Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 47.1897-1898

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Kleinkunst auf der Münchener Kunstausstellung.

Wandfeld, in einer anderen Ecke ein Sopha mit
Tischchen davor u. s. w. Indessen ist doch der
Versuch geglückt, die nach ihrem stilistischen und
Farbencharakter oft so verschiedenen Dinge unter
einen bsut zu bringen und einen Gesammtraum
herzustellen, der zwar keine geschlossene Einheit werden
konnte, aber doch eines unbestritten besitzt —Stim-
mung. Um die Wände des von zwei Thüren, einem
„Nothausgang" und zwei Fenstern durchbrochenen
Gelasses läuft eine mannshohe Ver-
täfelung (von ©. Fritzfche) in dunkel-
blaugrünem Anstrich und mit beschei-
dener Ausstaffirung durch Blümchen
und Randlinien in hellgraugelber Oel-
farbe (gemalt von Schmidt 6c To.);
die Wandflächenfelder darüber hat
Rich. Riemerschmid mit ungemein
lebensvollen Landschaften in Tempera
geschmückt, die in ihrer abendlichen
Dämmerungsstimmung eine so er-
habene Ruhe athmen, daß der ganze
Raum dadurch eine höhere Weihe em-
pfängt. Tin schmaler, Heller, von
T n d e l l modellirter Fries
mit allerlei phantastischem
Gethier zieht sich darüber hin
und eine in ihren struktiven
Theilcn vergoldete Balken-
decke, deren tiefblaue Felder
durch einfaches, hellgrünes
Laubwerk belebt ist, macht
den Schluß; in die licht-
spendenden Fensteröffnungen
sind interessante Glasbilder
eingesetzt, gemeinschaftliche
Arbeiten von Waler Rie-
merschmid und Glasmaler
Ule (Abb. 8 u. 9).

War es in diesem Raum
noch möglich, durch das
Wobiliar wenigstens einiger-
maaßen den Eindruck eines
Wohngemaches zu erzielen,
so mußte der daran an-
stoßende von Dülfer, worin eine Unmasse kleiner
Dinge — Gläser, Töpfereien, Gewebe, Buch-
einbände, Exlibris — untergebracht werden sollte,
sich dainit begnügen, wenigstens in den höher liegen-
den Theilen der Wände zusammen mit der Decke
eine Einheit herzustellen, mächtig genug, um die
vielen kleinen Einzelheiten darunter zu beherrschen.
Die Wandfläche bedeckt im Ganzen ein dunkler,
zwischen grün und violett schwankender, mit goldenen

Pfauenfedern gemusterter Ton, der für die Eckmann-
Scherrebecker Gewebe, die Galle'schen Gläser rc. einen
passenden neutralen Hintergrund bildet; den ©ber-
theil einer Wand nimmt ein großes phantastisches
Gemälde von Fritz Trier ein, das in seiner warmen
Färbung einen gesunden Gegensatz zu der übrigen
Wand bildet, während der ©bertheil einer anderen
Wand völlig von einem nach desselben Künstlers
Entwurf von T. U l e ausgeführtes Glasgemälde ein-
genommen wird. Ueber alledem läuft
ein Pfauenfries in Gold auf dunklem
Grund; eine vielfarbige, aber im
Ganzen hell gehaltene Felderdecke, in
welcher neben den Stuccaturen auch
dein Gold und dem Silber eine be-
deutende Rolle zugefallen ist, schließt
den Raum ab (Abb. 2). — Die zu
umfassender Witthätigkeit beigezogene
Farbe" hat in beiden Räumen wieder
ihre Wacht zu vermitteln und zu ver-
söhnen bewährt.

4- *

*

Die ausschlaggebende Rolle, welche
das Wo biliar in der Ein-
richtung und Ausstattung der
Wohnungen zu spielen pflegt,
legt es uns nahe, auch die
Besprechung derAusstellungs-
gegenstände mit diesen Stücken
zu beginnen, obgleich den-
selben im vorliegenden Falle
keine so maaßgebende Stel-
lung beschieden ist wie sonst.
Da fesseln nun die vier
Möbel von £j. E. v. Ber-
lepsch vor Allem die Auf-
merksamkeit (Abb. 5 und 6).
In der Hauptsache gemäß
den: Tonstructionsprincip von
Rahmen und Füllung zu-
sammengefügt, wie es zur
Zeit der Gothik im Mobiliar
geherrscht hat, aber in der
Renaissance mehr und mehr
man bei der unsymmetrischen
Stücke und bei der im ersten
Augenblick verblüffenden Gruppirung und Verschie-
denheit der einzelnen Gefache, Schubladen, Thürchen
doch sofort, daß all' die einzelnen Theile bestimmten
Zwecken gewidmet sind, wenn auch der Rneinge-
weihte diese Zwecke nicht zu errathen vermag. Zn
dieser Beziehung unterscheiden sich diese Wöbel da-
durch vortheilhaft von den sonst üblichen genau so.

;8. Geschmiedeter Leuchter;
entworfen von (D. Eck mann, ansgeführt von
3. Zimmerman n & Lie.

(Gesetzlich geschützt.)

verloren ging, fühlt
Gestaltung einzelner

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