Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Der XI. Delegierten- und der Aunstgewerbetag zu München.

Land in sie gesetzt haben, als dieselben
nicht unbeträchtliche Mittel zur Ver-
fügung der Künstler stellten?

„Mein bsessenland blühe und in
ihm die ‘Kiutft!" Das war die Formel,
in welche der Großherzog bei der
Grundsteinlegung seine Wünsche und
Hoffnungen legte. Dem heimischen
Handwerk und der heimischen Industrie
sollten frische Quellen erschlossen, und
so das Hessenland einer neuen Blütezeit
entgegengeführt werden. Darmstadt
war bisher eine recht stille Stadt und
die Wurzeln des Althergebrachten faßen
tief, da war es nicht leicht, den Hand-
werker zur Lösung neuer Aufgaben an-
zuspornen. Manche schwere Kämpfe
hat es in der Richtung gegeben, be-
sonders im Anfang. Nun aber die
Ausstellung fertig ist, glaube ich, freuen
sich diejenigen doch, die daran Mit-
arbeiten konnten und es ist sicher, daß
sie alle viel dabei gelernt haben. Sie
werden allmählich einsehen, daß ihnen
die moderne Kunst in den meisten
Fällen leichtere Aufgaben stellt, weil
die Berücksichtigung des Materials ihr
erster Grundsatz ist. Läßt der Staat
seine Unterstützung nicht zu schnell er-
lahmen, so ist sicher, daß aus diesem
immer leichter werdenden Zusammen-
arbeiten von Künstlern und Handwer-
kern eine kraftvolle und originelle Kunst
entstehen muß, die dem Lande Segen bringen wird.

Neben den Handwerkern, die direkt an der Auf-
führung der Bauten beteiligt waren, ist es eine ganze
Reihe von Gewerbetreibenden, die zahllose Gegen-
stände der Kleinkunst nach Entwürfen der Künstler
ausgeführt haben. Als Beispiel: Die vortrefflich
ausgeführten Druckarbeiten, oder die in so erfreulich
reichem Maße verwendeten Stickereien aller Art.
Das meiste ist natürlich in Darmstadt selbst oder
dessen nächster Umgebung, jedenfalls aber in Deutsch-
land hergestellt. Aber auch ohne diese praktischen
Erwägungen verdiente die That des Großherzogs
gepriesen zu werden, denn das Beispiel der beiden
Jüngsten, Huber und Bürck, hat gezeigt, wie riesig
sich durch Schaffung günstiger Verhältnisse die Ent-
wickelung bedeutender Künstlerpersönlichkeiten beein-
stußen läßt. Das deutsche Volk kann daraus die
Gewißheit schöpfen, daß die nötigen Künstler stets
da sein werden, wenn wir einmal das Publikum
haben, das unsere Kunst versteht und begehrt.

(Der XI. (Dekegierienr und der
AunsiHewerbetaH zu München,
vom 29* Juni ßttf 3. Juki.

er X. Delegiertentag des Verbandes
„Deutscher Kunst ge werbe vereine"
hatte in Hamburg (28. und 2st. April
sstOs) stattgefunden; obgleich also kaum
zwei Monate seither vergangen waren,
folgten gleichwohl die Vereinsvertreter wieder dem
Rufe Münchens zum XI. Delegiertentag, der schon
in Hamburg als die Fortsetzung des dortigen be-
zeichnet worden war. Als Vorsitzender des Vor-
orts Hamburg eröffnet Direktor Vr. Brinckmann
die Versammlung, indem er die Anwesenheit von
2{ Delegierten, Vertretern von Vereinen und
von ^ Gästen feststellt. Der Verband, welchem die
Kunstgewerbevereine von Lübeck und Chemnitz als

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