Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

Page: 261
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1 cm
facsimile
495- Untere Randleiste (koloriert) auf dem Titelblatt des sogen. Zynnerschen Privilegien-Aodex — v. I. ;522 — im Münchener
Stadtarchiv; Cod. Urb. Monac. N. XVI. Pergamcnthaudschrift; der untere Rand wurde einst beim Einbinden abgeschnitten.

(Ungefähr 2/s der wirkl. Größe.)

Münchens Kiadiwappen und das
Münchner Mndk?)

(Von Ernst v. Destoucheo.

ü n ch e n, in den ältesten bekannten
Urkunden, sogar den lateinischen:
Munihun, Munichen, München,
Monachen, Mynichen, München
genannt, führt einen Mönch
(Münch) in seinem Mappen, und
deshalb hat die überwiegende Mehrzahl der Schrift-
steller sich dahin ausgesprochen, daß es seinen Ursprung
als „mönchisches Kulturland" und seinen Namen
„Mönchen" von Schäftlarn oder Tegernsee, Messo- I
brunn oder Benediktbeuern verdanke, und daß sein
Mappen ein sog. sprechendes fei. Denn Munichen
fei die Dativform von Munihha — die Mönche, also
gleichbedeutend mit „Bei oder zu den Mönchen,
München".

Urkundlich kommt der Name Munichen zum
ersten Male vor in dem Schiedssprüche, welchen
Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstage zu
Augsburg am fff. Juni ff58 in der Streitsache des
Herzogs Heinrichs XII. des Löwen mit dem Bischof

Diese historisch-heraldische Abhandlung bildet einen Auszug
aus einem Vortrag, welchen der Vorstand des Münchener Stadt-
archivs und Stadtmnseums, Kgl. Archivrat Ernst v. Destouches,
am 2p März 1905 im Bayerischen Aunstgewerbcverein gehalten
hat. Die beigegebenen Abbildungen sind meist dem überaus
reichen Material entnommen, welches den Vortrag begleitet^
und dann einige Wochen im Bberlichtsaal des Vereins ausgestellt
war; eine frühere Arbeit des Verfassers über den gleichen Gegen-
stand, welche im Z8. Jahrgang, 1903/^90^, von velhagen und
Klasings Monatsheften veröffentlicht wurde, enthält noch weiteres
Bildmaterial. Die Schriftleitung.

Otto von Freisingen wegen der Zerstörung des
Marktes Föhring und Anlegung einer Brücke mit
Markt und Münzstätte bei der Billa Munichen durch
den Herzog erlassen hatte.

Das älteste Stadtsiegel oder Stadtwappen
dagegen stammt aus dem Jahre f239 und hängt
an einer im Kgl. allgemeinen Reichsarchive befind-
lichen Urkunde, mittels welcher der Richter Jordan
und die gesamte Bürgerschaft von München dem
Kloster Roth die Bestätigung seiner hergebrachten
Zollfreiheit erteilt haben (Abb. ^96). Die Stadt selbst,
kraft ihres Autonomierechtes, hatte sich dieses Siegel
verliehen, wie aus einem Artikel, in dem nach dem
Zahre f387 geschriebenen, im Stadtarchive befind-
lichen Stadtrechtsbuche hervorgeht, welcher lautet:
„Der Richter vnd die
gefworn habent ge-
setzt mit gemainem
Rat ein Znsigel der
Statt ..." Mann
solches geschehen, da-
rüber fehlen die ur-
kundlichen Nachrich-
ten, doch dürfte hier-
für die Wende des
\2. und 13. oder der
Anfang des f3. Jahr-
hunderts anzuneh-
men fein.

Dieses älteste Stadt-
siegel stellt ein Stadt-
tor vor, darunter
einen nach rechts ge-
wendeten bebarteten
Manns- (Mönchs-)

chen aus dem Jahre 1259 (Re-
gierungszeit Herzog Gttos des
Erlauchten). Nach Westenrieder,
Beiträge V, S. 242; Grigiualgröße.

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Kunst und Handwerk. 55. Iahrg. Heft JO.

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