Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Zum Vorschlag des Atelier-Ansstellungshauses.


423. Ausstellung der Kütiftlcrfolonie in DarinftaM.
Das fjaus „Keller"; Architekt I. M. Dl brich.

geführt siitd, so sollte in der ganzen Ausstellung kein
^uadratcentinieter Form und Farbe erhalten, die
nicht von künstlerischem Geist durchdrungen sind.

So wurde denn emsig gegraben, gebaut und
eingerichtet, und nun steht die Ausstellung fertig vor
uns. In einer Pauptare, von Süden nach Norden,
wurde das Atelierhaus als Dominante der Verbau
ungsidee situiert; einen großen Platz umschließend,
gruppieren sich um diese Axe östlich das Olbrich
und pabiclchpaus, westlich die Villa Christiansen Mtd
das kleine Glückert-Paus. Östlich rechts neben pabich
das paus Ae Iler, das erst nach der Ausstellung ein
gerichtet werden soll, und nun zur Ausstellung der
Verlosungsgegenstände, sowie zu Aollektivausstellungen
moderner Schuhwaren, Seidenstoffe re. dient. Westlich
neben dem kleinen Glückert-Pause, das der Besitzer
bewohnen wird, liegt das große Glüekert paus, ein
Bau, den Glüekert auf Spekulation ausführen ließ,
und endlich noch weiter links das Behrenshaus.
Ihm gegenüber der Pavillon der Blumen und etwas
tiefer rückwärts das Spielhaus und die Ausstellungs-
halle für Flächenkunst. Gegen Westen in der Paupt-
achse der vom russischen Aaiser erbauten Aapelle liegt
der Paupteingang. Das Ganze umgibt ein Zaun, der
in bestimmten Abständen zur Belebung eine Plakat
tafel trägt.

Wie schon oben erwähnt, hat Olbrich sämtliche
Ausstellungsbauten, und mit Ausnahme des pauses
Behreirs auch alle Privathäuser erbaut.

Ente Anzahl der Außenansichten finden die Leser
bereits dein Aufsatz beigegeben, weitere werden in
einem der nächsten pefte folgen, wie auch eine Reihe
von Innenansichten und Detailaufnahmen, deren
Wiedergabe die Aünstlerkolonie erst voni August ab
freigegeben hat.

(Schluß folgt.)

Jum (Vorschlag des AiekierrAuer
skeLbunHbhauses. (Von Dr. Oskar
MünsierßerH.

egenüber den Ausführungen Dr. Bredts,
insoweit sich dieselben auf eine Aritik
der bestehenden Zustände beziehen,
werden weite Areise unbedingt sich zu
stimmend verhalten. Bezüglich des posi-
tiven Programms zur Errichtung eines Atelier
Ausstellungshauses dürfte auch Einstimmigkeit darüber
zu erzielen sein, daß es unbedingt notwendig ist,
Ausstellungsräume zu schaffen, welche das ganze
Jahr über Aäufern Gelegenheit zum Erwerb von
Bildern geben. Dagegen läßt sich gegen die vor-
geschlagene Organisation mancherlei einwenden. Die
Verquickung von Aunstgewerbe und Aunstmalerei ist
insofern durchaus empfehlenswert, daß die Ausstellinig
in einem Raume gemeinsam stattfindet, aber bezüg-
lich der Vermietung der Räume besteht ein sehr-
bedeutender Unterschied. Das Aunstgewerbe wird von
kapitalkräftigen Fabriken betrieben J), welche schon
aus Geschäftsinteresse besorgt sein müssen, fortgesetzt
neue und gute Ware an den Markt zu bringen.
Für diese lohnt es sich auch, erhebliche Spesen an
Miete auszugeben, da sie die ausgestellten Gegen
stände vielfach verkaufen können und außerdem
Aundschast heranziehen, welche ihre Spezialläden
besucht.

Ganz anders' aber verhält es sich bei dem
Aünstler. Wenn derselbe ebenfalls Räume für Geld
mieten kann, so würde eine Verteilung der Aünstler
nicht mehr nach Leistung, sondern ausschließlich nach
Vermögen stattfinden. Auch erscheint mir ein Raum
nur mit Bildern, wenn auch in Ateliermanier aus-
gestellt, ziemlich langweilig.

i) Der Verfasser übersieht entweder den großen Unterschied
zwischen Aunstgewerbe und Aunstindustrie, oder die That-
sache, daß es auch heute noch — in München wenigstens -
Aünstler gibt, die einen großen Teil ihrer Araft auf die Alein-
knnst verwenden, ohne „kapitalkräftige" Fabrikanten zu Genossen
zu haben. Die Schristleitung.

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