Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Anton priisfa.

Zu beachten ist, daß die bei eingetragenen Aus-
stellungsunternehmungen mit kaufmännischem Be-
triebe angestellten Personen als „Handlungs-
gehilfen" gelten und daß deshalb sich deren
Stellung und Dienstverhältnis zum Unternehmer und
zu dritten Personen nicht nach dem Bürgerlichen
Gesetzbuch, fouöcru aus § q.8 des PGB. (Prokura)
und H 39 ff. des PGB. nach Lage unserer Gesetze
gebung auch daun beurteilt, wenn jene Personen
von paus aus gar nicht kaufmännisch ausgebildet
sind, was zuweilen der Fall ist.

Anton Arueßa.

(Von Friedrich H. Hofmann.

iter Plastik denkt sich der moderne
Mensch nur noch runde Figuren,
die in der Mitte eines Platzes
stehen", sagt einmal Adolf
pildebrand in seinem „Pro-
blem der Form". Ganz so
schlimm ist es nun freilich nicht. Aber es ist richtig,
daß die Denkmalwut des ffst Jahrhunderts recht
viel Unheil und Verwirrung auf dem Gebiete der
Bildhauerkunst angerichtet und nicht zuletzt auch
unser plastisches Auge nicht unmerklich getrübt hat.
Zweifellos, Schmarsow wird recht behalten, wenn
er in seiner Abhandlung über Plastik, Malerei und
Reliefkunst fordert: „Die reinste Ausgabe der Plastik
sollte in der statuarischen Ärmst anerkannt werden."
Aber nicht nur in der isolierten Rundplastik, die vor-
nehmlich hier gemeint ist, sondern auch auf anderen
Gebieten, iin Dieirste der Architektur und des Aunst-
gewerbes hat die Aunst des Bildhauers von alters
her vornehmlich ihre Tätigkeit entfaltet.

Zwar geht besonders bei der Architekturplastik „die
Einheit der organischen Gestalt als Ausdruck persön-
lichen Wesens" verloren, das plastische Monument wird
Bestandteil eines Ganzen, dessen Zwang es sich unter-
zuordnen hat. Der tektonische Gedanke, der den Bau
beherrscht, setzt sich in den eingefügten Monumenten
dekorativer Plastik fort. Man denke z. B. an die „noch
nicht einmal in der Hauptsache völlig durchorgani-
sierten Gebilde romanischer Bauskulptur", an die
unzähligen Statuen und Halbfiguren gotischer Dome,
an die christlichen Heiligen aus und an den Airchen-
fassaden der Renaissance und des Barock. Das geht so
weit, daß die gesamte Plastik des Barocco sogar vor-
wiegend nur auf dekorative Wirkung hinarbeitet,
daß der architektonische Zwang sich auch auf frei-
stehende Staluen dieser Zeit zu erstrecken vermag.

Aber trotzdem darf der Bildhauer niemals der
Sklave oder Handlanger des Architekten sein; im
Gegenteil, nur in völliger gegenseitiger Achtung
des künstlerischen Standpunkts, im ausdrücklichen
Verstehen der beiderseitigen Aufgaben läßt sich ein
gedeihliches Zusammenwirken zu harmonischem
Effekt möglich machen. Darauf allerdings scheint
man eine Zeitlang vergessen zu haben. Indem die
Architekturplastik unbarmherzig in die Gewalt des
Architekten fiel, konnten oft Gebilde entstehen, die
vielleicht noch als Teil des Ganzen erträglich er-
schienen, als selbständige Arbeiten jedoch schlechter-
dings ohne eine Spur inneren, plastischen Gebens
waren. (Oder aber — der Architekt lieferte die
plastischen Arbeiten an seinem Bau nicht kongenialen
Aunstgenossen, sondern minderwertigen Pfuschern
aus; ein Abel, das wohl ebenso schlimm war wie
das erste. Auf gleicher künstlerischer Stufe müssen
Baumeister und Bildhauer stehen, sich gegenseitig
verstehend und ergänzend, wenn anders ihr Werk
einheitlich und harmonisch — mit einem Wort ein
Aunstwerk sein soll.

Gerade in München haben die letzten Jahrzehnte
architektonischen Schaffens gezeigt, daß die führenden
Meister sich dieser Forderung voll bewußt sind. Die
dekorative Plastik ist dadurch rasch auf eine der
Architektur würdige Höhe gehoben worden und zählt
Aünstler in ihren Reihen, die mit ihrer Lebensarbeit
in der Geschichte der Aunst einen Platz zu behaupten
berechtigt sind.

Solch einer ist Anton pruska.

Verweilen wir etwas bei seiner Lebensgeschichte!
Denn die Aunst eines Mannes verstehen, heißt seine
Schicksale und seine individuellen Tharaktereigen-
schaften kennen, seinen Entwicklungsgang sich klar
gemacht haben. Jeder Begriff ist, sobald er per-
sönlich geworden, anziehender, intimer, verständlicher.

Es ist ein Aünstlerleben von mannigfach bunten
Schicksalen, das uns hier entgegentritt, ein Bild
künstlerischer Entwicklung, wie es heutzutage immer
seltener wird, nachdem allenthalben durch die Er-
richtung staatlicher Aunstakademien und die daran
sich knüpfenden Einrichtungen den Aünstlern schon
in früher Jugend leicht freie Bahn geschaffen wird.
Wie ein Gruß fast ist's aus der „guten, alten
Zeit"!

Geboren wurde pruska im Jahre f8H6 in
Goldbrunn in Böhmen, einem winzig kleinen Bade-
ort, mitten in der hohen Einsamkeit einer welt-
fernen Waldlandschast. „Waldl" nennt der Volks-
mund bezeichnenderweise das Dorf. Dort war
pruskas Vater als Pächter ansässig. Abgeschlossen
vom Getriebe der Welt wuchs der Anabe auf;
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