Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,3): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim (Kreis Mosbach) — Tübingen [u.a.], 1901

Seite: 44
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KREIS MOSBACH.

Zehntscheuer

Privathäuser

Wappentafel

Steinkreuze

Das Innere ist bis auf die im Oberstock noch erhaltene geräumige »Stube«,
dem ehemaligen Wohnzimmer des Kellers, gänzlich verbaut und verwahrlost. Zur Stube
gehört auch der erwähnte schmucklose Erker, dessen Aeusseres Fig. 24 zeigt und dessen
Decke aus einem Kreuzgewölbe besteht. In der Ecke der Rest eines Kamins.

Jenseits des Korridors der Fruchtboden mit den alten eichenen Holzständern
und Durchzügen (s. Fig. 25).

Erwähnt sei noch aussen, oben in der Giebelfront eine zugemauerte Thüröffnung,
unterhalb deren noch zwei Kragsteine einer ehemals hier mündenden Holzgallerie in
der Mauer stecken. Wohin der Gang geführt hat, lässt sich nicht mehr nachweisen.

Der Kellerei gegenüber im Hofe liegt eine grosse Zehntscheuer, mit dem Wappen
des Erzbischofs Georg Friedrich von Greifenklau und der Jahreszahl 1627 über dem
Thorweg,

In Folge der vielen Brände, welche die Stadt heimgesucht haben, sind fast alle
älteren Bürgerhäuser verschwunden. Die wenigen übrig gebliebenen erscheinen schmuck-
los, wie der 1573 errichtete ehemalige Rüdt'sche Hof (s. unten S. 51).

Auf dem Platze vor dem Thorthurm eine barocke Mariensäule vom Jahre 1753
auf reich verziertem Sockel (r. S.).

An der Steinwandung der Brücke ist eine ornamentirte Tafel (r. S.) eingelassen
mit der Jahreszahl 1593 und einem Wappenschilde, das über einem Epheuzweige
die Buchstaben V C zeigt.

An der Landstrasse nach Walldürn beim ersten Bahnwärterhäuschen zwei Stein-
kreuze (vergl. oben S. 29), das eine mit dem Mainzer Rad, das andere mit einem
Handschuh, den Wahrzeichen des kurfürstlichen Marktprivilegs (vergl. Rieh. Schröder,
die Rolande Deutschlands, Berlin 1890, S. 3 ff.).

DORNBERG

Glocke

Bildstock

Waldkapelle

Schreibweisen: Dorenberc 1252, Dornbergk 1482 etc.

Alter Besitz des Klosters Amorbach; bis 1803 kurmainzisch, bis 1806 fürstlich
leiningisch.

Die kleine Kirche, ein einfacher Barockbau, um 1770 entstanden, enthält aussen
wie innen künstlerisch nichts beachtenswerthes. Die Ausstattung mit Hauptaltar, zwei
Seitenaltären, Kanzel u. dergl. ist die bei den Kirchen dieser Art damals übliche:
theatralisch zopfig. Dabei wird das Auge doch wiederholt durch eine, oder die andere
Einzelheit erfreut, wie hier z. B. durch die beiden vortrefflich, besonders auch in der
Bewegung, gelungenen kleinen Holz-Figuren, Maria und Johannes zu Füssen des (weniger
gut modellirten) Crucifixus.

Glocke von 1775.

Vorn im Ort ein einfacher Bildstock von 1625.

Die eine viertel Stunde vom Ort entfernt, malerisch unter herrlichen Buchen in
einem Waldthälchen gelegene ehemalige Waldkapelle besteht nur noch aus den Um-
fassungsmauern. Wie die im polygonen Chor erhaltenen spitzbogigen Fenster beweisen,
stammt der Bau aus der gothischen Periode, ohne dass sich, mangels aller Zierformen,
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