Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Die Jubiläumsfeier des Bayerischen Aunstgewerbevereius.

„Welten, Wie Frauen strafen",
Einband in rotbraun Maroquin
ecrase. Mktav < Format. Vorsatz
und Schnitt einfarbig rehbraun.

503.

502. „Gensel, Paris", Einband in terra-
kottafarbigem Maroquin ecrase. Gktav-
Format. Vorsatz und Schnitt terrakotta-
farbiger wanda-Marmor.

„Bigelow, Kaiser Wilhelm II.", Ein-
band in blauviolett Maroquin eerasä.
Gktav-Format. Vorsatz und Schnitt
in blauviolett Bronze - Marmor.

Bucheinbände in ksandvergoldung von Paul Uersten, Aschaffenburg. Muster geschützt. (Vs der wirkl. Gr.)

das Feuer pflegt und erhält, und holen uns neue
Kräfte. Daß wir teilweise gewachsen find und auch
erwachsen sind, war natürlich, und sicher freut sich
darüber unsere Mutter, aber so weit, wie es teil-
weise gesagt wird, daß wir die Mutter übertroffen,
oder auch nur ihr ähnlich oder gleich geworden
wären, so weit ist es denn doch noch nicht. Wir
wissen sehr gut, daß der Bayer. Kunstgewerbeverein,
welcher unser Vorbild gewesen ist, auch noch heute
unerreicht dasteht; noch immer schlägt das perz der
deutschen Kunst in München. Wir sind nun auch
groß geworden, die Mutter muß damit zufrieden
sein. Graue Theorie ist hier nie getrieben worden,
hier war immer Praxis, und daß ein goldener Baum
stets noch grüne Blätter tragen kann, das beweist
der Bayer. Kunstgewerbeverein. In alter Liebe und
Verehrung überreichen wir den Lorbeer dem Bayer.
Kunstgewerbeverein: Möge er blühen, wachsen und
gedeihen zum peile der herrlichen Stadt München,
die wir in künstlerischer Beziehung wie eine zweite
peimat ansehen, und auch zum peile des gesamten
deutschen Vaterlandes!"

pierauf folgte der Festvortrag des Stadtschulrats
Or. G. Kerschen st einer, den wir noch in der
letzten Nummer (5. 2^6 ff.) zum Abdruck bringen
konnten.

Den Schluß der Feier bildeten ein Thorgesang
(„Frühlingsgruß an das Vaterland" von Vincenz
Lachner), sowie der Dank des I. Vereinsvorstandes
für die zahlreichen, von allen Seiten eingelaufenen
Glückwünsche, mit der Zusicherung, der Ausdruck
dieser wohlwollenden Gesinnungen werde für uns

ein kräftiges Mittel sein, daß wir in Begeisterung
und fester Überzeugung auch in Zukunft unseren
höheren Idealen folgen.

II. Das Aellerfest.

War die Festsitzung im alten Rathaussaal der
ernstfeierliche Mittelpunkt des Vereinsjubiläums, so
war der vorhergehende Abend des 2. Juli auf
dem Bürgerbräukeller der geselligheiteren Seite des
Festes gewidmet. Der allerliebst ausgeschmückte
Saal war schon vor 8 Uhr von einer erlesenen Ge-
sellschaft gefüllt; u. a. hatten sich auch die perren
Minister v. Riedel und v. Leonrod eingefunden.
Den vom I. Vorsitzenden dargebrachten Gruß er-
widerte Direktor L Mh m e r-Frankfurt im Namen der
Gäste, worauf das greise Ehrenmitglied, Professor
Vr. J. Sepp, einen Rückblick auf Münchens Ent-
wicklung im letzten Jahrhundert gab, insbesondere
in Bezug auf Kunst und Kunsthandwerk; nrit Recht
verweilte Redner dabei vorwiegend bei dem Manne,
dem der Verein hauptsächlich seinen Aufschwung in
den 70er Jahren verdankt —Ferd. v. Miller sen.
Dies gab dem Sohne des Genannten, Akademie-
direktor Ferd. v. Miller jun., Veranlassung, für
die warmherzige Erinnerung an seinen Vater zu
danken; der Boden, den: die von Pros. Sepp ge-
rühmten Männer entsprossen, sei der gleiche geblieben,
und es fehle auch erfreulicherweise nicht an geeig-
netem Nachwuchs. Pof-Wachswarenfabrikant Math.
Ebenböck, der als Mit-Vereinsgründer zum Ehren-
mitglied ernannt worden war, sprach in warmen,
schlichten Worten seinen Dank aus, worauf pofjuwelier

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Aunst und Handwerk. 5P Jahrg. Heft 10.

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