Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 5.1894

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Kunstlitteratur. — Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbungen. — Denkmäler.

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aber jetzt durch das Alter des betreffenden Gefäßes als sicher
von den Griechen, wenn nicht gar von den Phöniziern
stammend erkannt wurde. Cacus war nach alten Sagen der
Name eines riesenhaften feuerspeienden Ungetüms, nach
Virgil und Ovid eines Sohnes des Vulkan. Cacus raubte
dem Herakles einen Teil der Rinder, welche dieser dem
Geryon abgenommen hatte. Auf 20 Platten befinden sich
in Photolithographie Abbildungen der vorzüglichsten Exem-
plare der Vasen, welche durch den in dem betreffenden
Fache als hervorragend anerkannten Zeichner Mr. Anderson
angefertigt worden sind. <J

KUNSTLITTERATUR.

Im Verlage der Herren Dietrich & Cie. in Brüssel ist
ein Buch von A. J. Wauters, Sept etudes pour servir ä
l'histoire de Hans Memling erschienen, das vielfache neue
Ergebnisse über diesen Maler bringt. Ferner bringt derselbe
Verlag aus der Feder von H. Hymans in Brüssel: Lucas
Vorsterman, Catalogue raisonne de son oeuvre.

NEKROLOGE.

= tt. Karlsruhe. Der badische Hofmaler Reinhard Seba-
stian Zimmermann sen., 1815 in Hagnau am Bodensee ge-
boren, ist am 16. November in München, wo er seit 1847
lebte, gestorben. Die ernsten und humoristischen Genre-
bilder des Künstlers wurden mit großem Beifalle aufgenom-
men. Es sind dies hauptsächlich: „Die teuere Zeche", „Die
Landleute im Schloss" (1853), „Die Bettelmusikanten" (1854),
„Ein Liebesbrief" (Galerie in Karlsruhe), „Der Schrannentag
in München" (1861; Museum in Köln), „Wirtsstube eines
Landstädtchens", „Vorzimmer eines Fürsten", „Einquartie-
rung französischer Soldaten im Schloss", „Impfstube", „Die
Leihbibliothek", „Das unterbrochene Kartenspiel", „Dachauer
Bauernhochzeit", „Das Zweckessen", „Die Siegesbotschaft"
(1875), „Klosterschule in Ottobeuren" (1875) und das figuren-
reiche Bild „Vor der Musikprobe". Im Jahre 1884 schrieb
Zimmermann „Erinnerungen eines alten Malers".

PERSONALNACHRICHTEN.

*„* Der Professor der Kunstgeschichte Carl Justi in
Bonn ist zum korrespondirenden Mitgliede der königlich
bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt worden.

WETTBE WERBUNGEN.

%* Von der Berliner Kunstakademie. Die beiden Stipen-
dien der Stiftung, die der Kaufmann Ferdinand Reichenhcim
in Berlin zum Andenken an seinen verstorbenen Sohn, den
Maler Ernst Reichenheim, begründet hat und die für junge
befähigte Maler aus den höheren Semestern der Königlichen
akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin,
ohne Unterschied der Konfession, bestimmt ist, wurden dem
Maler Georg Marschall aus Wittstock mit 600 M. und dem
Maler Adolf Sommerfeld aus Schroda mit 600 M. zuerkannt.

DENKMALER.

