Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Personalnachrichten. — Denkmäler.

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als Nachbar Gustav Freytags. Nachdem er dann in den
Jahren 1867 und 1868 auch noch Spanien und Portugal
durchstreift hatte, siedelte er nach Dresden und schliesslich
nach Steglitz bei Berlin über, das sein letzter bleibender
Wohnsitz war. In seinem langen Leben hat er eine grosse
Anzahl von Landschaften geschaffen, die eine eigene Mischung
von Naturalismus und dem Streben nach Stilisirung zeigen.
Seine kunstgeschichtliche Stellung beruht auf dem Einfluss,
den er namentlich auf Andreas Achenbach ausgeübt hat.

H. A. L.

PERSONALNACHRICHTEN.

Der russische Marine-Maler Aiwasowski feierte in seiner
Vaterstadt Feociossia sein oojähriges Künstlerjubiläum. Er
hat in der langen Zeit seiner Thätigkeit über 5000 Bilder
gemalt.

Stuttgart. — Der Kgt. Galeriedirektor von Rüstige hat
wegen vorgerückten Alters sein Entlassungsgesuch eingereicht.

DENKMÄLER.

G Denkmälerchronik. Am 18. Oktober ist in Karls-
ruhe das Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm [., ein Werk des
Professors Heer, in Gegenwart des Grossherzogs von Baden
enthüllt worden. — An demselben Tage wurde in Wiesbaden
auf dem Schillerplatze ein Standbild des Kaisers Friedrich
enthüllt, das nach einem Modell von Uphues, einem Schüler
von Begas in Berlin, von Martin fr Lützing in Bronze ge-
gossen worden ist. Es ist 3,80 m hoch und stellt den Kaiser
in Kürrassieruniform mit dem Mantel der Ritter des Ordens
von Schwarzen Adler dar. Der Schöpfer des Standbildes
wurde durch Verleihung des roten Adlerordcns 4. Klasse
ausgezeichnet.

%* Die Ausführung des Leipziger Völkerschlacht-
denkmals ist nach einem Beschluss in der Hauptversammlung
des deutschen Patriotenbundes vom 18. Oktober definitiv
dem Professor Bruno Schmitz in Berlin übertragen worden.
Von den erforderlichen Kosten von 1250000 M. sind etwa
100000 aufgebracht worden.

Leipzig. — Am 18. Oktober fand die mit der Feierlichen
Enthüllung verbundene Übergabe des neuen Leipziger
Bismarckdenkmals an die Behörden statt. Wir haben über
das damals bevorstehende Ereignis bereits in der ersten
Nummer der Chronik des laufenden Jahrgangs berichtet.
Das Denkmal in der hübschen landschaftlichen Umgebung
gewährt einen freundlichen Anblick, besitzt aber nicht den
monumentalen Charakter, den man für ein Denkmal Bis-
marcks fordern kann. Lehnert stellt uns Bismarck nicht als
die gewaltige Reckengestalt des Schöpfers des deutschen
Reiches dar, sondern als den Bismarck der letzten Jahre,
der fern vom Getriebe der Welt von den Kämpfen des
Lebens ruht. Ungleich mehr fesselt uns die Schöpfung
Magr's, der am Fusse des Felsens stellende Arbeiter, der dem
Fürsten einen Lorbeerzweig reicht. Er ist trotz der etwas
theatralischen Pose eine kraftvolle markige Gestalt. Geradezu
geschmacklos ist aber die Aufschrift auf der kupferbekleideten
Basis des Denkmals. Hier liest man den Namen Bismarck
und zwar aus lauter kleinen Goldknöpfen zusammengesetzt
— „Posamentirknöpfe" meinte ein Witzbold, und er hat
nicht so unrecht.

SAMMLUNGEN UND AUSSTELLUNGEN.

Dresden. — Die Tiedgcstiftung hat auf der Internationalen
Kunstausstellung das schöne Brunnenrelief Arthur Volk- I

manns aus bemaltem Marmor angekauft und der Königlichen
Skulpturensammlung im Albertinum zum Geschenk gemacht.

