Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 9.1898

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Nekrologe. — Personalnachrichten. — Wettbewerbe. — Denkmäler.

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Bildnis des Amsterdamer Bürgermeisters Cornelis de Oraef
von Nicolaes Elias entspricht den Anfofderungen, die man
an Faksimilereproduktionen stellen darf, die für Galeriewerke
von unschätzbarer Wichtigkeit sind. Eine wahrhaft kongeniale
Leistung, das beste Blatt der Lieferung, ist die Radirung
nach Rembrandt's Bergpredigt von Peter Halm, der nur aus
dem innigsten Studium der Radirungen Rembrandt's selbst die
Kraft und die Begeisterung zu dieser staunenswerten Inter-
pretation von Pinselstrichen durch die Radirnadel geschöpft
haben kann. Die auf einer Tafel vereinigten Bildnisse zweier
Utrechter Domherren von Anthonis Mor und der Middel-
burger Altar von Roger van der Weyden sind mit Recht
in Heliographie wiedergegeben worden, weil solchen Bildern
gegenüber andere Reproduktionsmittel entweder versagen
oder zu wenig den Aufwand an Geld und Mühe lohnen.

ADOLF ROSENBERG.

NEKROLOGE.

O Der schweizerische Bildhauer Charles Iguel ist am
2. Januar in Genf im Alter von 71 Jahren gestorben. Aus
Neuenburg gebürtig, war er seit 20 Jahren in Genf ansässig,
wo er u. a. das Grabdenkmal des Herzogs von Ronan in
der Peterskirche und den Löwen am Denkmal des Herzogs
von Braunschweig geschaffen hat.

London. — Am 8. Januar starb in London Mr. Stacy
Marks, Mitglied der Königlichen Akademie der bilden-
den Künste. Im Jahre 182g geboren, begann er seine Studien
in der Kunstschule von M. Leigh, eine der beiden Privat-
kunstanstalten, die damals noch in London existirten. 1851
setzte er seine Studien als Schüler der Akademie fort, und
malte hier umfangreiche Bilder historischen und religiösen
Genres im Stile Etty's. Später machte Marks gemeinschaft-
lich mit seinem Freunde Calderon Studien in Paris. Hier
fand er Anregung zu dekorativer Kunstentfaltung, die ihren
Höhepunkt in dem grossen Friese der „Albert-Hall" in London
erreichte. Infolge dessen erhielt er bedeutende Aufträge
von dem Herzog von Westminster. 1878 wurde Marks
zum stimmberechtigten Mitgliede der Akademie erwählt.
Ruskin schätzte ihn sehr hoch, besonders wegen der Wahr-
haftigkeit, die sich in allen seinen Arbeiten aussprach, ob-
gleich seine Technik etwas kalt und trocken genannt werden
muss. In dem letzten Drittel seiner Laufbahn wandte sich
der Meister der Aquarelle mehr zu, und beschickte die Aus-
stellungen meist mit Sujets, welche der Tierwelt entnommen
waren. Am gesuchtesten sind seine Darstellungen von
Vögeln. »■ SCHLEINITZ.

Am 8. Januar d. J. verschied in East Grinstead in Eng-
land der Kupferstecher William French. Er übertrug in
Linienmanier vielfach die Werke von zeitgenössischen und
anderen volkstümlichen früheren Meistern. Besonders thätig
war er im Auftrage der Firma Payne & Brain, sowie
später für Virtue, Hall & Co. in London. French erhielt
grosse Anerkennung in England für seinen Stich nach Crowe's
Gemälde, welches einen Unterführer Cromwell's darstellt,
der eine Ansprache an seine Soldaten hält. Der Künstler
erreichte ein Alter von 83 Jahren. r. SCHLEINITZ.

