Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 20.1909

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Wettbewerbe — Denkmalpflege — Denkmäler — Funde — Ausstellungen

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hat ihm das Leben so sauer gemacht, daß er schließlich
die aus dem Süden ihm dargebotene Hand ergriff. Die
Münchener Zentral-Gemälde-Direktion, in die Tschudi nun
eintritt, umfaßt vor allem die Leitung der Alten Pinakothek,
sodann die kleinen bayerischen Galerien, in Schleißheim,
Augsburg usw., sie ist auch an der Verwaltung des Ger-
manischen Museums in Nürnberg beteiligt und zum Teil
auch in der Neuen Pinakothek höchste Instanz, soweit
nämlich dies moderne Münchener Museum Staatseigen-
tum ist (zur anderen Hälfte ist es Besitz der Krone).
Die Verhältnisse sind bezüglich der Kunstwerke in neuerer
Zeit dadurch ein wenig verwickelt, daß die selbständige
Verwaltung der Hofabteilung der Neuen Pinakothek zur-
zeit dem Direktor August Holmberg untersteht, der zu-
gleich als Konservator der Alten Pinakothek der Zentral-
Direktion wieder untersteht. In München hat die Ernennung
Tschudis allgemeine Befriedigung hervorgerufen.

X Zum Präsidenten der Ausstellungskommission der
Großen Berliner Kunstausstellung 1910 wurde Prof.
Friedrich Kallmorgen gewählt, und Prof. Otto H. Engel zum
zweiten Vorsitzenden.

Professor Dr. Wolfgang von Oettingen ist an Stelle
des ausgeschiedenen Professors Dr. Koetschau zum Direktor
des Goethe-Nationalmuseums in Weimar ernannt worden.
Die Leitung der Weimarer Kunstmuseen ist, wie wir schon
meldeten, Herrn Dr. v. d. Gabelentz übertragen worden.

X Dem Maler und Radierer John Philipp in Berlin
ist der Professortitel verliehen worden.

WETTBEWERBE

o Koloman Moser in Wien erhielt den ersten Preis
bei dem vom Kunstverein für die Rheinlande und West-
falen ausgeschriebenen Wettbewerb zur Ausmalung der in
der Moltkestraße in Düsseldorf zu errichtenden Heiligen-
geistkirche. Durch den zweiten und dritten Preis wurden
Wilhelm Döringer und Robert Seuffert, beide in Düssel-
dorf, ausgezeichnet.

Die Polytechnische Hochschule in Zürich, die be-
kannte Schöpfung Gottfried Sempers, muß notwendiger-
weise einem Umbau unterzogen werden. Die Pläne sollen
durch einen Wettbewerb gewonnen werden, für dessen
sechs Preise 25000 Franks zur Verfügung stehen.

Beim Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des
Künstlerhauses zu Berlin haben Architekt Prof. Bruno
Möhring und Bildhauer Prof. Max Wiese die ausgesetzten
Ehrenpreise erhalten.

Für ein Museum zu Neuß am Rhein werden die
im Deutschen Reiche ansässigen Architekten zu einem
Ideenwettbewerb eingeladen. Als Kostenaufwand für das
Museum stehen 200000 M. zur Verfügung. Die Preise be-
tragen 1500, 1000 und 500 M. Termin 15. Juli.

Ein Wettbewerb um Entwürfe für ein Museum
für Volks- und Landeskunde in Stuttgart wird für die
in Württemberg geborenen oder ansässigen Architekten
bis 1. Juli ausgeschrieben. Die Preise betragen 4000, 2500
und 1500 M.

In dem Wettbewerb für die Heilandskirche in
Dresden-Cotta erhielt den ersten Preis Prof. Fritz Schu-
macher, den zweiten Preis Paul Bender, den dritten Lossow
und Kühne in Dresden.