Berlin. — Im Königlichen Kunstgewerbe-Museum sind
zur Zeit in dem oberen, vom vorderen Treppenaufgange
zugänglichen Oberlichtraume von Herrn Richard Heyer,
Lehrer an der Kunstschule zu Hannover, 64 Aquarelle von
älteren Bauwerken aus Hildesheini ausgestellt. Die Auf-
nahmen geben in flotter wirkungsvoller Darstellung, welche
der malerischen Erscheinung jener Baulichkeiten gerecht
wird, die künstlerisch bemerkenswerten Holzbauten und
namentlich eine Reihe der reizvollen und pittoresken Strassen-
ansichten der altertümlichen Stadt wieder. Hieran schliessen
sich Darstellungen der hervorragenderen Einzelheiten, welche
die Aufnahmen vervollständigen und auch für Detailstudien
nutzbar machen. Ein grösserer Teil dieser Aufnahmen ist
bereits für eine Veröffentlichung bestimmt.

*, * Der Verband der deutschen Illustratoren, der seit
einem Jahre besteht, hat ein Rundschreiben erlassen, worin
er zu einer Schwarz- und Weissausstellung einladet, die
im April nächsten Jahres in den Räumen des Akademie-
gebäudes in Berlin stattfinden soll, die von den zuständigen
Behörden zur Verfügung gestellt worden sind.

Wien. — In einem der kleineren Räume der sogenannten
«Gartenbau-Ausstellung" ist gegenwärtig eine Sievogt-Aus-
stellung veranstaltet. Wir haben uns bei einer früheren
Gelegenheit in der »Kunstchronik" schon des näheren über
diesen jungen Künstler ausgesprochen. Der Eindruck bleibt
nach wie vor derselbe, obgleich mehrere interessante Arbeiten
seitdem hinzugekommen sind. Wir lieben es nicht, in die
landläufigen Phrasen, wie „er hat Talent, aber..." zufallen,
denn nach unserer Ansicht kommt die Frage nach Talent
bei einem fertigen Kunstwerk nicht mehr in erster Linie in
Betracht; Talent ist eben eine notwendige Prämisse, macht
aber noch kein Kunstwerk. Etwas Fertiges wird man hier
vergeblich suchen, aber die malerischen Qualitäten eines
mit Lust in der Farbe schwelgenden, subjektiven, nach ori-
ginellen Effekten haschenden Stürmers und Drängers, dem
der gute Geschmack ein Greuel ist, sind nicht zu verkennen.
Zwei Beispiele seien hervorgehoben, um näher zu bezeichnen,
was wir unter malerischen Qualitäten verstehen:.das Selbst-
porträt mit dem „Decadence-Ausdruck" und die ungemein
gut im Ton gestimmte, abscheulich hässliche steife Tänzerin
im roten Röckchen! Besseres in seiner Art findet man wohl
nicht in der Ausstellung, wo noch einige gute Sachen von
einem jungen Triester H. Cairatti zu sehen sind, sowie
mehrere Zeichnungen von Engelhardt. Des letzteren Blei-
stiftzeichnung einer weiblichen Rückenstudie ist sehr fein
empfunden, was um so mehr erfreut, als in letzter Zeit be-
denkliche Einflüsse auf das biegsame Talent dieses Künstlers
sich geltend gemacht hatten. Selbst den Weg in der Natur
suchen, das kann man sich nicht oft genug wiederholen, so
lange man überhaupt noch sucht, wie Engelhardt. — Auf
mehrere plastische Arbeiten verschiedenen Ursprungs, deren
Titel nicht näher angegeben waren, konnten wir bei einem
flüchtigen Rundgang nicht näher eingehen. Doch dürfen
wir das prächtige Bild einer lachenden Dirne im grünen
Kleid von Uhde nicht unerwähnt lassen, da es (neben dem
noch immer ausgestellten herrlichen Selbstbildnis Hans
Thomas] einen Besuch der Ausstellung schon verlohnt.

SCHÖLERMANN.

Leipzig. — Die Ausstellung von Werken alten Kunst-
gewerbes aus sächsisch-thüringischem Privatbesitz im Kunst-
gewerbe-Museum, über die das Kunstgewerbeblatt einen
längeren Aufsatz gebracht hat, ist am 17. Oktober geschlossen
worden. Dem hohen künstlerischen und kunstgeschicht-
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