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Dörpfeld, Wilhelm; Reisch, Emil
Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater — Athen, 1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.5442#0297

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282 V. Abschnitt. Die griechischen Bezeichnungen für die Teile des Theaters.

Das gilt natürlich nicht nur für den Zuschauerraum, der neben einem Tanz-
platz angelegt ist, sondern auch für jeden andern. Xenoph. Hellen. VII, 4, 31
spricht daher von einem Osaipov auch in Olympia (vgl. Olympia, Textband II,
S. 79, Dörpfeld), obwohl es dort niemals ein skenisches Theater gab, und in
dem Volksbeschluss für Eudemos von Plataiai (CIA. II, 176) ist mit den Worten
r^o'.-qaiq toü uTaoisu xai toü OsaTpcu tsü riava6^vaaou die Herstellung des Rennplatzes
und Zuschauerraumes im athenischen Stadion gemeint, Ein Bsaipsv to eici tou maSi'ou
wird Anfang des III. Jahrhunderts in einer Inschrift von Eleusis genannt, Athen.
Mittheil. 1894, S. 180. Und in einer Inschrift von Oropos aus der Zeit zwischen 338
und 322 (CIGS. 4255) lesen wir Z. 29: X(6oi<; §e »/pvfcsTai rot? iv. tou ösätpou /.atä töv
ßwjj.öv, hier war also neben dem Altar ein ansteigender Zuschauerraum errichtet,
der gelegentlich der grossen Opfer und der am Altare abgehaltenen musischen
Agone der 'A\j.<fiapxix (vgl. CIGS. 414) benutzt wurde.

Da aber der hoch emporsteigende Zuschauerraum der musisch - dramatischen
Spiele an Stattlichkeit die entsprechenden Anlagen der gymnischen Spielplätze
weit übertraf, so ist es natürlich, dass Gs'aipov schlechtweg vorzugsweise von
dem Schauraum neben der Orchestra gesagt wurde. Dieser Gebrauch ist bis
in die römische Zeit hinein so sehr vorwiegend, dass auch die Lateiner vielfach
theatrum an Stelle von cavea sagen und häufig, ebenso wie die Griechen, 0e'a-cpov
als den einen Teil des Schauspielgebäudes den anderen Teilen (der Orchestra
oder der Skene) entgegensetzten, vgl. die Akten der Saecularspiele (Ephem.
epigraph. VIII, 231, Z. 100): in scaena, quoi theatrum adiectum von fuit, Z. 153
theatrum positu?n et scaena; CIL. X, 833 (Pompeii): cryptam tribunalia tJiea-
trum; CIL. XI, 3620 (Caere) : theatrum scaena; CIL. X, 1443 (Herculaneum): thea-
trum orcliestram ; CIL. IX, 3857 (Supinum) : theatrttm et proscaenium refecerunt;
ebenso CIL. XI, 2710, Liv. XL, 51,3. Auch die Wortbildung amphitlieatrum setzt
noch die engere Bedeutung von Ggsapiv als herrschend voraus, vgl. Dio Cass. XLII,
22 : Oc'aTpöv xi xuv7)Y£Tix.bv ixpiwaa;, 0 »at äp.cptOsaxpsv iv. zou r.ipi^ Travror/iQsv eopac avsü
OTtvjviJi; I7UV upoasppeöv}, Friedländer, Sittengeschichte der röm. Kaiserzeit IIß, 5 5

Da ferner der Zuschauerraum meistens die grossartigste Anlage des Schau-
spielbaues ist und den Spielplatz, die Orchestra, gleichsam in sich einschliesst, so
hat sich der Name öeaxpov auch auf den ganzen Bau ausgedehnt. Schon bei Schrift-
stellern des späteren IV. Jahrhunderts vor Chr. schimmert manchmal diese allge-
meinere Bedeutung durch. Als man dann in römischer Zeit Zuschauerraum und
Spielhaus zu einer einheitlichen Bauanlage zusammenfasste, gewann diese Verwen-
dung des Wortes natürlich grössere Ausdehnung. Daher konnte man, ganz wie wir
es heute thun, das Herodestheater als ös'airpov ü-wpsipi:v (Philostr. V. Soph. II, I, 5),
das kleine Theater von Pompei als theatrum tectum (CIL. X, 844) bezeichnen und
ehi'Odeion als Oeaxpoeiok (CIG. 4614) beschreiben. Doch bleibt daneben ödairpov
auch im engeren Sinne von Zuschauerraum bis in die späteste Zeit in Gebrauch.

'ETtifMa-rpov als Name des oberen Stockwerkes des Zuschauerraumes begeg-
net uns in den delischen Inschriften von 250 v. Chr. (Bull. hell. XVIII, 164).
 
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