Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Abb. ^5—^09. Exlibris.

45. Julius Diez.

Moderne Münchener SMßner
Jeichner.

(Von -Arthur Voeßker.

Aie wohl an Reizen reichste, und
ihrem Ivesen nach intimste, der
angewandtell Künste ist die Ex-
libris schaffende Kleinkunst. Was
bietet doch alles eine Exlibris-
sammlung der Betrachtung! Sie
ist für den Beschauer interessant in historischer, herab
discher, künstlerischer und nicht zuletzt in menschlicher
Beziehung. Denn so ein kleines, auf die Innenseite
des Buchdeckels angeklebtes Blättchen, ist nicht immer
nur eine markante Bucheignermarke, sondern ein
Dokument, das mitunter gar Vieles und Vertrau-
liches ausplaudert, von und über seinen Eigner, uns
von seinen Liebhabereien erzählt, berichtet, wessen
Berufes er ist, welcher Lebensauffassung er zuneigt,
wie sein Wesen geartet ist, und — inwiefern sein
Geschmack künstlerische Bildung erfuhr.

Aus diesen Gründen erklärt sich der heutzutage
weitverbreitete Gebrauch der Büchereizeichen, die
Veranstaltung von Exlibrisausstellungen, das Aus-

schreiben von Wettbewerben, der Sammeleifer und
die Hochflut von sdublikationen über Exlibris, an-
gefangen von Essays in Kunstzeitschriften und Hach-
zeitungen bis zu den Artikeln in Hamilienjournalen
und Kinderblättern. So erfreulich nun einerseits
dies allgemeine Interesse ist, so gefahrvoll für die
Entwicklung und pflege des Exlibris ist es, da es
den schönen Gebrauch und das Sammeln von Buch-
eignerzeichen zu einer Wode und Wanie zu entarten
droht. Wer der bisherigen Entwicklung der mo-
dernen Bibliothekzeichen aufmerksam folgte und selbst
Sammler ist, konnte bemerken, daß unter der Wenge,
der ihm in die Hände und zu Gesicht kommenden
Exlibris, die Anzahl wirklich guter Blätter verhältnis-
mäßig gering ist. Zumeist erhält man als Tausch-
stücke die sog. Kniversalexlibris angeboten, d. h. Ex-
libris, in denen nur jeweilig der Besitzername ein
anderer, die Zeichnung jedoch immer die gleiche ist.
Es befassen sich nämlich verschiedene Verleger mit
dem geschäftsmäßigen Vertrieb solcher Allerwelts-
exlibris, und da Exlibris in der Kkode sind, und die
meisten Leute wähnen, ein direkt beim Künstler be-
stelltes Bibliothekzeichen würde sehr teuer kommen,
machen die Verleger ihr Geschäftchen. Der kunst-
sinnige Sammler allerdings wird solche Blätter stets
zurückweisen und nicht gesonnen sein, das eigene, von


Aunst und Handwerk. 55. Iahrg. Heft 2.

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