Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Moderne Keramik auf der Pariser Weltausstellung.

Meise, daß uirsere moderne Ke-
ramik bereits in eine neue Phase
ihrer Entwicklung getreten ist.
Zunächst machen alle unsere
großen keramischen Anstalten, die
technisch säinintlich aus einer be-
wundernswerthen Pöhe stehen,
den Versuch, sich dem Zuge zum
Modernen anzuschließen, freilich,
wie es oftmals scheint, mehr der
Noth gehorchend als dein eigenen
Triebe. Die königl. Porzellan-
manusaktur zu Meißen ist
mit farbigen Glasuren, Kristalli-
sationen und einer ganzen Reihe
inodern empfundener Malereien
in einer reich vermehrten Unter-
glasurfarbenskala aufgetreten. Die
Berliner hat eine neue Blasse
erfunden, die leichter brennbar,
kühner verwerthet werden kann
und hat dem so bewährten
Beispiele Kopenhagens folgend,
talentvolle junge Künstler vorüber-
gehend herangezogen, die aus
diesem feinen Material durchaus
neue Erzeugnisse hervorgebracht
haben. Die rheinische Hirma
Villeroy 6c Boch versucht sich
in pflanzenstilisirungen, reinen
Farben, geflanrnrten Glasuren
u. s. w., desgl. Mehlem in
Bonn vielleicht mit itoch inehr
Geschmack, und die alte Mfen-
fabrik Mutz in Altona schafft
ebenso reizvolle wie praktische
und billige Blumenvasen in
japanischen: Stil aus einem soli-
den guten Stoff. And die
Künstler-Keramiker, sie haben
inzwischen den Schritt zum Prak-
tischen gemacht! Zwar der
schon in den achtziger Zähren
iu Florenz zum Keramiker ge-
wordene Bildhauer K. Korn -
has in Karlsruhe schmückt
noch ausschließlich Blumenvasen
und Reliefs mit farbigen Gla-
suren und Lüstern, desgleichen
denkt Scharvogel gleichfalls
nur an die Blumen, hat aber
wenigstens das Steinzeug sich
zum künstlerischen Material aus-

Aunst und Handwerk. 5JU Zahrg. Heft 3.

U3 — (16. Thcile des Ukargueriten-Lervice's aus der kgl. Porzellanfabrik in
Kopenhagen; von Prof. Krog. (Ungefähr 1/i der wirkt. <Sr.)

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