Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Wilhelm Spattnctgel.

524. Ejäufergruppe bei der St. Panlskirche, München; Entwurf von Wilh. Spannagel, München.

gäbe, der sie sich, zu ihrem Ruhme sei es gesagt,
ebenso freigebig als glänzend entledigte. 23 prächtige
Tafeln und fOO bis in die kleinsten Details muster-
haft reproduzierte Abbildungen im Text schmücken
das Werk! Welch eine Unsumme von Arbeit und
von feinem künstlerischen Geschmack deren Herstellung
erforderte, kann eigentlich nur der Fachmann richtig
ermessen und schätzen. Das monumentale, in der
k. k. Hof- und Staatsdruckerei zu Wien hergestellte
Werk umfaßt fünf Aapitel, und zwar: Aapitel I:
Die Architektur, Aapitel II: Die Skulptur, Aapitel III:
Die Walerei, Aapitel I V: Die Aunstindustrie, Aapitel V:
Die Grundzüge des spätrömischen Aunstwollens.

Alles was Riegl geschrieben hat, wies der
Aunstforschung neue Bahnen und erst einmal, wenn
man vor einem überblickenden Gesichtspunkte die
kunstgeschichtliche Literatur unserer Zeit beurteilen
wird, wird ntan vollständig sehen und begreifen,
wieviel die kunstgeschichtliche Wissenschaft diesem
Mann zu danken hat. Nicht vergessen werden darf
zu erwähnen, daß Professor l)r. Riegl in seilten
letzten Jahren auch den Entwurf eines Denkmal-
schutzgesetzes geschaffen hat, der als Muster von
Alarheit und Beherrschung des einschlägigen Materials
bezeichnet werden kann und hoffentlich in unserer
Gesetzgebung einst auch praktisch Geltung finden wird.

Auch die „Zeitschrift des Bayerischen Aunst-
gewerbevereins" verdankt Professor Riegl mehrfache
interessante Beiträge, z. B. „Spanische Aufnähear-
beiten" (1892, Seite 65), „Aunsthandwerk und Kunst-

gewerbliche Massenproduktion" P895, Seite s), ferner
fanden Riegls bekannte „Stilfragen" in unserer Zeit-
schrift (f89A Seite 77) ausführliche Besprechung.

Professor Riegl war ein liebenswürdiger, be-
scheidener Charakter, der es nicht liebte, feine Per-
son in den Vordergrund zu drängen, eilt Mann,
der am liebsten nur seine Werke allein für sich
sprechen ließ. Die Interessen des Aunstgewerbes ver-
lieren in ihm einen ihrer hervorragendsten Aenner
und Förderer. R.

AAkßekm Kpannagek.

S bleibt keinem, der Deutschland bereist,
verborgen, daß München in dem, was
man „bürgerliche Baukunst" zu nennen
^ psiegt, um eilt Beträchtliches den ait-
f'' dern Städten voraus ist. Manche von
den in den letzten \5 Jahren entstandenen Straßen
haben so etwas wie ein einheitliches künstlerisches
Gepräge; trotzdem vielleicht nur wenige päuser, für
sich betrachtet, ganz gelungene künstlerische Leistungen
darstellen, so ist doch die Abkehr von den alten, ver-
stauten, uitorgaitisch verwendeten „Renaissance"-For-
nten eine allgemeine, und man sieht häufige Ver-
suche, das Mietwohnhaus als ein organisch gewach-
senes Gebäude von innen heraus zu gestalten und
dent Ganzen der Straße einzuordnen. Unter den
ersten Architekten, die diese Bestrebungen verfolgen,
ist auch Wilhelnt Spannagel zu nennen: zeitlich

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