Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Hermann Götz f.

590. Airche in Dorfprozelien a. M.; erbaut non
Joseph Schmitz, Nürnberg.

Einfachheit und Anspruchslosigkeit des Vortrags ihren
vollen Adel. Und diese Anspruchslosigkeit ist durch-
aus echt und wahr, denn sie kommt aus des Aünsilers
tiefster Seele. Nicht nach Anerkennung ringt er,
sondern nach künstlerischer Gestaltung seines Em-
pfindens. Glücklich, da und dort wahre künst-
lerische Interessen zu fördern, schiebt er nicht selten
neidlos jene vor, die er angeregt, und freut

sich still lächelnd der Anerkennung, die jene
fanden, stolz und froh in dem Bewußtsein, einer
guten Lache genützt und ihr neue Verfechter ge-
wonnen zu haben. Gar manche Arbeiten, deren
Übertragung als Zeicheit großer Wertschätzung be-
trachtet werden nruß, lehnte er ab, wenn er fürchtete,
seine künstlerischen Grundsätze nicht voll zur Geltung
bringen zu können; wo Schmitz aber seine Ljand
angelegt hat, da arbeitete er mit der ganzen Innig-
keit seiner Aünstlerseele, und so sind seine Werke
ganz, groß und edel.

Julius Groeschel.

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Hermann (Bo^ f«.

aß wir um die seltene Thalkraft dieses
Mannes ärmer geworden sind, daß er
plötzlich aus einem arbeitsreichen Leben
und aus unserer Mitte gerissen wurde,
das wird uns mit jedem Tage offen-
barer, an dem uns irgend ein Blatt der Presse oder
eine Fachzeitschrift wieder und wieder in längeren
Artikeln von dem unerwartet schnellen Ableben des
trefflichen Künstlers Bericht gibt unter Darbietung
umfassender Biographien. — Vor zehn Jahren
hätte man um einen solchen Künstler dekorativen
Schlages bei dessen Abscheiden nicht halb so viel
Worte gemacht; wie mancher ist sang- und klanglos
einfach als gestorben gebucht worden. An diesem
Umschwung erkennen wir so recht, daß das all-
gemeine Leben ein wesentlich höheres Interesse jetzt
an allen Kunstbestrebungen nimmt als zuvor, auf
der anderen Seite haben wir aber auch uamentlich
den großen Fortschritt zu verzeichnen, daß die Kunst
selbst eine tiefeingreifende Verallgemeinerung erfahren
hat, als die hohe und kleine Ärmst nicht mehr unter
der früheren Alaffenfcheidung sich irur an diese oder
jene wendet.

Von den Werken des Verstorbenen ist im
Laufe seines fast dreißigjährigen, überaus frucht-
baren Schaffens eine seltene Fülle in die Öffent-
lichkeit gedrungen, so daß man fast sagen kann,
Götz war ein populärer Mann des deutschen Kunst-
gewerbes weit über die Grenzen Badens hinaus.
Ja, weit nrehr als das, er ist überall da nrit an
erster Stelle genannt worden, wo das deutsche Kunst-
gewerbe einen großen und schönen Erfolg in den
letzten zwanzig Jahren zu verzeichnen gehabt hat;
und somit war auch Götz in Aunstkreisen des Aus-
landes eine nicht unbekannte Größe. — wir werden
das neidlos zugeben müssen, wenn wir rückblickend
die Entwickelung des deutschen Aunstgewerbes seit
\870 an uns vorüberziehen lassen. In diesem Rück-
blick leuchten Pflegstätten der Handwerkskunst auf,

59;. Grundriß zu 590 u. 592 (;:5vo).
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