Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Einkehr Geiselgasteig" bei München.

H8. Geiselgasteig, von Gebr. Rank, München, ksofansicht.

Andere Zeiten, andere Vögel, eine aitdere Kunst-
übung! Sie, die Kunst, mußte jetzt beweisen, sehr
wahrhaftig sollte sie sein, und von Amts und Rechts
wegen wurde ihr verboten,, sich für irgend etwas
allzusehr zu erwärmen. Der Künstler bleibe hübsch
objektiv! Naturausschnitte! Nun, wir mußten auch
das über uns ergehen lassen . . . Übrigens, die
Wissenschaft mit der Kunst zu verwechseln, es war

^9. Geiselgasteig, von Gebr. Rank, München. Verkaufsstand.

ein ntenschlicher Irrtum, der sich heut oder morgen
erweisen mußte und deshalb nicht von allzu großem
Belange war. Was der bildenden Kunst, der
Malerei, Plastik, Architektur, dem Kunstgewerbe usw.
dagegen in unseren Tagen wirklich geschadet hat
und noch schadet, das ist die — Post, der Tele-
graph, sind die Eisenbahnen, die Pamburg-Amerika-
Schiffe, es ist die Presse, der Weltverkehr.

Man braucht nicht reaktionär gesinnt zu sein,
um von Beweisen für diese Behauptung zu reden.
Gewiß! wir lernten voneinander. Aber bald, nicht
allzulange konnten wir so zieinlich gleichviel . . .
jedes Jahr zeigen dies u. a. mit tödlicher Sicherheit
unsere Gemäldeausstellungen, höchstens die Schotten
erlauben sich noch ein eigen Mort zu reden, sonst,
im allgemeinen, wie traurig wirkt diese inter-
nationale Malweise. In der Architektur machte
und macht sich natürlich ebenfalls der Weltverkehr
geltend. Eine Unzahl von Mappen, Werken, große
und ausgezeichnete Zeitschriften machten mit den
Schöpfungen schier aller Völker bekannt, was ja
sehr verdienstvoll und gut war. Der Künstler konnte,
da er so bequem vor sich hatte, was tausend andere
geschaffen, nur an Einsicht und Können gewinnen ...
leider hat er nebenbei nur zu oft die Fühlung mit
der heimischen Scholle verloren. Und um nicht im

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