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Dörpfeld, Wilhelm; Reisch, Emil
Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater — Athen, 1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.5442#0097

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I. Abschnitt. Das Dionysos-Theater in Athen.

Einen genaueren Zeitpunkt mit Sicherheit zu bestimmen, ist leider nicht
möglich, weil keinerlei Inschrift oder litterarische Nachricht von einem Umbau
des Theaters in dieser Epoche Kunde giebt. Wir vermögen nur eine naheliegende
Vermutung auszusprechen. Im Jahre 86 vor Chr., als Sulla gegen Athen zog,
wurde das neben dem Theater gelegene Odeion des Perikles teilweise zerstört,
nach Appian (Mithridat. 38) von dem Tyrannen Aristion, nach Pausanias (1, 20, 4)
von Sulla selbst. Es ist sehr wohl möglich, dass damals auch das Theaterge-
bäude und zwar besonders sein noch aus Holz bestehendes Proskenion Schaden
gelitten hat oder sogar zerstört wurde. Wie nun das Odeion bald darauf von
dem kappadokischen Fürsten Ariobarzanes wiederaufgebaut wurde (Vitruv V, 9, I
und C. L A. III, 541), so könnte auch das Proskenion sehr wohl gerade damals
in Stein wiederhergestellt worden sein. Ziehen wir schliesslich noch in Erwägung,
dass im II. und I. Jahrhundert vor Chr. auch manche andere Theater ein festes
Proskenion erhalten zu haben scheinen, so "werden wir, bis ein genaueres Datum
bestimmt werden kann, die Errichtung des steinernen Proskenion ins erste Jahr-
hundert vor Chr. setzen dürfen.

4. Das frührömische Theater (Kaiser Nero).

Von einem gründlichen Umbau des Theaters und zwar der Orchestra so-
wohl als des Spielhauses geben uns Mauern, Marmorpflasterungen, Bauglieder
und Bildwerke Kunde, welche sich leicht als zusammengehörige Teile eines mit

11 i:r| i [ r|

Figur 27. Stückendes Proskenion-Gebälkes mit der Weihinschrift an den Kaiser Nero.

grossem Aufwände errichteten Baues der römischen Kaiserzeit aus dem Gewirr
der Mauern und Bauglieder ausscheiden lassen. Unsere Kenntnis der Thatsache,
dass dieser Neubau der Zeit des Kaisers Nero angehört und vielleicht mit sei-
nem persönlichen Auftreten als Schauspieler in Verbindung gebracht werden darf,
verdanken wir einer Weihinschrift, die auf einem in Figur 27 in seinem jetzigen
 
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