f W. J. Linton. Am 30. Dezember v. J. verstarb
William James Linton zu New Häven in Connecticut,
Amerika. Der Verstorbene, ein bedeutender Kupferstecher
und Autor, war zugleich eine bekannte politische Persönlich-
keit, so dass es nur der Erwähnung bedarf, dass Mazzini und
Garibaldi zu seinen intimen Freunden zählten. Geboren
1812, wurde er bereits mit 16 Jahren Gehilfe des Kupfer-
stechers G. W. Bonner. Vom Jahre 1842 ab arbeitete Linton

als Zeichner für die „Illustrated London News", und er-
reichte nach und nach den Ruf als ein erster Meister im
Holzschnitt. 1848 und die nächstfolgenden Jahre finden wir
ihn mehr mit Politik als mit der Kunst beschäftigt, aber
schon 1851 wurde er Redakteur der Fachzeitschritt „Pen and
Pencil". 1866 siedelte Linton nach Amerika über und
nahm dort endgültig seinen Aufenthalt in New Häven.
Er wurde Mitglied der amerikanischen Gesellschaft für
Aquarellmalerei und der nationalen Zeichnen-Akademie.
Seine Beiträge für wissenschaftliche und künstlerische Fach-
blätter waren zahlreich und geschätzt, indessen gab er auch
selbständig wertvolle, künstlerisch illustrirte, über seine
Lieblingskunst handelnde Werke heraus. Zu letzteren ge-
hören namentlich: „Practica! Hints on Wood Engraving",
„A History of Wood Engraving in Amerika" und „A Manual
of the Art of Wood Engraving". r. SCHLEINITZ.

PERSONALNACHRICHTEN.

© Dem französischen Bildhauer und Medailleur Oskar
Roty ist vom deutschen Kaiser der Kronenorden dritter Klasse
verliehen worden.

0 Dr. Fulise, früher Assistent am Germanischen Mu-
seum in Nürnberg, ist zum Verwalter des städtischen Mu-
seums in Braunschweig gewählt worden.

* * * Der Bildhauer Prof. Adolf Heer in Karlsruhe hat
vom Deutschen Kaiser den Kronenorden 2. Klasse erhalten.

WETTBEWERBE.

Magdeburg. Der Kunstgewerbe-Verein zu Magdeburg
schreibt bis zum 1. März 1898 unter seinen Mitgliedern einen
Wettbewerb aus zur Erlangung von Entwürfen für einen vor-
nehm gestalteten Behälter, der geeignet ist, den vom Kunst-
gewerbe-Verein der Stadt Magdeburg geschenkten Kaiser-
pokal aufzunehmen und dauernd zur Schau zu stellen. Die
Wahl des Motives (Wandschrank oder Sockelgehäuse etc.)
sowie die Wahl des Materials ist in das Belieben der Ur-
heber der Entwürfe gestellt, doch ist zu berücksichtigen, dass
die Ausführung durch Magdeburger Kunsthandwerker ge-
schehen soll, und dass die Ausführungskosten den Betrag
von 2000 M. — welche Summe der jüngst verstorbene Kom-
merzienrat Gust. Schneider dem Kunstgewerbe-Verein für
diesen Zweck vermacht hat — nicht überschreiten dürfen.
Zur Preisverteilung gelangen: ein erster Preis von 250 M.,
zwei zweite Preise von je 100 M. Das Preisgericht wird be-
stehen aus den Herren Stadtrat Duvigneau, Kgl. Baurat
Peters, Direktor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule
Thormählen, Museumsdirektor Dr. Volbehr.

DENKMÄLER.

Das Luzerner Löwendenkmal dankt bekanntlich einen
guten Teil seiner künstlerischen Wirkung dem Umstände,
dass es seiner Zeit von dem Konstanzer Bildhauer Ahorn
nach dem Thorwaldsen'schen Modell direkt aus dem leben-
den Gestein einer etwa 20 m hohen Felswand herausge-
meisselt ist. Aber dieser Umstand birgt auch die grosse
Gefahr der allmählichen vollständigen Verwitterung des Denk-
mals in sich. Luzerner Blätter berichten nun, über die Vor-
kehrungen der beginnenden Verwitterung Einhalt zu thun.
Hinter dem Denkmal ist mit der Ausschachtung eines Stollens
begonnen, der in diesem Jahre vollendet werden soll. Die
günstigen Wirkungen der Arbeiten zeigen sich schon heute,
insofern die Wand des Stollens gegen das Denkmal be-
deutend trockener ist als die bergseitige Wand. Nach voll-
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