Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 47.1931-1932

Seite: 236
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DAS NEUE FRESKO (Fortsetzung von Seite 223)

werden wird? Bleibt noch als letzles Hilfsmittel,
die ganze V\ and zu belegen. Aber das ist na-
türlich erst recht teuer und im Außenbau kaum
durchzuführen. Die begrenzte Platte verleitet
übrigens auch immer wieder dazu, das Wand-
bild in einen rechteckigen Rahmen zu pressen,,
wie ein Tafelbild, und gerade das widerspricht
seiner Aufgabe. Erst dann geht es vollkommen
mit der W and zusammen, wenn es die ganze
Wand füllt oder in freiem L mriß, scheinbar will-
kürlich und flüchtig auf der Y\ and schwimmt.
Bei Innenräumen ist die Platte noch am leich-
testen zu verwenden, aber die Tragik des Schick-

sals will es, daß hier auch weniger empfindliche
Techniken als Malen in nassen Putz brauchbar
sind. Für den Außenbau fehlen noch alle Er-
fahrungen, ob Wind und Regen nicht doch
auch hier langsam den umschließenden Rahmen
durchscheinen lassen.

Wie stark das Ausarbeiten des Bildes im Atelier
und die begrenzte Fläche den Bildeindruck be-
stimmen können, zeigten wie gesagt die ausge-
stellten Bildproben. Auf den ersten Blick erkennt
man, wen die großzügige Arbeit an der Wand
erzog und wer noch kein Fresko vorher gemalt

hatte. Max Schoen, BDA., München

ERNST TE PEERDT f

In Düsseldorf ist am 20. Februar der alte te Peerd t
gestorben. Er war schon „der Alte"', als er in der
Sonderbundzeit berühmt wurde. Damals ent-
deckte man in ihm einen Modernen und spielte
ihn gegen die Achenbach-Zeit aus. InW ahrheit
hatte er als Landschafter, was er auch bereit-
willig zugab, keinem mehr zu verdanken als
gerade Oswald Achenbach — auch die hier ab-
gebildete „Parklandschaft" geht gerade im Im-
pressionistischen auf ihn zurück — und als
Genremaler war ernichtnur Schüler von Ludwig
Knaus, zu dem der W eseler Kreisgerich Israt
Heinrich te Peerdt den begabten Sohn in die
Lehre schickte, sondern gelegentlich auch der
Nachfolger. Sein Eigenstes gab te Peerdt, der
im Grunde ein später Romantiker war und viele
ebenso echt empfundene wie schwach gemalte
Bilder mit sehnsüchtigen Jungfrauen aus Iphi-
geniens Geschlecht, mit phantastischen Felsland-
sebaften und W undervögeln hinterläßt, sonder-
barerweise in Stilleben. Deren malteerbesonders
viele während des Krieges. Man darf sie nicht
mit denen von Chardin und Cezanne vergleichen.
Aber er verstand es, ein vielseitiger Zauberer,
den toten Dingen ein merkwürdiges Leben zu
verleihen und in der Farbe überwand er gerade
hier die ihm eigentümliche Sprödheit. Das Bild
des Kunstmuseums in Düsseldorf mit grünen
und sehr gelben Gurken ist wohl die vollendetste
Lösung, die Ernst te Peerdt hier gelang. Hier
in Düsseldorf werden auch mehrere der aqua-

rellierten Federzeichnungen mit landschaft-
lichen Motiven aufbewahrt, die besonders in
den siebziger Jahren von seltener Feinheit und
Eigenart sind.

Am 25. November hätte er den 80. Geburtstag
begehen können. Es wurden verschiedene Ehrun-
gen vorbereitet. An solchen hat es dem so lange
\ergessenen in den letzten Jahren keineswegs
gefehlt. Er war Professor, Doctor honoris causa
der Universität Bonn und Ehrenmitglied der
Kunstakademie Düsseldorf. Man ehrte ihn auch,
durch Morgenfeiern, als Dichter. Um diesen
Lorbeer hat er schwer gerungen. Karl Boettger
hielt zu ihm. Andere versagten hier die Gefolg-

o

schaft. Nach jeder dieser Feiern war es einsamer
um ihn denn je.

Als Denker trat te Peerdt mit einem Epilog zur
Deussenschen Upanischaden-Übersetzung her-
vor, als Kunstphilosoph mit den Schriften „Von
dem Wesen der Kunst" (1893) und ..Das Pro-
blem der Darstellung des Momentes der Zeit in
den W erken der malenden und zeichnenden
K unst" (189g). Es war ihm wahrlich n ich ts fremd,
und alle diese Betätigungen waren geeint durch
eine trotz vielen Sonderbarkeiten ehrfurchtee-
bietende Persönlichkeit. Wir haben ihn sehr
geliebt. Düsseldorf ist verarmt, seitdem der alte
Oeder und der alte te Peerdt nicht mehr durch
die Straßen wandeln, ausschauend der eine, in
sich versunken der Maler-Dichter-Philosoph

te Peerdt. Waller Cohen

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