Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 2): Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen — Freiburg i.Br., 1890

Page: 35
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0.5
1 cm
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AMT D0NAUESCH1JÄGEK; - HÜFINGEK. 3.5

eck G (5,3 auf 6,5 ra) von starker, doppelter Mauer umschlossen; die äussere 1 m
dicke Umhüllung erhob sich über dem äussern umgebenden Räume F um go cm,
über dem Innern G um 1 m 50, und war oben mit Kalkplatten von 7,5 cm Breite
und 9 cm Dicke belegt, mit einer in ihre obere Flüche eingehauenen Rinne von
i,5 cm Tiefe und 4,5 cm Breite, welche somit über der ganzen äussern Um-
fassungsmauer herlief. Die zweite innere 90 cm dicke Einfassung, ursprünglich
wahrscheinlich aus Beton, war auf der Innenseite mit aufrechten Steinplatten aus-
gekleidet; den Fussboden des Raumes G deckte in 2 Rechtecken, um welche Friese
von wagrechten 4 eckigen Ziegelplatten liefen, ein opus spicatum von derselben
Art wie im Räume E.

Steinreste an der äussern Südfront des Gebäudes und östlich bei r scheinen
Wasserleitungen gedient zu haben. Seitlich gemauerte Kanäle von 60 cm Breite
und 90 cm Tiefe ziehen sich von den Gelassen D und E durch den Raum F
nördlich aus dem Bau hinaus. An die ursprüngliche Bedachung erinnern noch
grosse Bruchstücke von Leistenziegeln, von 60 cm Lunge und 45 cm Breite. Sie
tragen zum Theil den Stempel der XL Legion (L • XI ■ C • P ■ F •, legio XL Claudia.
Pia. Fidelis). Heizröhren finden sich noch nicht, dafür Hohlziegel, welche an den
Wänden von B und C befestigt waren.

Die frühe geäusserte Ansicht, dass unser Gebäude in der That als eine
römische Badeanlage anzusehen sei, wird wol ihr Recht behalten. Ungezwungen
erklärt sich der Raum A als Heizraum (Praefurnium), in welchem Brennmaterial
bewahrt wurde, B als Schwitzbad (Caldarium, Sudatorium), dessen vorne abgetrennter
Theil der heisseste war (die Ziegel sind dort besonders ausgebrannt), C als das
müssig warme Tepidarium, D als Auskleid er aum (Apodyterium) E als kaltes Bad
(Frigidarium). G wird mit seiner wasserfesten Ummauerung als grösseres Bassin
anzusehen sein, welches der zum Herumgehen oder Ausruhen bestimmte Raum F
umgab.

Der 'Tempel' endlich wurde in seinen nur 45 cm dicken Grundmauern als
ein von Süden nach Norden gerichtetes Rechteck von 27 m Länge und 16 m Breite
ausgegraben. Die Mauern zeigten an den Langseiten je acht, 3 m von einander
abstehende Ausladungen, an den Breitseiten solche nur an den Ecken. 2 m von
den Grundmauern entfernt fanden sich an den Langseiten je 10, an den Breitseiten
je 4 schlecht gemauerte Postamente einer einfachen Säulenstellung, die übrigens
nicht in Ecksäulen zusammentrafen. Vor der Nordseite, deren Postamente weiter
vom Gebäude abstanden, entdeckte man deren noch eine zweite Reihe, 3 m von
der ersten entfernt. Im Innern fanden sich an den Breitseiten der Grundmauern
5 Ausladungen, ferner mit den Langseiten gleich laufend, von diesen 3 m ab-
stehend, zwei Reihen von je 4 weiteren Postamenten, und im Mittelraum 2 (oder 3)
Gräben von 1 rn Durchm., die eine mit Letten gefüllt.

Da das Mauerwerk eines so schlecht fundirten Gebäudes nur geringe Höhe
haben konnte und die verwendeten Säulen oder Pfeiler nur als hölzerne zu denken
sind, so war die anfängliche Deutung desselben als Tempel nicht haltbar. Man
wird richtiger gehen, angesichts der hier gefundenen Thonscherben und Thon-
Corallen, es mit dem damals mitarbeitenden Oberlehrer Reich als Ziegelhütte

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