Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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1 cm
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Unsere Bilder.

83. Plakat von kjelmuth Eichrodt; ansgeführt in der Aunst-
druckerei des „Künstlerbundes", Karlsruhe. Schrift grün und
schwarz, Grund dunkelblau und violett, Schatten und Umrisse
braun. ((Originalgröße 30 : -ZH cm.)

flachen und erhabenen Theilen, die einen silberklaren,
musikalischen Wohlklang erzeugt, eine „Modernität",
mit freier Fortentwicklung auf breiter traditioneller
Unterlage, die wohl mehr als in anderen Gebieten
in der Medaillenkunst unentbehrlich ist. Das Portrait
des Kaisers Franz Josef ist äußerst schlicht und frei
von Pose und allen unkünstlerischen „Accessorien"
behandelt — wie eine Marmorbüste.

Die von Lcharff geprägte prosilmedaille des
pofraths Josef Ritter von Storck, des ehemaligen
Direktors der Wiener Kunstgewerbeschule, zeigt die
hohen (Qualitäten von Echarff's Meisterhand. 5ie
wurde dem verdienten Jubilar zu seinem siebzigsten
Geburtstage (22. April fstOO) von seinen ehemaligen
Schülern und Freunden gewidmet. Diese Bronze-
Gußmedaille hat (8 cm Durchmesser und ruht
in einer Enveloppe aus polz mit Metallbefchlag,
im Renaissance-Charakter von Kunsttischler Franz
Michel ausgeführt. Dieses Etui enthält außerdem
mehrere Pergamentblätter mit Unterschriften von

500 Namen in- und ausländischer Kunst- und Kunst-
gewerbefreunden, in Kunstdruck ausgeführt von
R. v. Waldheim, ein beredtes Zeugniß von der all-
seitigen Anerkennung der Persönlichkeit und der Ver-
dienste des Jubilars. Ueber die stilistische Sicherheit
und feine Vertiefung der neuesten Arbeit Anton
Scharff's gibt die Abbildung klarere Auskunft als
Worte es können. W. Sch."

Von besonderem aktuellen Interesse ist die dann
folgende Pasteur-Medaille von 21. Lindberg in Stock-
holm; diese goldene Medaille wird von der Gesellschaft
der schwedischen Aerzte in Stockholm alle sO Jahre
an denjenigen vergeben, welcher sich in dein jeweils
abgelaufenen Jahrzehnt die größten Verdienste auf
dem Gebiete der Bakteriologie und pygiene erworben
hat. Die erstmalige Verleihung erfolgte vor Kurzem
an Geh. Rath Vr. v. pettenkofer in München, dessen
Entgegenkommen wir das vorliegende Bild ver-
danken (Abb. 82).

Endlich verdient das nebenstehende Plakat
namentlich wegen der von „berufener" Seite erfolgten
Kritik Beachtung. Das (Original (50:^ cm groß)
war u. A. am Stuttgarter Bahnhof ausgehängt,
mußte aber von dort auf Anordnung des Bahn-
amts-Vorstandes wieder entfernt werden, da es —
wie das Urtheil lautete — „dem guten Geschmack
nicht entspricht und auch sonst in mehr als einer
Richtung anstößig erscheint". Der „Künstlerbund
Karlsruhe", dessen Mitglied der Urheber des Plakats
ist und in dessen Druckerei das Plakat hergestellt wurde,
verwahrt sich mit Recht gegen ein solches Verfahren;
er erblickt „in dem Vorgehen der betreffenden Be-
hörde einen Akt der Beamtenwillkür in Kunstfragen".
— Es wäre wirklich interessant zu erfahren, was
denn dem betreffenden Beamten so „anstößig" er-
schienen ist, und was ihn zu dem verunglückten Ver-
such gereizt hat, durch jenes Verbot den Befähigungs-
nachweis zur Beurtheilung dessen, was dem „guten
Geschmack entspricht", zu erbringen.

Lgronik des KunstgemröMmns.

Gebrüder Armbriister in Frankfurt a. M. haben eine
größere Anzahl Lichtdrucke ihrer in Paris ausgestellt gewesenen
schmiedeeisernen Gruppe — Adler und Drache — dem Verein
zur vertheilung an Vereinsmitglieder zur Verfügung gestellt;
der größere Theil wurde bereits gelegentlich der Ivochenversamm-
lungen seiner Bestimmung zugeführt, ein kleiner Rest lagert
noch zur Abholung durch interessirte Vereinsmitglieder im
Vereinssekretariat bezw. in der Ausstellungshalle.

verantw. Red.: ssrof. £. <55 me litt. — tzerausgegeben vorn Bayer. Aunstgewerbeverein. — Druck und Verlag von R. Dldenbourg, München.
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