Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

Page: 111
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(thront? des Bayer. Kunstgewerbevereins.

die unter allen Entständen verteilt werden. Der Ver-
fasser des zur Ausführung bestiininten Entwurfs
muß sich verpflichten, gegeit ein weiteres ponorar
von (fOO AI. die Zeichenplatte anzufertigen. Als Text
wird bestimmt: „Große BerlinerAunstausstellung lß05
int Landes-Ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof.

Dauer vom 23. April bis \7. September. Eintritt
50 pf., Montags { Mark." Einsendungstermin:
s.Hebr. fß05. Ausstellungsbureau: Berlin NW. ^0. tfc

Unsere Bilder heischen dieses AIal nur in
bezug auf die Silbergefäße der Mrivit-Aktiengefell
fchaft (S. f08) eine Erläuterung, die sich auf das
Herstellungsverfahren bezieht. Das oben genannte,
auch int Text (S. l06) erwähnte „puber-preßver-
fahren" beruht im wesentlichen darauf, daß die
Pressung durch Master ausgeführt wird, welches
unter einem Druck von 6000 Atmofphärett in die
auf der Ziehpresse roh geformten und in Stahl-
matrizen gestellten Gefäße hineingepreßt wird, wobei
das Metall sich in alle Feinheiten der pohlform
einfchmiegt. Ein pauptvorzug gegenüber den bis-
herigen Preßverfahren besteht darin, daß keine
Patrizen ntehr nötig sind und daß die Gefäße selbst
ohne Lötfuge hergestellt werden können; selbstverständ -
lich ist die Anwendung von Drnament nur in be-
schränkter Meise ntöglich, was wiederum dent stilisti-
schen Ausdruck der perstellungsweise zugute kommt.

Wonit lies VsPrisJen Runßgcwerbtmicinß.

Mochenversammkungen.

Dritter Abend — den 22. November — Vortrag von
Schriftsteller Jos. Kirchner über „Das Kunstgewerbe
als Hauptfaktor der Kunst für das Volk". Unsere
an Schlagworten reiche Zeit hat auch das Wort „Kunstgewerbe"
geprägt; dadurch ist bedauerlicherweise das Handwerk von der
Kunst abgerückt worden, während doch — wie der Vortragende
des näheren ausführte — die Kunst erst aus dein Handwerk
hervorgegangen ist; der Töpfer war da, bevor der Vasenmaler
seine Kunst ausüben konnte, — der Steinhauer war der Lehrer
des Plastikers usw. Als nach den Stürmen der Völkerwan-
derung eine neue Kultur aufkeimte, da mußte man erst zum
Handwerk greifen, bevor Kunst werden konnte; und von unseren
altdeutschen Künstlern ist bekannt, daß sie alle Mitglieder der
aus Handwerkern bestehenden Zünfte waren, von einer Spezia-
lisierung nach „Kunstmalern", „Dekorationsmalern" rc. war gar
keine Rede, sowenig wie voti einer „angewandten Kunst".
Die Kunst war mit dem Leben verwachsen, was in Mittel-
europa fast nur noch in einigen Donau- und Balkanländern zu-
trifft; dort waltet noch das Hausgewerbe und mit ihm eine
wirkliche frische urwüchsige Volkskunst, nicht eine verschlechterte,
unverstandene Stadtkunst. Die einzelnen volksstäinme bewahren

^ttkkgemeine (Vereinsnachrichten.

Am 5. Januar verschied im hohen Alter von
fast 66 Jahren unser letztes Mitglied aus dem Grüu-
dungsjahr des Vereins, das Ehrenmitglied

(Matthias ^Lenköek,

tzofwachswarenfabrikant und Lebzelter.

Mit ihm verliert der Verein einen Mann, der
allezeit die ideale Seite des Handwerks hochgehalteu
hat, dem kein Erzeugnis des Handwerks zu gering
war, um es nicht durch geschmackvolle künstlerische
Gestaltung zu adeln. Mie er in Rechtschaffenheit
und Arbeitsamkeit, in Gemeinsinn und Weitblick, in
Wohltätigkeit utld anderen Bürgertugenden ein Vor-
bild gewesen, so möge er auch in seinen künstlerischen
Bestrebungen Nachfolge stnden. Der Lorbeer, den
der ;. Vereinsvorstand am Grabe niederlegte, war
wohlverdient.
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