Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Hermann Götz f.

596. Gruftkapelle der Familie Werner auf dem östl. Friedhofe zu München;
erbaut (^898/99) von Joseph Schmitz, Nürnberg.

Zu eigenem Lebensglück ist der
Künstler verhältnismäßig spät ge-
kommen, er hatte wohl früher bei
seinen Lasten und pflichteil keinen Sinn
und keine Zeit daran zu denken. Vor
vier Zähren erst gründete er das eigene
peim, das ihm an der Seite eines ihn
liebenden und verehrenden Weibes den
Lebensabend verschönern sollte, das
ihm drei Kinder schenkte. Doch kein
Glück ist vollkoiilUlen.

Die Erinnerung ail Permann Götz,
an sein Schaffen und Wirken, an seine
Werke, die namentlich in seinen be-
wundernswerten Schöpfungen, wie
Schule, Museum, Vereinen uild Aus-
stellungen in weitesten Kreisen lebendig
bleiben wird, wird noch nlanche voll-
reife Ernte bringen. Götz hat Saat
gestreut, die hundert- ja tausendfältige
Frucht bringen wird. War auch ihm
ein Ziel gesteckt schon auf der pöhe
des Lebens, ihn:, devl Frühreifen und
Nimmermüden, das er siegend stürmte,
so ist ihm doch der volle Ruhm auch
der Neuzeit nicht vorenthalten worden,
ihm, der damals mit Recht als
Neuerer, als Organisator wld Führer
auf kuustgewerblichenl Gebiete galt.

So hat er auch ail alle feilte Mit-
arbeiter große Anforderungen gestellt,
die er vielfach als Pflichtleistungen auf-
faßte. Seine Schüler, die er meistens
durch Vorschule seiner vorzüglichen
Lehrkräfte in vorgeschrittener Aus-
bildung empfing, gingen gailz in seinen
künstlerischen Absichten auf, vielleicht zu sehr, denn
die meisten leben noch heute gailz iur Banilkreise
Götzscher Formensprache, die fast dem gailzeil Lande
ihreil Stempel aufdrückte.

Mögen auch Künstler seines Schlages unter dem
vlachtvollen Austurvl der Zungen dann und wann
hinter die Ereignisse des Tages zurücktreten, nie
wird eine Zeit kommen, die ihm, der in Karlsruhe
ähnlich maßgebend war wie Rudolf Seitz in München,
deil Platz schmälern wird in der Geschichte des
deutschen Kunstgewerbes, ail deffeil Glanzblätter der
Nanle Permann Götz für immer geknüpft ist.

Otto Schulze — Köln.

* -i-

*

Permann Götz erblickte am 28. September f8^8
als Sohn eines Bezirkstierarztes in Gengenbach im

Kinzigthale das Licht der Welt. Nach seinevl Schul-
besuch wurde er zunächst Lithograph, dann Dekora-
tionsmaler uild war in dieser Zeit Schüler Prof.
Adolf Schrödters. Zn fein Militärdienstjahr fiel der
Feldzug H870/7i, in welchem er seine erste Aus-
zeichnung erwarb und aus denr er später zahlreiche
Schlachtenbilder schuf, die sich wenn auch nicht
durch bedeutende malerische Qualitäten so doch durch
charakteristische Schilderung der Situation aus-
zeichneten. Auch ernste und heitere Kriegslieder
verfaßte Götz in seinem Thatendrange. Von \872
ab ist er Schüler von Professor Ferdinund Keller.
Mitte der siebziger Zahre entwickelte er eine reiche
Thätigkeit als Zllustrator an den pallbergerschen
Prachtausgaben der Werke von Schiller und Goethe.
Überhaupt war Götz stets mehr Zeichner als Maler
nach heutiger Auffassung. Während eines Studien-

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