= tt. Mimchen. Am 18. November beging die Tech-
nische Hochschule ihr 25jähriges Stiftungsfest, und bei dieser
Feier kam die von Bildhauer Dennerlein modellirte und in
Carraramarmor ausgeführte Büste Gottfried von Neureuther's,
des Erbauers der Anstalt, im Treppenhause zur Aufstellung.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Die Sammlung Fr. Xav. Meyer in Wien, welche den
Sommer hindurch im Wiener Künstlerhause ausgestellt war,
enthält außer den hier bereits besprochenen modernen Bildern
auch mehrere alte Gemälde, an denen die Kunstgeschichte
nicht teilnahmslos vorübergehen soll. Ich kenne die Samm-
lung seit mehreren Jahren und habe Gelegenheit gehabt,
die meisten Bilder derselben aus der Nähe zu studiren. So
sei mir denn gestattet, einige kritische Notizen darüber zu
veröffentlichen. Die Hauptbilder sind zweifellos: ein gutes
Tierstück von Jan Fyt, eine italienische Landschaft von
Th. Wyck, der schöne, ungewöhnlich reich komponirte Jan
Verkolje (der mit dem Fyt zugleich schon 1873 einmal in
Wien ausgestellt war), der Dieter Vereist (Nr. 114, nicht 116),
der kleine Mörtel, der J. M. Mo lenaer, der sog. O. Dou und
das reizende kleine deutsche Rundbild von 1573, dessen
Monogramm und Jahreszahl auf Hans Bock hinweisen, einen
Maler, der freilich sonst auf größeren Flächen zu malen
pflegte. Die Sache wäre einer Untersuchung wert. — Viele
Benennungen des kleinen, dünnen Kataloges, den die Künst-
lergenossenschaft ausgegeben hat, sind unrichtig und können
mit geringer Mühe verbessert werden: Nr. 91 ist keineswegs
von W. v. Mieris, sondern von einem späteren, vermutlich
vlämischen Feinmaler. Nr. 97 und 107 dürften späte Ar-
beiten des Oer. Hoet sein. Nr. 99, das religiöse Bild von
1574, wird wohl von der Hand des wenig studirten Julius
Schiller sein, auf den man auch ein Gemälde der Galerie
Ilarrach in Wien beziehen kann, und von dem eine signirte
Zeichnung im Stifte Lambach bewahrt wird. Nr. 101 und
103 sind Kopiren nach Toorenvliet, AV. 102, das hübsche
Bildchen mit dem eingeschlummerten jungen Kavalier, ist
interessant durch seine ver—fälschte Signatur, die ursprüng-
lich mit einem J oder F begonnen hat, also nicht von
Willem van Mieris herstammen kann, dem das Bild zuge-
schrieben wird. Höchstens könnte der jüngere Franx
v. Mieris in Betracht kommen. Ar. 108 ist nicht von Gelder,
gondern eine Kopie nach Rembrandt. Zu AV. 109, einem
unzweifelhaft echten, echt signirten und hervorragenden
Werke des Thomas Wyck, bemerke ich, dass sich im Mün-
chener Kupferstichkabinett eine Zeichnung befindet, die man
trotz mancher Abweichungen als den ursprünglichen Ge-
danken für unser Bild ansehen muss. Nr. 112 ist eine alte
Kopie nach Sir Joshua. Reynolds u. z. nach dem schönen
Bilde, das seit 1871 Eigentum der National Gallery in
London ist. Das Bild führt in London den Titel „Robinetta".
Nr. 114 hatte ich schon vor der Ausstellung des Bildes auf
Pieter Vereist getauft, doch hat ein Missgeschick diesen
Namen bis Nr. 116 verschlagen, die mit dem genannten
Holländer gar nichts zu schaffen hat. Die Buchstaben A.
v. O. sind später eingekratzt. Nr. 118 ist eine alte Kopie
nach Rubens, die dadurch an Interesse gewinnt, dass sie als
ehemaliger Bestandteil der Wiener Sammlung Ratakowski
nachzuweisen ist. Der Stich nach dem Original des Rubens
ist als AV. 201 ausgestellt. Das Original befindet sich in
Dublin (vergl. Rooses, Rubens II, Nr. 262 und PI. 85). Die
baumreiche Landschaft Nr. 120 wird sich vermutlich als
Van Jjooten herausstellen (links unten ist noch das Datum
1661 erhalten). Auf AV. 127, „Lesender alter Mann", dem
Oer. Dou zugeschrieben, ist das Handzeichen zweifellos von
fremder Hand erst spät aufgesetzt. Das Bildchen selbst ist
aber eine beachtenswerte nette Arbeit aus dem Remhrandt-
Bramer'schen Kreise. AV. 128 ist durch ein Missverständnis
der Schule des Rubens zugewiesen, während es doch in die
Gruppe der tenebrosen Neapolitaner oder Spanier gehört,
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