Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,3): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim (Kreis Mosbach) — Tübingen [u.a.], 1901

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KREIS MOSBACH.

Ehem. Schioss Das ehem. Rosenberg'sche Schloss, jetzt im Privatbesitz, liegt an der höchsten

Stelle des Ortes zwischen beiden Kirchen und war einst mit Wall und Graben umwehrt,
von denen noch Spuren hinter dem jetzigen Rathhause (ehem. Amtsgebäude der Herr-
schaft) und nördlich vom Orte vorhanden sind. Der Bau besteht aus zwei rechtwinklig
aneinander stossenden Flügeln, die in Folge neuerlicher Restaurationen und Umbauten
im Aeussern wie im Innern den alterthümlichen Charakter völlig eingebüsst haben. Nur
die alten Wappen und Jahreszahlen künden ihren altehrwürdigen Ursprung. So finden
sich an einer Spitzbogenthür im Hofe das Rosenberg'sche und Stetten'sche Wappen,
während aussen am Kellereingange des andern Flügels die Jahreszahl 1582 mit einem
zweiten, mir unbekannten Rosenberg'schen Allianz-Wappen angebracht ist. An der Ecke
aussen der Rest eines Rundthurmes. Im Uebrigen bieten die Baulichkeiten nichts
bemerkenswerthes mehr.
Fachwerkhäuser Der Ort muss einst reich gewesen sein an alten Häusern mit verziertem Fachwerk,

das jetzt leider fast überall unter dem Putz verschwunden ist. Häufig schaut noch, so z. B.
an den Häusern Nr. 60 und 61, ein hübscher geschnitzter Fries (Sternmuster zwischen
zwei Wellenbändern) über den Balkenköpfen entlang laufend oder sonst ein verzierter
Holztheil hervor.
Friedhof Der Friedhof, der aussen vorn, an der Ecke der Umfassungsmauer die Jahreszahl

1593 an einem Quaderstein aufweist, enthält in der Mitte ein sehr verwittertes Monument
(w. S.) mit dem Bilde einer Frau in Hochrelief, die auf jedem Arm ein Kind trägt.
Links unten das Rosenberg'sche, rechts das Schinen'sche(?) Wappen. Ueber ihrem Haupte
eine verwitterte Inschrift, die sich auf die Stiftung des Kirchhofs i. J. 1576 bezieht. Das
Monument scheint vom ehem. Friedhof bei der alten Kirche hierher versetzt zu sein.

SCHLIERSTATT

Schreibweisen: Slirstat 996 (?) und 1231, Slierstat 1103 und 1232, Slirstad 1285,
1290, 1393 etc.

Nach Breunig gehörte der Ort den Dynasten von Dürn, die von hier aus Kloster
Seligenthal i. J. 1236 gestiftet haben. Bis 1803 kurmainzisch (Oberamt Amorbach), dann
leiningisch und seit 1806 badisch.

Nördlich vom Ort und nordwestlich je Reste einer römischen Ansiedlung.

Nach Gropp wird bereits in den Jahren 1088 bis n04 einer Kirche in Schlierstatt
Erwähnung gethan; ein Pfarrer kommt urkundlich i. J. 1290 vor.
Pfarrkirche Die jetzige Pfarrkirche (tit. S. Gangolphi) ist ein stattlicher Neubau aus dem

Jahre 1766 (Jahreszahl über dem Portal) in den ruhigen klassizistischen Formen der
Zeit, mit einem hübschen Sandsteinportal und Dreieckgiebel darüber nebst Glocken-
thürmchen oben an der Vorderfront, im Uebrigen aber schmucklos. Der Sakristei ent-
sprechend ist südlich an dem platt geschlossenen Chor ein Glockenthurm neu errichtet,
inneres Die innere Ausstattung ohne Kunstwerth, aber einheitlich im Stil der Zeit mit

leichtem Rococo-Anfluge. Nur der hübsche Hochaltar zeigt etwas ältere barocke
Formen (soll aus Schönthal stammen).
Kruzifix Ein altes charakterloses Kruzifix in der Sakristei (aus Selgenthal?) lässt kaum

eine Datirung zu.
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