DENKMALPFLEGE
Der zehnte Tag für Denkmalspflege findet in
Trier am 23. und 24. September statt. In üblicher Weise
soll am 22. September ein Begrüßungsabend vorausgehen
und am 25. sich ein Ausflug anschließen, der moselab-
wärts, wahrscheinlich nach Berncastel führen wird. Aus
der reichhaltigen Tagesordnung seien folgende Gegen-

stände hervorgehoben: »Ausgestaltung des Platzes an der
Südseite des Wormser Domes«, Berichterstatter Geheimer
Oberbaurat Hof mann, Darmstadt; »Der Wiederaufbau der
St. Michaeliskirche in Hamburg«, Berichterstatter Geheimer
Oberbaurat Hof mann, Darmstadt, und Professor Högg,
Bremen; »Die Stilfrage bei Wiederherstellung alter Baulich-
keiten«, Berichterstatter Professor C. Weber, Danzig, und
Beigeordneter Rehorst, Köln; »Die Erhaltung des römischen
Kaiserpalastes in Trier«, Berichterstatter M. Gary, Berlin,
und Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Löschcke, Bonn;
»Uber das neue sächsische Gesetz gegen Verunstaltung
von Stadt und Land und über praktische Maßnahmen zu
dessen Durchführung«, Berichterstatter Oberbaurat K
Schmidt, Dresden, und Amtshauptmann Dr. Hartmann,
Döbeln; »Hochschulunterricht und Denkmalspflege«, Be-
richterstatter Regierungsrat E. Blunck, Berlin. Das aus-
führliche Programm wird Mitte Mai veröffentlicht und ver-
sandt werden.

DENKMÄLER

Max Klingers Brahms-Denkmal ist am 7. Mai in

Anwesenheit des Künstlers an seinem Bestimmungsort im
Wandelsaal der Laeisz - Musikhalle in Hamburg enthüllt
worden.

FUNDE

Ein unbekanntes Jugendwerk Adolph Menzels

beschreibt Ernst Schulz-Besser in unserem »Kunstmarkt«
Nr. 32 unter Beifügung einer Reproduktion in Original-
größe. Es ist der mit der Feder auf Stein gezeichnete
figurenreicheTitel einer romantischenjugendschrift vom Jahre
1838 »Das Ahnenkreuz«. Diese mit wunderbarer Genauig-
keit ausgeführte, lebendige Zeichnung des damals 23jährigen
Meisters zeigt bereits alle Vorzüge Menzelscher Kunst und
vermehrt sein graphisches Werk um ein hochinteressantes
Stück.

AUSSTELLUNGEN

o Düsseldorf. Im Kunstgewerbemuseum ist eine sehr
umfangreiche Silhouetten-Ausstellung, deren Zustande-
kommen Direktor Frauberger und einem besonderen zu
diesem Zwecke gebildeten Komitee verdankt wird, eröffnet
worden. Unter den älteren Künstlern der Schere fesselt
am stärksten Luise Dultenhofer (1776—1829), die spott-
süchtige Schwäbin, auf die kürzlich Pazaurek die Aufmerk-
samkeit gelenkt hat. Von lebenden Düsseldorfern sind
Gregor v. Bochmann und Hans Deiters, letzterer mit Illu-
strationen zu poetischen Werken seiner Schwester Leonore
Nießen-Deiters, am vorteilhaftesten vertreten. — Die beiden
Ausstellungen des Kunstpalastes sind am 15. Mai eröffnet
worden. Ausführlicher Bericht folgt.

Das Kgl. Münzkabinett in Stuttgart zeigt derzeit
eine Ausstellung deutscher Renaissance - Medaillen
aus eigenem Besitz und aus dem Privatbesitz einiger Mit-
glieder der Stuttgarter numismatischen Vereinigung. Die
bedeutendsten Stücke sind: Georg, Graf von Württemberg-
Mömpelgart und Eitel-Eriedrich, Graf zu Zollern von Hans
Schwartz; Hieronymus Rotengater, Holzmodell eines un-
bekannten Augsburgers; von demselben Friedrich Prechter
und Heinrich von Eppendorf; Holzmodell Johanns des Be-
ständigen, Medaille auf Ambrosius Volland von Hagenauer;
Melchior Pfinzing, Gerwik Plarer und Vitus Chuni von
L. Krug; doppelseitiges Holzmodell des Erzherzogs Maxi-
milian und der Maria von Burgund von Joachim Deschler;
Wilhelm Becklin von K. Schreck (?); Erzherzog Ferdinand
von Österreich von A. Abondio; Melchior Jäger von Gärt-
ringen und Carl Hei von Valentin Maler; Melchior Volz
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