimmer im dritten Stock
seiner Behausung auf dem Monte Pincio dekoriren zu lassen,
und fragte gelegentlich Cornelius um Rath. Aber statt der ge-
wünschten leichten Arabesken rückte Cornelius sogleich mit einem
großartigen Plan zu einem Chklus monumentaler Wandgemälde
heraus. Mendelssohn schüttelte bedenklich den Kopf, aber alle
Schwierigkeiten wußte Cornelius durch seinen Feuereifer zu be-
siegen. Sie — nämlich die Freunde im Kloster S. Jsidoro
— wollten nur malen; wenn Bartholdh für ihre Zehrung
sorgen, die Farbe bezahlen und die Gerüste aufstellen wollte, so
wären sie vollkommen zufrieden. — Und so entstand jener be-
wundernswürdige Chklus von Gemälden „Aus der Geschichte
Josephs" in der Casa Bartholdh, noch heute das Wallfahrtsziel
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