Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Kleine Nachrichten.

der mehr und mehr um sich greifenden Mißachtung
des Publikums bei Aonsum und Verkauf. Nicht
genug nämlich damit, daß wir, die Konsumenten,
im Grunde all den überflüssigen Luxus und tHuark
des Palaisrestaurants und des Warenhauspalais be-
zahlen, sehr teuer bezahlen müssen, nein, wir sollen
uns diesen Stätten blühenden Unsinns außerdem noch
stets in der gewähltesten, ja elegantesten Uleidung
nähern. Denn auf üeu bedienenden Ladenjüngling
oder die Ladenjungfrau, auf Uellner und Oberkellner
bleiben die Räume, in die sie der Prinzipal hinein-
stellt, nicht ohne Ginfluß, Ze mehr Gold und
Schnörkel, desto größer die Arroganz. Wehe der
Dame, den: Herrn, die nicht ä la Modejournal ge-
kleidet sind und dennoch den Mut haben, den Fuß
über die Schwelle solcher Rämne zu setzen. Und
wehe erst dem Unglücklichen, der es wagt, das hoch-
geehrte Personal um einer kleineren Sache willen,
eines Glases Bier oder einiger Zigaretten halber in
Bewegung zu setzen; ja Manchem wird die Gin-
ladung zu einem Hofballe weniger Aufregung ver-
ursachen, als die Aussicht, den Nachmittagskaffee
in einem „großen" Gase trinken zu müssen. Zn !
großen Ureisen hat man eben wirklich Gebildete
vor sich; im Palaisrestaurant und im „modernen"
Verkaufsraum hat man es dagegen häufig ge- |
nug mit protzen und oft sehr gemeinen und
frechen zu tun.

Wie stillos, wie roh und kulturlos sind diese
Zustände! Die Verkehrsanstalten haben da doch
schon eher das Richtige erfaßt. Gin Trainbahn-
waggon beispielsweise ist heute schon bequem, prak-
tisch, auch elegant gestaltet und verträgt, weil er
eben seinem Zweck energisch dient und ihn
betont, ebensogut den Offizier als Znsassen als
die schlichte Frau aus dem Volke.

Was also hier möglich ist, muß auch dort mög-
lich sein.

Fort mit einer herabgewürdigten Architektur,
fort mit dein Palaishotel, dem Warenhauspalais!
Und dafür gesunde Ginfachheit her! Seid uiid werdet
einfach, einfach, einfach!

M. D. v. Lasser, München.

-is;. Non !j. Bek-Gran, München.

<;50. von Ernst Riegels Tafelaufsatz; s. Abb. 449.

(Meine (Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Aussiettungen,
MeitKewerKe ^c.

er XV. ordentliche Delegiertentag des Ver-
bandes deutscher Aunstgerverbevereine fand
in Breslau am 9- April (905 statt.

Dem Verband gehöreii zurzeit 32 Vereine (mit
l(?00? Mitgliedern und 60 Stimmen) aii; auf dem
Delegiertentag wareii vertreten 2\ Vereine mit
HZ Stinimen. Neu ausgenommen wurde der Verein
Photo-Sezessioir in Dresden. — Hofjuwelier Merk
(München) erstattete Bericht über die iit Sachen des
Defizits der Turiner Ausstellung erfolgten Schritte,
die nun endlich dahin geführt haben, daß der Rest
des Fehlbetrags durch die preußische und bayerische
Regierung gedeckt wird; somit können die Akten
hierüber geschlossen werden. Der Delegiertentag sprach
dem Bayerischen Aunstgewerbeverein für seine in
dieser Angelegenheit geleistete Arbeit durch Grheben
j von den Sitzen den Dank des Verbandes aus.

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