Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 23.1888

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Todesfälle. — Konkurrenzen. — Personalnachrichten.

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zweite Lieferung erschienen, welche seltene und interessante
Blätter aufweist. Ein Blatt aus dem Anfange des l ö. Jahr-
hunderts, die beiden Johannes mit Sebaslian und Autonius,
zeiat no'ch die ersten unbeholfenen Ansänge der Holzschneide-
kunst. Dann folgen einige unbcschriebene Blätter, z. B.
SchäufeleinS Petrus im Gefängnis; Die Kreuztragung bon
demselben; Wolfgang Huber. Christus am Kreuze; H.
Baldung Grien, Die heil. Anua selbdritt, nach der be-
kannten Federzeichnung Dürers. Der Holzschuitt galt als
zweifclhaftes Blatt Dürers. Die Reste einer angeblichen
Jahreszahl (1518) werden von den Herausgebern als un-
kenntlich gewordenes Monogramm des H. B. Grien ge-
deutet. H. Burgkmair, Geschichte der St. Kümmernuß,
ein Geiger, der sich von einem Heiligenbilde cin Geschenk
erspielt. ist ebensalls höchst bcachtenswert. Einige interessante
Helldunkelblätter, darunter eine Venus von L- Cranach in
zwei Zuständen, vervollständigen die wertvolle Lieferung.

x. — „Dcr Spottvogcl im Glaspalast" betitclt sich ein
kleines satirisches Schriftchen, welches an den hervorragend-
sten Bildern der Münchener Kunstausstellung scincn Witz
übt. Karikirende Zcichnungen mit poetischen oder prosaischen
Epigrammen bilden seinen Jnhalt. Das bald bissige, bald
harmlos scherzende Büchelcheu hat in Müuchcn guten Er-
folg qehabt, so daß zu den ersten Bändchen (Preis 1 M.)
noch ein Rachtrag (Preis 50 Pf.) erscheinen konnte. Einer
der besten Scherze des Buches ist der, welcher auf das
Bild von Alma Ladema „Msiu Arzt" gemünzt ist. Von
dem Mediziner sieht man nur das Gestcht, Ober- und
Hinterkopf werden vom Rahmen abgeschnitten. Er hält
in dcr einen Hand die Uhr, mit der auderen fühlt er den
Puls des Kranken, von dem cbenfalls nur zwei Hände
zu sehen sind. Dazu giebt nun der Spottvogel folgende
Erläuterung: „vr. Evps reinigt sich von dem Verdacht,
keinc Uhr zu besitzen. Porträt mit hysterischem Hintergrund.
Das Bild ist wegen Platzmaugel stark beschnitten. Die
andere Hälste befindet sich im Besitz des Herrn Alma
Tadema."

Springcrs Grundzügc dcr Kunstgcschichte. Der
dritte Teil dieser dritten Auflage dcs Textbuchs zu den
„kunsthistorischen Bilderbogeu" ist vor kurzem im Vcrlage
von E. A. Seemann in Leipzig erschienen. Kvrrespondircnd
mit dem dritten Teilc der „Bandausgabc" des bckannten Bil-
derwcrks behandelt er die Reuaissance in Jtalien.
Was wir gelegentlich des zweiten Teils bemerkten, daß der
Verfasser eii: nahezu neues Werk geschaffen und in diesem ein
wesentlich lebendigeres Bild von der Entwickeluug der Kunst-
übung entrollt, als es das allzu knapp gesahie Textbuch
bot, gilt in kaum geringereu Maße von dcr Fortsetzung, die
uns in einem 11 Bogen starken Bändchen vortiegt. ' Wie
aus eiuer Ankündigung des Berlegers hcrvorgeht, werden
die Ergänzungstafeln zur Bandausgabe der „kunsthistori-
schen Bilderbogen", auf welche Springer bereits im Text
Bezug nimmt, gleichzeitig mit dem vierten Teilc der „Grund-
züge" ausgegeben. Mit dieseu Ergänzungstafeln, in welchen
auch die farbigen Tafeln dcs II. und III. Supplements der
ursprünglicheu Ausgabe Aufnahme finden solten, wird das
Bildermaterial zwar nicht den Reichtum des Stnmmwerkes
mit seinen Supplementen erreichen, dafür aber deu Borteil
eincr mehr systematischen, genau an die „Grundzüae" sich
anjchließendcn Anvrdnung gewährcn.

Todesfälle.

T Dcr Tier- uiid Gcnrenialcr Emil Hnllati ist am

15. September in Friedenau bei Berlin im 52. Lebensjahre

gestorben. ^

D Der ftanzösische Gcschichtö- und Gcnrcinaler Gustav
Boulanger ist am 21. September zu Paris im Alter von
t>4 Jahren gestorben.

T Dcr bclgischc Ticrmalcr Edniond dc Practcre ist am

16. Scptembcr zu Brüssel, 62 Jahrc alt, gestorben

—u. Louis Hcndricks, ein bekannter belgischer Historicn-
maler, der u. a. im Chorumgang der Kathedrale zu Ant-
werpen einige große Ceremonienbilder aussührte ist in ae-
nanuter Stadt am 22. September, 61 Jahre alt' gestvrben

Aonkurrenzen.

