Oechelhäuser, Adolf von; Kraus, Franz Xaver [Editor]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 4,3): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim (Kreis Mosbach) — Tübingen [u.a.], 1901

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AMT BUCHEN".

WALLDÜRN.

Einen besonders wirkungsvollen Abschluss nach Westen hin erhält das Innere durch
den Einbau der Eingangs-Empore mit der darauf befindlichen grossen und reich
geschnitzten Orgel (s. Abbild. Tafel IX und Fig. 65). Durch entsprechende Stelzung
der die beiden Zwischenpfeiler mit dem Arkadenpfeiler verbindenden drei Rundbögen ist
ungefähr die Scheitelhöhe der Arkadenbögen und damit eine leichte luftige Wirkung des
Gesammtaufbaues erreicht worden, während an den Vorderseiten und Innenseiten der
Pfeiler, nicht minder auch an den Kappen der drei Kreuzgewölbe, welche die Orgelbühne
tragen, der Stuccateur in ebenso reicher, reizvoller und manigfaltiger Weise wie in den
Seitenkapellen seine Kunst zur Geltung gebracht hat (s. Abbild. Fig. 66). Starke Eisen-

Wanddekoration in der Walldürner Kirche.

Stangen verbinden die Pfeiler mit der Westwand zur Aufhebung des Gewölbeschubs. Ein
kräftiges Balustre über dem weit ausladenden Hauptgesimse krönt den Einbau und begrenzt
die Orgelbühne nach vorne. Den Akten zufolge ist das Orgelwerk in den Jahren i7i4bis
1717 von Christian Dauphin in Kleinheubach hergestellt worden. Die fast überreiche
künstlerische Ausschmückung des grossartigen Werkes mit Schnitzereien manigfaltigster
Art ist in Zeichnung und Ausführung das Werk einer künstlerischen Kraft nicht gewöhn-
lichen Schlages (s. Abbild. Fig. 65 und 67). Als Urheber erscheint in den Akten der Amor-
bacher Bildhauer Georg Friedr. Schmig (s. auch unten). Gern entbehren würde man
dabei freilich den fast 4 m im Durchmesser haltenden schwerfälligen Wolkenkranz oben in
der Mitte, der die Figuren der Dreieinigkeit mit zahlreichen Engelsköpfen enthält und den
Raum bis zur gewölbten Decke auszufüllen bestimmt ist. Zu der reichen Vergoldung allen
Schnitzwerkes steht der stumpf blaugrüne Ton der Zinnpfeifen in wirkungsvollem Gegensatz.
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