Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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John Webber und die Erfindnnq der Lithographic.

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bringen werden, bleibt abzuwnrten. Bekanntlich war
die auf ähnliche Weise znstande gekommene französische
Ausstellung von 1883 bollkommen verunglückt und
hat, indem sie dem Pnblikum sast nichts von Be-
dentung, sondern nur eine Masse von Mittelgut und
Ladenhütern zu fehen gab, nur salsche Anschauungen
über die neueren Bestrebnngen der französischen Künstler
verbreitet.

Die übrigen Nationen finden glücklicherweise gnte
Vertretung. Holland und Belgien geben in ihren
auf der Ivestlichen Hälfte der Ausstellung znnächst dem
Vestibül gelegenen Sälen ein fast vollständiges, hoch-
erfrenliches Bild der neueren niederländischen Knnst.
Die Schweiz, Skandinavien und Jtalien be-
teiligen sich an den Münchener Ansstellungen mit
immer steigendem Jnteresse; Spanien wird wie
1883 in imponirender Weise vertreten sein; ans Öster-
reich-Ungaru sind zahlreiche änßerst wertvolle An-
meldnngen eingelanfen nnd auch die englische Ab-
teilung verspricht — wie 1886 in Berlin — einen
Hauptanziehnngspnnkt zu bilden. So kann man
hoffen, daß die Münchener Ausstcllungen trotz der
ungünstigen Verhältnisse, mit denen sie zu kämpfen
hatten, nnd trotz der trüben Stimmnng, die noch
immer auf unserm Vaterlande lastet, doch noch zu
frohem Gelingen führen werden.

Iohn Webber und die Lrfindung der
Lithographie.

Die Entgegnung des Herrn König, in der Kunst-
chronik, XXIII, 25, auf meinen Artikel in 3 und 4
desselben Jahrganges, darf nicht ohne Widerlegnng
bleibeu. Mein Gegner scheut sich nicht, seinen Wider-
part ohne irgend welchen Grund der sinnentstellenden
Verstümmelung eines Citats zu beschuldigen. Herrn
Königs Worte findet der Leser in Sp. 395, mein
Citat aus seinem Briefe, mit Hinweglasfung aller
nicht relevauten Stellen, in Sp. 40. Es folgt nun
hier Herrn Königs Beschreibung des Blattes,
tZa.nns.nisr", ihrem ganzen Wortlaute nach, selbst mit
Beibehaltung der auf dessen Verzeichnis bezüglichen
Nummeru: — „Diese beiden Blätter, welche im nach-
folgenden ,Verzeichnisse° unter den Nummern 668,
667, 669 Bleistift, 21, 22, 23 rote Tinte, 5, 6, 7
blaue Tinte aufgeführt sind, waren die ersten Ver-
snche Webbers im Umdruck lithographischer Kreide,
und zwar ist es das Blatt 668, 21, 5 „Us ttannanisr",
welches als seiu erster mißlungener Versnch zu be-
trachten ist. Denn wenn man dieses Blatt mit den
fvlgenden Nummern 667, 22, 6, vergleicht, welches
auch viele Varianten gegeu das vorangegangene zeigt,
so sieht man hier den Revers, das ist die Rück- ^
seite der Zeichnung, bereits vollkommen gelungen. Daß

dieser Abdruck der erste größere Versnch Webbers in
der neuen Vervielfältigungstechnik ist, ist an demselben
ganz zweifellos ersichtlich. Die Fettfarbe nämlich, die
unter dem zum Zeichnen bestimmten Papierblatte lag,
war entweder zu hell oder zu trocken aufgetragen,
oder die Striche der Bleistiftzeichnung des Averses
(wie ich die Vorderseite der Blätter nenne) waren
nicht mit genügender Kraft geführt, denn sie kamen
auf dem Revers (wie ich die für den Umdruck be-
stimmte Rückseite der Blätter nenne) an den besteu
Stellen kaum sichtbar, an den meisten gar nicht, wäh-
rend die Bleistiftproben, an dem oberen, dem unteren
nnd beiderseitigen Rändern, an den wellenförmigen
Abschnitten vom ReißbrettZ, mit voller Schärfe
kamen. Es hat sich also am Rande der ,Fettunter-
lage' mehr oder weichere Farbe angesammelt, als un-
mittelbar unter der bezeichneten Papierfläche. Webber
zeichnete daranf denselben Gegenstand nochmals, aber
ganz im oontrsssns und mit vielen Varianten und
kräftiger, Nr. 667, 22, 6, nnd da gelang der Revers
vollkommen; doch ist die Umdruckfarbe in diesen ersten
Versuchen viel grauer und silbertöniger, der mins cks
plomb sehr ähnlicher, als die seiner späteren, wo ich
besonders auf das Blatt 665, 2, 23, „Der Büffel-
hirte", welches von ihm mit I. Webber 1792 be-
zeichnet, also ein Jahr vor seinem Tode in London
(1793), verweise, wo die Uncdruckfarbe bereits den
Ton der feinen romanischen schwarzen Kreide hat."
Der Leser hat nun das nötige Material in Hünden,
nm Vergleiche anzustellen und kann selbst beurteilen,
inwieweit die ausgelassenen Stellen „unwiderlegbar"
beweisen, daß Webbers in Frage stehende Zeichnungen
„für den Umdruck gemacht worden sind." Daß die
„Bleistiftproben" nm Rande nicht das geringfte mit
der Beweisführung zu thun haben, leuchtet von
selbst ein.

Jst schon Herrn Königs Verteidigung, so weit
es die Behandlung der Person seines Gegners an-
geht, nicht zulässig. so ist er doch aber im Technischen
nvch schlimmer beschlagen. Als Schriftsteller über
das sott-Arormä-Verfahren erwähnt er Stapart, Mairet
und Tudot. Stapart hat aber mit solt-Zrounä nicht
das mindeste zu thun, — ich habe soeben seine Ab-
handlung. in der deutschen, 1780 zu Nürnberg er-
schienenen, Übersetznng, nochmals sorgfältigst durch-
gelesen, — nnd Mairet und Tudot haben, so viel ich
weiß, nur über Lithographie geschrieben. Sollte ich
hierin irren, so werde ich Herrn König für Angabe

1) Jn dem angeblichen Citat ans seinem Briefe an mich
Sp. Zgz, hat Herr Kvnig nickit nnr den Stil verbessert, er
hat auch „Reißbrett" in „Stein" nmgeändert. Jm Original
steht klar und deutlich „Reitzbrett".
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