Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Neue Erwerbuugen für die großherzogl. Kunsthalle in Karlsruhe.

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und unmittelbaren Teilnahme. Oft genug trat er
mit setnem Einfluß und dem Ansehen seiner Person
ein, wo es galt, Hindernisse zu beseitigcn, fehlende
Mittel herbeiznschaffen oder die maßgebenden Jn-
stanzen den Wnnschen der Museumsbeamten zngäng-
lich zu machen. Wir erinnern nur an die warme
Fürsprache des hohen Herrn, durch welche der An-
kauf der Hamiltonschen Handschriftensammlung ermög-
licht wurde. Besonders ist es aber ein den Zwecken
der Kunst nnd Wissenschaft gewidmetes, großartiges
Unternehmen, mit welchem der tenre Name des ber-
ewigten Kaisers anf das engste verbunden ist, die
Ausgrabung von Olympia. Als der Lehrer des
Kronprinzen, Ernst Cnrtius, im Jahre 1852 zu Berlin
einen Vortrag über die Herrlichkeiten des alten
Olhmpia hielt, befand sich auch der jngendliche Prinz
unter seinen Zuhörern, und die Worte des begeisterten
Gelehrten machten einen so tiefen Eindruck auf ihn,
daß er zwanzig Fahre später, als der Plnn, die be-
rühmteste Trümmerstättc des klassischen Altertums zu
durchforschcn, feste Gestalt gewann, der wärmste und
mächtigste Protektor dieses von so anßerordentlichen
Erfolgen gekrönten Unternehmens wurde, dessen
Frnchte der gesamten gebildeten Welt zu teil ge-
worden sind.

Der Gegenstand seiner ganz besonderen Liebe
und ebenfalls eine aus seinem Antriebe hervorgegangene
Schöpfung war das Hohenzollernmuseum in Berlin,
anf dessen Ordnung und Bereicherung er unablässig
bedacht war. Was er in königlichen Schlössern fand,
das irgendwie mit der Geschichte seines Hauses nnd
der Erinnerung an seine Ahnen — bekannt nnd be-
zeichnend ist besonders die Teilnahme, welche er der
Geschichte des Großen Kurfürsten widmete — in Ver-
bindnng stand, wandte er dieser Gednchtnisstätte zu,
nnd viele der von ihm ermittelten oder geschenkten
Gegenstände hat er mit eigenhändigen Aufschriften
und Erlänternngen versehen. Alle diese künstlerischen
und geschichtlichen Jnteressen begleiteten ihn anch auf
Reisen und selbst auf seinen Feldzügen, nnd oft genng
hat er intsr nrroa den Künsten und Wissenschaften
wichtige Dienste geleistet. Seit den Tagen Alexanders
des Großen weiß die Geschichte keinen Fürsten zn
nennen, welcher so wie K'aiser Friedrich zu dem Lor-
beer höchsten Kriegsruhmes die Palme fngen konnte,
welche ihm die Künste des Friedens in tiefer Dank-
barkeit geweiht haben.

Jn der bedentsamen Kündgebnng an den Fürsten
Bismarck, in welcher Kaiser Friedrich unmittelbar nach
seiner Thronbesteignng sein Regiernngsprogramm ent-
wickelte, gedachte er auch der Kunst in folgenden ver-
heißungsvollen Worten: „Gelingt es, die Grundlagen
des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens kräftig zu

erhalten, so wird es Mir zu besonderer Genugthnnng
gereichen, die Blüte, welche dentsche Künst und Wissen-
schaft in so reichem Maße zeigt, zn voller Entfaltung
zu bringen." Anch gab er noch in einem an den
Kultnsminister gerichteten Dekret die Anregung zn
einer möglichst schleunigen Erledigung der schon seit
zwanzig Jahren schwebenden Angelegenheit des Neu-
baues eines Protestantischen Domes in Berlin, und
er soll auch, wie verlantet, im Begriffe gewesen
sein, den königlichen Museen ein bedentende außer-
gewöhnliche Summe zur Verfügung zu stellen, woran
ihn der Tod gehindert hat.

Mit froher Hoffnung und Zuversicht richten sich
die Blicke des prenßischen Volkes anf seinen Sohn
und Nachfolger, den jngendlichen Kaiser Wilhelm II.
Es ist bekannt, daß Kaiser Wilhelm, obwohl in erster
Linie wie sein Großvater Soldat, auch den bildenden
und musischen Künsten ein warmes Jnteresse schenkt.
Er hat sich selbst in der Malerei versucht nnd den
Weihnachtstisch des Vereins Berliner Künstler mehr-
fach mit Erzeugnissen seiner knnstfertigen Hand be-
dacht. Bekannt ist auch seine Vorliebe für die Ton-
schöpfungen Wagners und die Teilnahme, welche er
den Bestrebungen der Wagnervereine gewidmet hat.
Jn dem Anfrufe an sein Volk hat Kaiser Wilhelm II.
gelobt, „nach dem Beispiele seiner Väter" zu regieren
und insbesondere „die Wohlfahrt des Landes zn
fördern." Zur Wohlfahrt des Landes gehört auch
die Förderung des Kunstsleißes, und Kaiser Wilhelm I.
wie Kaiser Friedrich haben dem Enkel und Sohne
das lenchtende Beispiel gegeben, daß nnter den guten
Geistern, welche den Thron des echten Fürsten um-
geben, die Knnst nicht fehlen darf! ^

Neus Lrwerbungen für die großherzogliche
Aunsthalle in Aarlsruhe.

Die großherzogliche Gemäldesammlnng wurde in
den letzten Jahren dnrch eine Reihe wertvoller neuer
Erwerbungen bereichert, wovon einige der nennens-
wertesten hervorzuheben nnd näher zu beleuchten, Anf-
gabe dieser Mitteilnng sein soll. Ein in nener Auflage
erschienener Katalog, dessen korrekte und übersichtliche
Abfassnng einem längst empfnndenen Bedarf entgegen-
kommt und den wir Wilhelm Lübke verdanken,
erleichtert dem fremden sowohl als auch dem einheimi-
schen Knnstfreunde das bessere Verständnis der an-
sehnlichen Sammlung. Besondere Anerkennung ge-
bührt der Wahl der Kunstwerke, da hier die heute
ziemlich im Schatten stehende historische Kunst, das
historische Genre und die historische Landschaft ver-
treten sind.

Ein Geschichtsbild von größeren Dimensionen ist
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