Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Hermann Götz f.

592. Kirche in Dorfprozelten; erbaut ((899^900) von Joseph Schmitz, Nürnberg.

allen voran München, wobei Karlsruhe Stellung
um Stellung gewinnt, um mit keiner anderen Stadt
oder auch mit keinem anderen Lande zu rivalisieren
als München bezw. Bayern. Ihm ist es auch stets
dicht auf den Fersen, und s888 ist es mit ihm fast
dicht Seite an Seite, kraftvoll, persönlich, rassig.
An diesem Ruhm, an dieser überall neidlos ge-
währten Anerkennung ist Götz zweifelsohne der erste
Begründer, der zielbewußte Förderer und Führer.
Daß Götz unter selten günstigen Umständen seine
Lebensarbeit beginnen und durchführen konnte, bleibt
das unbestrittene Verdienst des Großherzogs Friedrich
von Baden, der wohl nach dem leuchtenden Vor-
bilde der bayerischen Könige handelte, die weitere
Nachfolger in Kaiser und König Wilhelm II. und
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein
erhalten haben. Wie weit hier ähnliche Erfolge der
gewiß bewundernswerten Thatkraft folgen werden,
muß die Zeit lehren.

Fürstengunst ist der stete Begleiter Götzs ge-
wesen; sie hat seine vielseitige Thatkraft und sein
konzentriertes Können nicht nur entdeckt und ge-

schätzt, sie hat auch dafür Beschäftigung, Ausgaben,
Mittel und Wege zur Weiterbildung und Ausreifung
gefunden. Daß diese verhältnismäßig früh erfolgte,
ist nicht zu verwundern bei der Überfülle von Auf-
gaben und Arbeiten, deren Lösung Götz ausschließ-
lich als fein eigenstes Vorrecht betrachten mußte nach
all den Vorgängen und Zeitströmungen, die Götz
selten geschickt erkannte und ausnützte. Tr war so
recht der Mann seiner Zeit; in kühner Selbstwertung
und in glühender Verehrung für Vaterland und
Herrscherhaus an die rechte Stelle gekommen, hatte
er das volle Vertrauen zu seiner ganz außergewöhn-
lichen Leistungsfähigkeit, die ihm bis zur letzten
Stunde treu geblieben ist. Götz verfügte über Fähig-
keiten, die man sonst selten bei einem Künstler bei-
sammen findet, der anfänglich nur das eine Be-
streben hat, ganz in seiner Kunst aufzugehen. Aber
Götz inochte in richtiger und frühzeitiger Erkenntnis
seines eigentlichen Wertes und Wesens wohl zn
seinem eigenen Besten herausgefühlt haben, daß die
hohe Kunst als ausschließliches Arbeitsgebiet ihm
auf die Dauer keine erträgliche Beschäftigung und
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