L. Stuttgart. Jm Januar dieses Jahres erließ der hie-
sige Kirchenbauverein ein Preisausschreiben zur Erlangung
von Entwürfcn zum Neubau einer evangelischen Ktrche
iu hiesiger Stadt. Tie bis zum 30. Juni eingelaufenen 33
Konkurrenzarbeiten, unter denen zum Teil ganz hervorra-
gende künjtlerische Werke sich befinden, welche jedoch wegen
beträchtlicher Uberschreitung der bestimmten Bausumme Vvn
M. 350 00V bei der Prämiirung leider nicht berücksichtigt
werden konnten, sind nun offenitich ausgestellt. Das Preis-
gericht erteilte den I. Preis dem Architekten Chr. Schramm
m Drcsden. Sein Grundriß zeigt eine sehr konzentrirte An-
lage. Die Seitenschifse sind gut ausgcnutzt, der Chor in hal-
bcm Achteck gebildet, mit beiderseitigen Anbauten in halbcm
Sschseck, welche Sakristei und Tauskapelle enthalten. Das
Äuhere präsentirt sich etwas nüchlern, die Turmseite grup-
pirt sich jedvch befricdigend. Ausschlaggebend für Zuerkeu-
iiung des 1. PreiseS mag hier wohl der Umstand gewirkt
haben, daß dieser Entwurf der billigste und sür die ausge-
setzte Summe vvraussichtlich ausführbar ist. — Regierungs-
baumeister Pohlmann in Hall, ausgezeichnet mit dem II.
Preis, hat seinen Grundriß in Kreuzform mit halbachtsckig
geschlossenem Chor gebildet. Prof. Dollingers (hier; Eut-
wurf wurde angekaust. Bei allen Vorzügeu, welche derselbe
ausweist, muß doch die unschöne Zwiebelsorm des oberen
Turmabschlusscs, wclche mit den romanischen Formen des
iibrigen Baues nicht harmonirt, gerügt werden. — Von den
in der Ausführung begriffenen Bauten unserer Stadt sei hicr
erwähnt, daß der Neubau des Württemberger Kunst-
vereins rüstig voranschreitet, so daß die Ervffuung des neueu
Heims fiir Ansang Noveniber in Aussicht genomnien werden
kann. Dainit wird dem langempsundenen Bedürfnis, ein
würdigcs, geränmiges Aussteltungslokal für die Ausstellun-
gen des Kunstvereins zu besitzen, abgeholfen sein. Jn seincn
bisher mietweise innegehabteii Ränmen sind jetzt in eiiiem
Kabinet die Gaben zusammengestellt, welche hiejige und aus-
wärtige Künstler sür die Baulotterie gestijtet haben. Es
sind darunter Nameu von gutem Klang und mit vortrefs-
lichen Werkeu. So sinden wir: Schönleber, Baisch, Züget,
Jrmcr, Ludwig, Holmberg u. s. w. mit Ölgemäldcn ünd
Aquarellen verlreten. Außer den Geschenken sind zur Zeit
cinige sehr jchätzenswerte Werke ausgestellt. Äon den Ein-
heiinischen sinü es iu crster Linie die Porträtmaler, welche
fleißig ausstellcn und somit den ersreulichen Beweis liescrn,
daß es nn Aufträgen in hiesiger Stadt nicht mnngelt. Jn
lctzter Zeit sahen wir mehrere Porlrttts von R. Hutysteiner,
hier, eincin jungen, aujstrebenden Talent, desjen Werke sich
durch noble Ausfassung, sprechende Ahnlichkeit und liebevolle
Durchsührung des Delaits auszeichnen. — Schließlich wollen
wir noch erwähnen, daß der Württemberger Kunstgewerbe-
verein demnächst cin Preisausschreiben sür ausgeführte de-
korative Holzskulpturen erlassen wird.

Oersonalnachrichten.

Aus Anlaß dcr akadcinischeu Kuiistaiisstcllung in
Bcrliu hat der Kaiser folgeude Auszeichnungen verlichen:
1. die grvße gvldene Medaille für Kunjt: dcm Bildhauer uud
Profesjor Karl Kundmaiiii in Wien, dem Maler Karl
Saltzmann in Berlin; II. die kleine goldene Medaille für
Kunst: dem Bildhauer Emil Hundrieser in Charlotteu-
burg, dem Malcr Georg Koch in Berlin, dem Maler, Prof.
Hermann Krabbes in Karlsruhe, dem Malcr H. Roeßler-
Franz in Rom, dem Maler Paul Vorgang in Charlotten-
burg, dem Maler Lvuis Kehrmann in Koblcnz, dem
Mater Max Liebermann in Berlin, dem Bildhauer Max
llnger in Berlin, dem Maler Prof. Julius v. Klever in
St. Petersburg. Gleichzeitig hat der Senat den nachbenann-
tcn Künstlern eine besondere Anerkennung in Form „der
ehrenvollen Erwähnung" zu teil werden lasscn: dem Maler
Hans Bachmann in Düsseldorf, dein MalerWilli Dörina
in Karlsruhe, dem Bildhauer Prof. Adolf Donndorf in
Stuttgart, dem Maler Oskar Frenzel in Berlin, dem
Maler Viktvr Freudeinaun in Berlin, dcm Aialer und
Zeichner Jsmael Gentz in Berlin, dem Bildhauer Johann
Götz in Berlin, dem Maler Otto Günther-Naumburg
in Berliu, dem Maler Franz Hochmann in Karlsruhe,
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