Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 55.1904-1905

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Das Kgl. Theater in Bad Kissingen.

635. Aus dem neuen Theater in Kissingen; Decke iui Zuschauerrauin. Von Max Litt mann; Malerei voii

Jul. Mössel, München«

Aunst genannt werden kann, aber nicht nur den
Aunst-, sondern allen Ausstellungen zugute kommen
sollte, ob sie nun Blumen oder Maschinen oder Geflügel
oder chemische Produkte oder Gott weiß was vorführen.
„Geschmack, Aunst, Aultur überall!" ist die Devise
unserer Reformer. Also auch im Laden, in der
Auslage und — in der Ausstellung. Das gilt, wie
schon erwähnt, neben der Gesamtarchitektur und dem
Dekorationswesen, besonders dem Innenschmuck der
Räume, und den Aatalogen, Preislisten, Festschriften,
Billetts usw. Auch die Ausstellungsgärten und Zier-
anlagen haben ihren eigenen Stil, der sich natürlich
nach dem der Gebäude richtet. Man sieht, das Pro-
blem ist sehr vielseitig; wo inan sich an seine Lösung
herangewagt, wurden schon recht interessante Gr-
gebnisse gezeitigt; ich erinnere nur an Düsseldorf.
Doch dürfen wir von der Zukunft sicher noch viel
mehr erwarten.

Gs wäre aber verfehlt, in einer Ausstellung
für angewandte Aunst gerade für die Aunst der
Ausstellung viel zu erhoffen. Denn sie will uns ihre
Gegenstände eben in der Anwendung zeigen, das
Gebäude als Wohnhaus, den Innenraum als Wohn-
und Arbeitszimmer, die Möbel als Teile des Zimmers
und den Garten als Appendix des Wohnhauses.
5ie will auch nicht Aunstwerke ausstellen, sondern
dartun, wie Bilder als Zimmerschmuck zu verwenden
und Plastik als Zierde von Gärten und Friedhöfen.

Wer also eine Ausstellung für angewandte
Aunst mit Genuß und Nutzen besuchen will, suche
dort weder ausgestellte Aunstwerke, noch Ausstellungs-

kunst, Dinge, die sie gar nicht bieten will. Gr findet
dort, und das ist auch nicht wenig, lehrreiche und
lockende Vorbilder für die Anwendung der Aunst
im täglichen Leben der Menschen.

Ant. Jan m a n n.

(Dae Theater tn (Kad
(Ktffmgm.

Architekten: Heitmann und Mttmann, München.

r kurzem wurde das Agl. Theater in
Aissingen seiner Bestimmung über-
geben. Da es ein Architekt erbaute,
der schon oft erwiesen hat, daß er seine
Aufgaben in zeitgemäßer Weise zu
lösen imstande, begleitet unsere schildernden Aus-
führungen wohl von vorneherein das Interesse weiter
Areise. Zudem ist es eben ein Theaterbau, dessen
Besprechung noch überdies Anlaß bietet, gleich zur
„Theaterfrage" Stellung zu nehmen.

Daß diese existiert, weiß man zur Genüge. Daß
sie sich ungefähr in folgende Worte kleiden ließe:
„Wie soll das moderne Theater, das unserer
Zeit, gehalten sein", möchte ich aber noch flüchtig
andeuten. Daß es allen erdenklichen praktischen An-
forderungen zu genügen habe, nun das wissen wir
alle. Über die künstlerische Fassung, die formale
Durchbildung usw. des modernen Bühnenhauses wird
aber erregt hin und her debattiert. Das wird ver-

Aunst und Handwerk. 55. Iahrg. Heft \2.

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