Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Kleine Nachrichten.

statten zu sehen war — besonders von den Mün-
chenern £j. Seit; Nächst, Steinicken & Lohr,
Wilhelm und Lind, J- Win hart & Co., R. Porr-
mann — gab aber wenigstens ein erfreuliches Bild
dieses Kunstgewerbezweiges und hob sich vorteilhaft
ab, z. B. von belgischen Arbeiten, denen jeder künst-
lerische Zug fehlte, während F. Zwollos (Amster-
dam) einfache, materialgerechte, aus Messing und
Kupfer getriebene Gefäße das Schaffen Pollands auf
diesem Gebiete in erfreulichem Lichte zeigten (Abb.
bis 256).

*

Das Zinn hat, von Paris ausgehend, in letztem
Zahrzehnt mehr und mehr die Freundschaft einzelner
Künstler errungen; seine Geschmeidigkeit schien
manchen auf weiche, verschwommene Gestaltung hin-
zielenden bildhauerischen Neigungen besonders ent-
gegenzukommen. Diese Stilrichtung kennzeichneten
die Arbeiten von Z. Desbois, Z. C. Roine (im
Kunstpalast), G. Cngrand; namentlich des letzteren
Gefäße, Kassetten, Leuchter rc. schienen stets ein
Mittelding zwischen Gerät und sigürlicher Komposition !
sein zu wollen. Entschiedener aus dem Boden des
praktischen Gebrauchsgeräts steht Zules Brate au,

der in Zinn neben einer Reihe schöner Teller und
Becher auch die niedlichen Salzpfeffergefäße geschaffen,
die so viel Anklang fanden (Abb. 257—259). —
Am reichhaltigsten war das Zinn und dessen Abarten
(„Grivit", „Kayser-Zinn", „Edelzinn") durch deutsche
Firmen vertreten,Ferd. Pub. Schinitz und (£. Kayser
in Köln, Zos. Lichtin ge r & Pänisch, Ludw.
Lichtinger, L. Mory und Zos. 5chmeidl in
München, — die bezeichnenderweise nur Gebrauchs-
gerät geschickt haben, das sich durchgehends moderner
Ausdrucksweisen bedient. Die noch vor wenigen
Zähren beliebte Formenwelt der Renaissance scheint
völlig verschwunden zu sein.

(Schluß folgt.)

Steine Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Auvstetkungen,
Mettkewerke <rc.

ünchens städtische Museen — das historische
Stadtmuseum, die Maillinger-Sammlung, die
städtische Modellsammlung —, sämtlich in dem alten
Zeughaus (St. Zakobsplatz Nr. f)
untergebracht, sind feit dein (.Februar
dreimal wöchentlich: Sonntag, Dienstag
und Donnerstag von 9—s Uhr bei
freiem Eintritt geöffnet. M.

und kulturgeschichtliche
Ausstellung iit München, Früh-
jahr 1901. Am ((. Februar fand
im Münchener Künstlerhaus eine Ver-
sammlung von Künstlern, Kunst-
freunden, Vertretern der Stadt u. s. w.
statt, in welcher Prof. Gabr. v. Seidl
den Gedanken einer auf Werke der
bürgerlichen Kunst des (8. Zahrhun-
derts beschränkte Ausstellung entwickelte.
Als Lokal steht das Studiengebäude
beinr neuen Nationalmuseum zur Ver-
fügung. Zur Ausstellung sollen die
reichen Schätze jener Zeit gelangen, die
sich im Privatbesitz Münchener Adels-
und Bürgerfamilien befinden, — und
zwar in folgenden Pauptgruppen:
f. Erinnerungen an die damaligen
Regenten (in ihrem Privatleben und
ihren Beziehungen zum Volke), ebenso
an andere hervorragende Persönlich-
keiten; 2. Städtebilder in Ansichten,
Straßenbildern und Pausbemalungen;

228. (Pariser Ausstellung.) Lisenständer, in der Fachklasse von h. herdtle
(wiener Kunstgewerbeschule) entworfen von Ldm. Bosch, ausgeführt von
Ant. Schwarz, Wien.

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