Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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1 cm
facsimile
56<t. Sopraporfa und
Wandfries.

Mosaik von Aarl Ule,
München.

Wusrvische Aunst. I.

(Don Or. Hans AchnndKunz, Kertin-Hakenfee.

enn man von Mosaik, oder in
einem etwas strengeren Sprach-
gebrauchs von musivischer Aunst
spricht, so meint man damit im
weitesten Sinne die Herstellung
flächenhafter Merke aus Stücken,
deren jedes in sich gleichförmig ist, jedoch durch seine
Verschiedenheit von anderen das Gesamtwerk zustande
bringt. Am häufigsten denkt man dabei an Glas
als das, wenigstens derzeit, üblichste Material für
Mosaik. Es ist aber wichtig, sich
im Bewußtsein zu halten, daß
daneben ein unbegrenzter Reich-
tum an Materialien für
diese Aunst übrig bleibt,
und daß wir nicht wis-
sen können, welche
nmsivische Stoff-
art uns noch künf-
tig beschert wer-
den mag. So
dürfte es sich auch
rechtfertigen, daß
wir zunächst ver-
schiedentliche au-
ßer dem Glas ge-
bräuchliche Ma-
terialien der Mo-
saik besprechen und
dann erst näher auf
jenes Hauptmaterial und
bei ihm auch auf die Tech-
niken unserer Aunst eingehen.

Wie wir später noch einmal
betonen werden, ist die Mosaik eine
dekorative Hilfskunst der Architektur,
eine „kleine Monumentalkunst". Da-

durch liegt schon eine ursprüngliche Verwendung des
natürlichen Steines, z. B. des Marmors, für die musi-
vische Aunst nahe. Zuerst waren wohl größere
Scheiben, später kleinere Würfel o. dgl. und noch
später (für Querschnitt-Mosaik) eigentliche „Stifte"
die Formen, in denen die Elemente für die musivische
Zusammensetzung hergestellt wurden. Mit dem würfel-
ähnlichen Stückchen (der tesselln) war man bei der
schließlich beliebtesten Form des Elementes angelangt.
Jnt Entfalten von besonderem Prunk griff man sogar
zur Verwendung von Halbedelsteinen und selbst von
Edelsteinen; eine Stoffwahl, die dem dekorativen,
also nicht eigentlich aus edles Material angewiesenen
Eharakter der musivischen Aunst und noch mehr dent
des Edelsteines selber Unrecht tut.
Als bezeichnende Beispiels alter
Mosaiken aus kleinen Stein
würfeln bringen wir zwei
weniger bekannte: ein
Feld aus einem rö-
mischen Mosaik-
boden in Trier
(f.—3. Jahrhun-
dert ; Abb. 565)
und ein Bruch-
stück aus dem
Dom zu Parenzo,
einer frühchrist-
lichen, auf römi-
schen Tempelrui-
nen errichteten
Basilika (Abb. 566);
es ist nicht ausge-
schlossen, daß diese Mo-
saik noch römische Arbeit
darstellt. Dem frühen Mittel-
alter und dem klassischeit Bo-
den für charaktervolle Mosaiken —
Ravenna — entstammt das nächste
Bild (Abb. 567), uitd ins spätere
Mittelalter hinein führt uns das

565. von einem römischen Fuß-
boden aus5teinmosaik, aus Trier;
Mosaik des Monnus. (l/u d. m. G.)
Nach: AntikeDenkmäler. I. Taf. ^9.

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