Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,3): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim (Kreis Mosbach) — Tübingen [u.a.], 1901

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KREIS MOSBACH.

Die Kommission trat 1892 zusammen und begann noch im selben Jahre ihre Arbeit.
Die ihr anfanglich gesetzte 5 jährige Frist wurde 1897 verlängert, und sie ist jetzt 1900
mit dem einen Theil ihrer Aufgabe, den Grabungen und Aufnahmen im Gelände, also
der Beschaffung des Stoffs, so ziemlich zu Ende gelangt. Sie hat den Lauf des Grenzwalls
vollständig verfolgt, die mit ihm zusammenhängenden Bauten untersucht und die nach
ihm führenden Strassenzüge, soweit möglich, festgelegt. Dabei hat sie in ihrem Organ,
dem »Limes Blatt«, über den Verlauf der Arbeiten fortwährend Bericht erstattet und den
zweiten Theil ihrer Obliegenheiten, die Herausgabe eines umfassenden Werks über ihre
Resultate, mit der Veröffentlichung der ersten Lieferungen desselben begonnen. Die
praktische Forscherthätigkeit lag in den Händen ihrer eigens ernannten »Strecken-
kommissare«. Für den badischen Antheil arbeitete als solcher mit eingehender Sach-
kenntniss Prof. Dr. K. Schumacher, für die Gegend von Walldürn mit ihm der lange
her bekannte Limesforscher Kreisrichter a. D. Conrady in Miltenberg.

Auf Grund aller dieser Forschungen, im Besonderen derer der Reichs-Limes-
Kommission, ergiebt sich nun von dem römischen Grenzwall folgendes Bild:

Der Grenzwall, Limes (ursprüngliche Bedeutung des Wortes: »Querweg«, erst
später in politischem und militärischem Sinn: »Grenzweg, Grenze«) zerfallt deutlich in
2 grosse Hauptabschnitte (s. d. gegenüberstehende Uebersichtskarte).

Der eine, der obergermanische Grenzwall (limes transrhenanus),
beginnt am Rhein bei Hönningen, unterhalb Rheinbrohl, unweit des Einflusses des
Vinxtbaches, der die Grenze der beiden römischen Provinzen Nieder- und Obergermanien
(Germania inferior und superior) bildete.

Er zieht sich in Gestalt eines auf vielen Strecken noch sichtbaren, mit der Zeit
abgeflachten Erdwalls mit vorgelegtem Graben und dahinter liegenden
Steinthürmen als trockene Grenze der Provinz Ober-Germanien über die Ausläufer
des Westerwaids, die Wasserscheide des Taunus und in einem Bogen um den nördlichen
Theil der Wetterau herum bis Grosskrotzenburg am Main. Von hier ab bildet eine
nasse Grenze der Main selbst bis Miltenberg, wo der Wall und Graben wieder beginnt
und sich, wenigstens von Walldürn an, mit dem Hohenstaufen als Richtpunkt in einer
ca. 90 km langen schnurgeraden Linie bis Lorch im Remsthal (genauer: 5 km weiter
östlich am Röthenbachthal) erstreckt. Seine ganze Länge beträgt ca. 370 km.

Der zweite kürzere Abschnitt, die Donaulinie (limes transdanubianus
oder raeticus), ca. 180 km lang, schliesst sich als Nordgrenze der Provinz Raetia dem
obergermanischen Grenzwall an, zieht sich aber nördlich von der Donau unter scharfem
Knick fast östlich fort und gelangt in einem Bogen über Gunzenhausen zwischen Hienheim
und Kelheim, ca. 30 km von Regensburg entfernt, an die Donau, wo er sein Ende findet.
Er besteht nicht aus Wall und Graben, sondern aus einer im Allgemeinen 1,20 m breiten
fortlaufenden, in Mörtel gefügten Mauer ohne Graben mit vereinzelten Strebepfeilern
und mit meist zwischengebauten Thürmen, was wahrscheinlich in dem steinigen Terrain
der dortigen Juraformation seine Begründung findet. (Eine ähnliche Mauer wurde
übrigens auch an einer Stelle des Obergermanischen Grenzwalls von Jagsthausen über
Osterburken nach Bofsheim und vielleicht noch weiter, hinter dem Erdwall hinziehend,
aufgedeckt.)

Längs der ganzen, ca. 550 km langen Linie, unmittelbar hinter ihr (im rätischen
Theil zwischen eingebaut) standen, je 5—600 Schritt von einander entfernt, steinerne
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