Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 51.1900-1901

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Die Jubiläumsfeier des Bayerische» Kunstgewerbevereins.

6H-

lfojoh bfahei I
Kommet herbei!

Alles, was Leben bringt,

Was sich der Erd' entringt,

Ls folge der Spur!

Zur Kunst — die Natur!

Grasmücklein, Fledermaus
Kriechet aus Eurem bfans;
lfeuschreck und Schmetterling
Seid heute guter Ding',

Weil die ein Fest begehn,

So Euch verstehn l

Kobold und Faunenreich
Kommet zum Zapfenstreich!
Mehret des Festes Glanz
Auf! 2Iuf! zum Fackeltanz!
lhojoh lfahei I

Kommet herbei I (Heiden.)

Und sie kommen alle — Aäfer, Blumen, Frösche,
Faune, Fabelwesen aller Art — zum Stelldichein
und vereinigen sich bei berauschender Musik zu einem
tollen Fackeltanz.

Doch das ist nur das Vorspiel, bei dessen
Schluß es am Aanal lebendiger wird; große Feuer
beleuchten hier ein jDrunkschiff, das sich langsam und
feierlich in Bewegung setzt, voit den Ufern aus
durch lodernde Feuer beleuchtet. Auf hohem Throit,
überragt von vergoldeten Baumkronen, naht darin
die Zdealgestalt des Aunstgewerbes — Frau Bertram
—, umgeben von Genien, die im Gesang — Dich-
tung und Musik von Max Schillings — den
Gruß ihrer Meisterin darbringen:

Die ihr nach ernstem Ringen
Der Freude Feier euch weiht,
ksöret zu euch nun dringen
Des Segensspruches Geleit.

Die lferrin, die Göttin wir leiten,

Sie naht sich der Jünger Schar,

In eure Mitte zu schreiten.

Bringt flammende Bpfer ihr dar!

Es grüßen euch Buldgestalten,

Der Träume lebendiges Bild,

Der Schaffende ahnte ihr Malten,

Nun seht sie den Blicken enthüllt

Sie, die auf dornigen Bahnen
Zu hohem Ziel euch geführt,

Die eures Herzens Ahnen
Zu heiliger Flamme geschürt:

Gesegnet sei das Gewerbe,

Vom Ddem der Kunst beseelt;

Daß nie sein Ruhm ersterbe,

Sei Geist und Kraft euch gestählt! Fon I. Bradl.

(Max Schillings.)

Währenddessen ist die Zahl der festen und der
beweglichen Lichter stetig gewachsen; allmählich löst
sich der dichte Anäuel bunt und phantastisch geklei-
deter Gestalten bei der Landestelle des Schiffs nach
beiden Seiten in langen Linien auf, die sich im Halb-
kreis, den dunkeln kfeckenwänden entlang, dem Schlöffe
nähern und von dessen Mitte aus wieder ihrenr Aus-
gangspunkt zustreben, — und in hohen Bogen,
von dem bewegten Wasser tausendfältig wieder-
gespiegelt, wirbeln hier die Fackeln in die Lüfte und
verenden zischend in der Flut, — ein seltsames

6\6. Vom Jubiläum des Bayer. Kuustgewerbevereius. Schleißheimer Fest; Schlußsceue der Pantomime in

Lustheim, von I. Bradl.

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Kurtfl und Handwerk. 5» Iahrg. Heft \2.
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