Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 14.1869

Page: 73
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Inhalt.

Abhandlung: lieber das Princip des evangelischen Kirchenbaustyls. (Forts.) Kunstkritik: Die Ausstellung der Konkurrenz-Entwürfe für den neuen ber-
Korrespondknzen: f. München, Mitte Febr. (Schlußausstellung deö Kunst- liner Dom. (Forts.)

Vereins; aus Kaulbach's Atelier. Schluß.) — ^ Wien, im Februar. Beilage: Uebersicht über die bedeutenderen Werke der Kunstliteratur re.

(Künstlerhaus und Kuustverein. (Forts.) Kunst-Institute und -Vereine: Allgemeines Ausstellungs-Programm der

Kunst-Chronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Düsseldorf, Bonn, Weimar, Kunst-Institute und -Vereine Mittel-Europas.

Kopenhagen, Palermo, Rom. Eingesandt von C. F. Förster. — Ausstellungskalender.

Ueöer das princip des evangelischen Kirchenbaustyls.

Mit besonderer Bestehung auf die berliner vombansrage.
(Fortsetzung.)

wohl kaum anzuzweifelnde
Princip, daß für die innere Gestal-
tung eines evangelischen Kirchenbaus
vor Allem die Forderung zu
erfüllen sei, daß er einen
J passend und zweckmäßig ein-
gerichteten Raum zur An-
hörung der Predigt und zum
>es ange

enthalte, aus, um daraus alle we-
sentlichen ritualen Bauformen —
zunächst nach ihrer praktischen Seite hin — zu ent-
^ wickeln? — Dies ist die erste Frage, welche wir uns vor-
°l- ^ zulegen haben, ehe wir zur Sthlfrage kommen können.

Das erste Requisit wäre selbstverständlich ein großer, akustisch
wohl konstruirter Raum mit Sitzplätzen: etwa ein Rechteck
mit halbkreisförmigem Absidenabschluß in der Längenachse. Diese

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gemeinschaftlichen

Hauptabsis, welche den von dem Schiff der Kirche durch einige
Stufen getrennten und erhöhten Altarraum rückwärts be-
grenzt, würde, für die zur Sakristei sowie für Abhaltung
von mehr begrenzten und privaten kirchlichen Handlungen, wie
Trauung, Taufe, Konfirmation u. s. f. bestimm-
ten Räumlichkeiten, von zwei Seitenabsiden flankirt werden,
deren Achsen eine gerade Linie bilden, also die Längenachse
in einem rechten Winkel durchschneiden. Hiemit wäre schon für
den Grundplan die Form eines Kreuzes gegeben, dessen Stamm
jedoch sich nur dann zu bedeutenderer Länge ausdehnen dürste,
wenn — wie dies bei Kirchenbauten von großen Dimensionen
erforderlich wäre — mit der eigentlichen Predigt- und Altar-
Kirche noch ein zweiter Kirchenraum für Abhaltung großer kirch-
licher Staatsactionen, wie Krönungs-, Siegesfesten und dergl.,
zu verbinden wäre. Auf diese erweiterte Form des einfachen
Grundplans werden wir später zurückkommen, bleiben wir zuerst
bei der einfachen Grundform.
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