Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 2): Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen — Freiburg i.Br., 1890

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36 KREIS VILLINGEN.

oder Töpferei zu erklären, für welche auch spricht, dass eine der inneren Mauer-
ausladungen als Ueberrest eines Brennofens angesehen werden kann.

Kirche. Bau des 10. Jhs. (vor der Restauration war oberhalb dein spät-
gothischen Portal die Jahrzahl 1559 cingehauen), ohne archäologischen Werth. AH'
ist nur der Tliurm, dessen quadratischer mit Spitzbogenfenstern und vier gothischen
Wasserspeiern ausgerüsteter Unterbau ein Oktogon, an welchem das Datum 1613 wol
auf eine spätere Ausbesserung geht, endlich einen Helmaufsatz trägt. Die Thurmj
halle hat ein Kreuzgewölbe, dessen abgeschrägte Rippen auf ikonischen Eckconsolen
aufsitzen (14. Jh.). Geblümter Schlussstein. Die an einem j. oben im Thurm am"
bewahrten Steine angebrachte Jahreszahl 1235 entstammt dem 18. Jh.

Eine Thüre mit Eselsrttcken und gutem, altem Eiseribeschlag führt zur Sacristei-
In letzterer ein gusseisener Ofen mit Kaiserlichem und Castelbcrgischem Wappen-

Im Innern der Kirche bemerkenswerth namentlich die Serie der von Schellers
bergischen Epitaphien. Im Schiff 1) Grosses Denkmal des in der Ge-
schichte der Manesse'schen Handschrift (Kraus Die Miniaturen der Manesse'schen
Lhs., Strassb. 1887, S. 4) genannten, mit der humanistischen Bewegung in den
Gegend des Bodensee's in Beziehung stehenden Geschlechtes von SchellenberJ
(vgl. unsere Abbildung Taf. IX). Oben der Auferstandene zwischen den beiden Ehe-
gatten Gcbhard v. Seh. und s. Gattin, darunter je drei männliche und drei weib-
liche Mitglieder der Familie knieend, ganz oben die Wappen der Schellcnberg und
Faulach, Die reizenden, vortrefflich gehaltenen Spätrenaissanceformen lassen die
Hand des Konstanzer Künstlers Hans Morinck (s. oben I 99 f.) erkennen, I'1*
schrift in gothischer Minuskel: '

im jljar 15JI3 ■ ben ■ 13 - incut^ ffcarfi her eben unb tieft <Ml'wvb Ü0J
Kt'jiitni tag 311 Düftugen LiannörcrtV) Unb ftauffen Unb ^intov • im jar 15**5
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«Eljegemadjel bereu Jlcclen $ott burdj sQtfßüm Jflöefurii üßnebtjj fßffl

UlClIC AMEN ■ PIIS PARENTIBVS IOAN: A SCHELLENBERG FILlVS
MOESTISS:f-f-

2) Grosser CrucHixus in Relief, Wappen der Schellcnberg und Bhuneneggi
unter dem CruVilixus Wappen der schwäbischen Ritterschaft vom Fisch und Falkeiu
Inschrift fast völlig zerstört.

3) Epitaph des Arbogast von Schellcnberg 1605. Relief der!
Verkündigung (ziemlich handwerksmässig), mit vor der Madonna knieenden Ritten«
Inschrift in römischer Majuskel:

ANO 1005 VF D 23 TAG DES MONATZ AVGVSTI IST, IN GOTT
ENSCHLAFFE* D EDEL GESTRENG ArHOGAST V SC II El. LEU EUG ZV
HVEFINCE 1.ANDTZTROST V- OFFINGE ÖSTERREICHISCHER VND
BAYRISCHER GEWESNER RATH J DBSZB SBEL GOTT GNAD •
AMEN •

Um den das Relief einfassenden Rogen: avemaria gracia plena dominvs tecvMj
iK . 1,605 .

4) Epitaph des Burckhard von SchollonboPg 1572: Die KrönUJj
Mari;«.-, mit Wappi-n, unten l h-orgcnbild mit Fisch und Kalken, die anderen WapP°J

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