Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

Page: 165
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Kleine Nachrichten.

3;o. Jardiniere von Theod. Heiden. Glas in getriebener und durchbrochener Silberfassung (nur das Terrain, das Baumwerk

und die Flöten der Pcme vergoldet. (*/, der wirkl. Gr.)

in seinem Areis und nach seiner Irraft mitarbeitet,
wird die Baat aufgehen können, die jetzt mit banger
Borge ausgesät ist.

In der Tat mehren sich die Anzeichen für einen
glücklichen Verlauf der modernen Bewegung im
Aunstgewerbe. Erst neuerdings hat vor allem die
Weltausstellung in St. Louis, die gerade für das
deutsche Aunstgewerbe auf dem Gebiet der Interieur-
kunst einen glänzenden Bieg bedeutete, dazu beige-
tragen, vielen die Augen zn öffnen. Denn gerade
dadurch, daß dort neben Ländern, die noch in den
alten, überlebten Btilarten befangen waren, wieItalien,
Amerika selbst u. a., Deutschlands modernes Irunst-
gewerbe so außerordentlich vorteilhaft sich abhob,
war zu fruchtbaren Vergleichen Gelegenheit geboten,
die wohl nicht zugunsten der retrospektiven Aunst-
übung ausgefallen sind. Auch über diese Verhält
hältnisse auf der Weltausstellung in Bt. Louis, deren
tiefeinschneidende Bedeutung für das deutsche Aunst-
gewerbe auch allen Areisen der Aunstgewerbetreibenden
klar werden sollte, unterrichtet uns trefflich eine soeben
während des Druckes obiger Ausführungen erschienene
Abhandlung des unermüdlichen Muthefius?)

And hoffen wir, daß nicht nur unsere Enkel,
sondern daß vielleicht einst auch noch wir selbst an
sonnigem Herbsttag die Früchte in unserer Scheuer
bergen werden. W.

*) vgl. Dr. Hermann INuthesius, Die Wohnungskunst
auf der Weltausstellung in St. Louis Darmstadt mos;

Sonderdruck aus „Deutsche Kunst und Dekoration". — „Die
Ausstellung bedeutet einen Wendepunkt für das künstlerische
Ansehen Deutschlands nicht nur im amerikanischen Publikum,
sondern in der Schätzung aller Völker, die sich zur Ausstellung
in St. Louis zusammen gefunden hatten."

(Meine Machnchien.

(Vereine, (Museen, Kcßuken, Äussiekkungen,
Mekt6erver6e <rc.

ie durch den Tod des Prof. Leonh. Aoiireis
erledigte Lehrstelle für Architektur au der

AAinchener Aunstgewerbeschüle ist dem Architekten
beim Münchener Btadtbauamt Richard Berndl
übertragen worden, von dessen künstlerischer Quali-
fikation unsere Zeitschrift in ihrer letzten Numiner
stichhaltige Proben gegeben hat.

Kunstgewerblicher Unterricht in Lehrwerkstätten.

Auf dem letztjährigen Delegiertcntag des Ver-
bandes deutscher Aunstgewerbevereiue zu Braun-
schweig (s. letzten Jahrgang, B. 208) war auch die
Frage erörtert worden, inwieweit es den Schulen
bzw. den Lehrern gestattet sein könne, praktische Ar-
beiten ausführen zu lassen, indem hierdurch den im
Leben stehenden Aunsthandwerkern ein schwer durch-
zukämpfender Wettbewerb entstünde; der Entscheid
darüber wurde bis zur nächsten Delegiertenversamm-
lung vertagt, da man diese wichtige Frage nicht ohne
gründliche Beratung in den Einzelvereinen und nicht
ohne Zuziehung von Schulvorständen erledigen wollte.

Inzwischen ist voin preußischen Minister für
Pandel und Gewerbe (unterm s5. Dezember jsiO-j)
ein diesbezüglicher Erlaß ergangen, der für die Be-
handlung dieser Angelegenheit feste Linien vorzeichnet.
Die Bewegung gegen das praktische Arbeiten auf
den Aunstgewerbeschulen richtete sich gegen einige
ganz bestimnite Vorkommnisse; es sollte der Lehrer
einer Aunstgewerbeschüle einen größeren Auftrag an-
genommen und mit Pilse seiner Schüler ausgeführt

Kunst und Handwerk. 55. Iahrg. Heft 6.

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