Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Vom Büchermarkt.

349. Bordüre, Entwurf von ITt. 2t. Nicolai, Dresden.

fchiedensten Standpunkten aus dem Publikum diese
Wissenschaft mundgerecht machen wollen, so daß ein
Bedürfnis auf diesem Gebiet kaum vorzuliegen schien.
Wenn dennoch das oben genannte Werk von allen
Seiten mit größter Freude empfangen wurde, so liegt
dies einerseits an der Person des Verfassers, dessen
Arbeiten immer zu den gediegensten und zuverlässigsten
der ganzen Kunstwissenschaft gehört haben, dann aber
auch an der Tiefe, Breite und Neuheit des Pro-
gramms, auf dessen Grund diese Arbeit mit vielem
Eifer und großer Kühnheit unternommen worden ist.
Nicht nur hat der Verfasser sich nicht mit einer
reinen Kompilation der vorhandenen wissenschaftlichen
Ergebnisse begnügt, sondern wenn es irgend ging,
auch kritischer Nachprüfung sich befleißigt; zugleich
hat er das Gebiet der bildenden Kunst so weit als
möglich gefaßt, indem er nicht nur von der Kunst
der eigentlichen Kultur-, sondern auch der Natur-
völkern spricht und dabei alle Teile der bildenden
Kunst in gleicher Meise in Betracht zieht. Das be-
deutet für uns vor allem auch die perbeiziehung des
Kunstgewerbes, dem ja bisher in der allgemeinen
Kunstgeschichtschreibung dieselbe stiefmütterliche Be-
handlung zu teil geworden ist, wie in dem ganzen
Kunstleben unserer Zeit überhaupt. Mit voller Gleich-
berechtigung soll es hier neben hoher Kunst auftreten,
und das ist um so verdienstlicher, als das Kunst-
gewerbe in der Regel noch immer — man vergleiche
die Vorlesungsverzeichnisse deutscher pochschulen -
von den Vertretern ausschließlich hoher Kunst, zu
denen bisher der Verfasser auch gehört hat, in liebens-
würdigster Weise ignoriert wird. Daher bedeutet
diese Kunstgeschichte wieder einen neuen Schritt weiter
in der uns so nötigen Rehabilitierung der dekorativen
Kunst, der seinen Eindruck auf das in dieser Be-
ziehung immer noch ziemlich ahnungslose große Pub-
likum nicht verfehlen kann. Im übrigen aber gibt
es zur Zeit kein Buch, in dem man sich mit solcher
Ausführlichkeit über den Stand der modernen Kunft-
forfchung wird unterrichten können. Leider ist bisher
nur der erste Band erschienen, der von der Kunst
der Ar-, Natur- und palbkulturvölker, der Kunst
Egyptens und Asiens, Griechenlands und Roms
handelt. Posten wir, daß bald die Fortsetzung folgen
werde. E. Z.

Ib. Wincher, Zweige und Ranken. Zwei Lie-
ferungen zu je Tafeln in Großfolio; jede
Liefer. \2 Ulf., beide zusammen in Mappe 26.50 Mk.
Kommissionsverlag Wilh. Mpetz, Leipzig.

Der Perausgeber, Maler und Lehrer an der
kgl. Kunstakademie und Kunstgewerbeschule zu Leip-
zig, fand, daß unter den bisherigen Publikationen
über Pflanzen es immer noch an einem Werke fehle,
das dem Mrnamentiker unmittelbar praktisch nutzen
könne; er hat deshalb eine Anzahl Zweige — u. a.
Blutbuchs, Eiche, Wallnuß, Birne, Kastanie, Fichte,
Paselnuß — - in kleinem Maßstab photographieren,
die Kopien wieder vergrößern lassen, und hierauf,
nach sorgfältiger zeichnerischer Retouchierarbeit, in
Autotypien klichieren lassen, welche schließlich die
Ranken in Naturgröße wiedergeben. Ausführung
und Druck der ungewöhnlich großen Autotypien
(^4.: 57 cm) sind musterhaft, so daß die Tafeln -
z. B. zur Winterszeit — wohl als Ersatz für die
natürlichen Zweige dienen können. Zu befürchten
ist nur, daß die Sachen von bequemen Leuten als
Eselsbrücken benutzt werden, wenn sie sich das zeit-
raubende, aber dafür um so gediegenere und nach-
haltiger wirkende Studium der Natur selbst ersparen
wollen. 6.

Figaro illustre; l’Exposition 1900. So eine
Ausstellung ist allemal ein Beutestück für Ver-
leger, die sich gegenseitig die besten Knochen abzu-
jagen suchen; mit dem, was über die Pariser Aus
stellung veröffentlicht wurde und noch veröffentlicht
wird, ließ sich schon eine recht stattliche Bibliothek
füllen, wenn auch die Stattlichkeit sich mehr auf den
Amfang als auf den Inhalt bezieht. Zu den gediegensten
außersachlichen Veröffentlichungen gehören entschieden
die des Figaro illustre, — Foliohefte von 2\ bis
32 Seiten mit zahlreichen und guten (3. T. farbigen)
Abbildungen und knappem, das Wichtigste hervor-

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