Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Kunstgewerbliche Streifjiige auf der Pariser Weltausstellung.

An Ehrungen wird es dein Leiter Bayerns,
Sr. Kgl. Hoheit dem Prinz-Regenten, am achtzigsten
Geburtstage nicht fehlen. Vielleicht wäre es eilte der
zutreffendsten Huldigungen gewesen, wenn zur Feier
dieses Tages der Grund zu einem umfassenden solchen
Werke gelegt worden wäre. s)n der großen Reihe
der Monumenta Germaniae müßten die Monumenta
Bavariae an der Spitze stehen.

München, Februar fstOs.

Berlepsch-Valendas.

ArmfkHeiverbkiche Streifzüge auf
der Pariser IVektaubsteEung. Sine
(Nächtest. (Von L. Omekm.

(Schluß.)

ur Ldelschiniedekunst hat be-
reits im neunten Heft des letzten
Jahrganges (5. 560) ein Mit
arbeiter das Wort ergriffen; das
Bild das dort der Praktiker ent-
worfen hat, ist, wenn auch nur
mit wenig Strichen gezeichnet,
doch iit seinen wesentlichen Zügen wohlgetroffen. Es
bedarf nur der Ergänzung.

Es gibt vielleicht kein Gebiet, auf dem die ganze
Welt noch im dritten Viertel des fy. Jahrhunderts
so vom pariser Geschmack abhängig und der Pariser-
Produktion tributpflichtig war, wie das der Edel-

nretallarbeiten. Paris,
das bodenlose Sammel-
beckeit so vieler anders-
wo erworbener Reich
tümer, konnte feine Art
toritat in Geschmacks-
und Modesachen gerade
im Bereich des Edel-
metalls um so eher zur
Geltung bringen, als
dabei im Gegensatz
zu dem Mobiliar
die Transportkosten bei
dem Wert der Gegen-
stände gar nicht mehr
in Betracht kommen.
Es läßt sich schwer
glauben, daß dieses

267. (pariser Ausstellung.) Noch fetzt vorhandene

Rookwood-Vase in Silberfassung von Abergewicht jemals
G o r h a m Manufacturing Lomp., ‘

New-L)ork. (Vs d. w. Gr.) ßUSC$CQuu)CU

den könnte, wenn auch der Ninibus heute etwas
verblaßt ist.

Weniger als das Mobiliar beharrt das fran-
zösische Edelmetallgerät auf dem alten Standpunkt
der Nachahmung. Wohl gibt es Firmen, die darin
ihre Hauptstärke suchen und auch köstliche Arbeiten
liefern :); aber man suchte vergeblich nach einer
Firma, die vom Neuen unberührt geblieben wäre,
im Gegenteil konnte man überall ein mehr oder
weniger starkes Hinneigen zu modernen Gedanken
wahrnehmen, namentlich bei den führenden Ge-
schäften, wie z. B. Thristofle 6c To. )Abb. 265,
266 und 268 —-27 s), dann bei Boin Taburet,
A. Debain, Ehr. Bo ulenger 6c ToB)

All den aus diesen Geschäften hervorgegangenen
Arbeiten hastete indessen so geschniackvoll sie
auch gekleidet waren — etwas vom Großbetrieb
an; Werke der eigentlichen Kleinkunst in Silber,
wie sie nur unter der liebevollen Behandlung
eines Künstlers entstehen können, waren sehr selten;
die paar Sachen von £. Falize, Jules Brateau,
Francis Peureux, Dinge, die zum Teil in der
Sammlung der Union des arts decoratifs zu sehen
waren, hätten bequem auf einem Tisch von zwei bis
drei Quadratmetern Platz gehabt.

Daß aus Italien kein anderes Silbergeschirr
von Bedeutung zu sehen war als gute Nachbildungen
antiken Silbergeschirrs (Giacinto Mellilo, Neapel)
kann nach dem bisher Gesagten nicht weiter wundern.
Auch England hatte sich sehr im Hintergrund ge
halten, und die amerikanischen Arbeiten von Tis
sany und Gorham konnten sich weder an Feinheit
des Geschmackes, noch an Schönheit der Ausführung
mit den pariser Arbeiten messen; zu den besseren
Sachen gehörten Gorhams Silberfassungen von Thon-
gefäßen (Abb. 267). Von den tüchtigen Leistungen
des im ganzen ja ungenügend vertretenen belgischen
Kunsthandwerks gaben wenigstens die Arbeiten Frz.
Hoosemanns, Brüssel, achtunggebietende Proben
(Abb. 272 und 273).

3m Gegensatz zu dem französischen Silbergerät,
wo die Fabrikwaren die Regel, die Einzelarbeiten die
Ausnahmen bildeten, waren bei den deutschen
Arbeiten die mehr sabrikativ hergestellten Stücke die
Ausnahme, während die Einzelarbeiten meist
Ehrengaben aller Art — durchaus überwogen. Da
letztere zuni größten Teil schon aus einer Zeit

*) §- B. I. A. Rist er Sc <£arre, Am. Tallois,
iitatfon Gdiot, Andre Aucoc üls, Keller treres, Fr.kfartaux.

2) Diese Firma brachte u. a. einen riesigen Tafelaufsatz,
der allein einen Tisch für sich iu Anspruch nimmt; das Plateau
(etwa ps m lang) mit reichem Figureufchmuck trägt eine
Sardiniers, aus der iq Kerzenarme bervorgehen.

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