Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Editor]
Die Rheinlande: Vierteljahrsschr. d. Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein — 5.1902/​1903

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verstandene ^.uslukrungen, geaknte Erlebnisse:
aus dem allen reckt sick clas Bild des grossen
8ckweizers gewaltiger auf, als es Hernals eine
ordnungsgemässe Biograpkie geben wird. Ond
scbliefslicb, eine ebenbürtige Batur war Bloerke
gewiss nickt, aber auck kein Bckermänncken,
wie etwa 8ckick, vielrnekr ein Mann cles rascken
und impulsiven Oeistes, ein Feuilletonist irn
besten 8inn; bislang Böcklins bedeutendster
Interpret und jedenfalls, trotz der Oelekrsamkeit
der andern, sein Zuverlässigster.
Wenn ick Bloerke einen Feuilletonisten
nannte, gilt das nock rnekr von Mutker, dern
eine saloppe Wissensckaltkckkeit von seinen
Backgenossen ingrirnrnig vorgeworfen wird. Br
Kat uns zu Weiknackten eine Oesckickte der
engliscken Malerei gegeben (Verlag 8. Biscker,
Berlin), an der es rnir gleickgültig ist, ob sie
vielleickt einem engliscken Kunstkistoriker Ent-
setzen bringt. In einer Böige von angenekrnen
Oespräcken besckwört er die Bauptkelden der
engliscken Malerei und wird eigentlick nur lang-
weilig, wenn er der Vollständigkeit wegen da-
zwiscken das unbedeutende Oewürm scknell
in einer Binzette kockkebt und mit einem
Kücktigen Wort beiseite wirft. Das kätte er
sick und uns sckenken sollen. Oder fürcktet
er wirklick, bei seinem ack so sekr gebildeten
Volk durck unvollständige ^ufzäklung in den
Bus der Oberiläcklickkeit zu geraten? Deswegen
kann er unbesorgt sein: er kommt mit seiner
rascken und gewandten H.rt kinter so mancke
Dinge, die dem Oslekrten von vornkerein ver-
scklossen sind, und dann Kat er eine 8ickerkeit
des Ausdrucks, der sick spielend giebt und
dennock sckwierige Dinge sprickt. Dem, der
selbst ein tiefes Verkältnis zu den betreffenden
Bildern und Malern gewonnen Kat, mag es un-
angenekm sein, jemand so gewandt darüber
sprecken zu kören, ^.ber wenn es sick darum
kandelt, von ziemlick unbekannten Oegenden deut-
licke, ansckaulicke Bilder zu entwerfen — und das
will diese Oesckickte der engliscken Malerei uns
Deutscken ja tkun — da ist Mutker sicker unüber-
treiflick. 80 ist das Buck nickt für die 8tudier-
stuben aber für den Kunstfreund oder mekr
nock für die liebenswürdige Kunstfreundin ge-
sckrieben und dementspreckend auck vom Verlag
reicklick mit Abbildungen verseken und anmutig
gebunden, also ein recktes Buck für den Weik-
nacktstisck. (Im l'ext und in der Ausstattung
wesentlick einnekmender als die „Oesckickte
der französiscken Malerei im neunzeknten ^akr-
kundert" des selben Verfassers im selben
Verlag.)*
Bier mag erwäknt werden, dass Mutker im
Verlag von Bard-Berlin eine Böige von Mono-
grapkien kerausgiebt, die das Brinzip der geist-
reicken rascken Andeutung durckfükren wollen.
Ick sak zwei Bändcken: Bukus Oranack, von
Mutker selbst gesckrieben, und ^ubra^
* Wir verweisen snt äen bsilisAsnäsn Prospekt, l). kt.

Beardsle^ von Budolf Klein, beide mekr kokett
als gut ausgestattet, zum Breise von i Mk.
Diese ^.rt der Kunstbetracktung, mit Oeist
und Oesckmack den Kunstwerken nackzuspüren,
um ikre ^bsickten anzudeuten, ist natürlick
weit versckieden von der Predigerkasten des
Buskin, dessen Werke jetzt bei Bugen Diede-
ricks, Beipzig, in guten Übersetzungen keraus-
kommen.
Bier ist dann vielleickt auck die 8telle, wo
ick als Buck auf jeden Weiknacktstisck, wo es
nock nickt lag: „Die Orundlage des neunzeknten
^sakrkunderts" von Houston 8tuart Okamber-
lain (Verlag von B. Bruckmann, Müncken) em-
pfeklen muss. Oerade jetzt ersckeint von dieser
bedeutenden Arbeit die vierte Auflage. Das ist
ein Buck, bei dem es gleick ist, ob ikm der
Oraf Oobineau oder Wagner als ^.kne vor-
geworlen werden, ob sick Katkoliken oder ^uden
daran ereifern, ob Ongelekrte dem Mann zürnen,
dass er mit dem Bekenntnis der klngelekrsamkeit
auf den Bippen lekren will. Das ist ein Buck,
kinter dem ein Mann stekt, von dessen ^.rt nur
zekn in Deutsckland zu leben brauckten, um
die unbesckränkte Mackt zu kaben. Ick darf
nur daran denken, dass ein solcker Mann lebt
und füklt und so sckreibt, und mir wird zuver-
sicktlick, wie wenn ick an meinen liebsten
tapfersten Breund denke. Bin Mann, gründlick
und unbedenklick, warmkerzig und kükl, pkan-
tastisck und sackkck genug, um überall mitzu-
sprecken, wo es nickt mekr auf die Worte,
sondern auf den Menscken ankommt.
Weiknackten ist die 2eit derOesamt-^usgaben.
Diesmal ersckeint als bedeutendste: Benrik
Ibsen, den wir bislang nur bei Beclam und
in den neueren Dramen bei Bangen batten. (Die
Brosa-Dramen bei Beclam durck Brau Borck,
jene kükverstorbene feiniükkge Übersetzerin,
vorzüglick verdeutsckt, die Vers-Dramen Brand,
Ber Oz^nt u. s. w. in grälslicker 8pracke,
namentlick der Ber Ozmt in der Übersetzung
von B. Bassarge war ein sckrecklickes Monstrum.)
Wokingegen gerade dieses 8tück in der neuen
Ausgabe durck Lkristian Morgenstern eine Über-
setzung ersten Banges erfakren Kat. Die Aus-
gabe selbst ersckeint bekanntlick sckon seit
einigen Satiren bei 8. Biscker, Berlin und
ist durck M. Blias, O. Brandes und B. 8cklentker
besorgt. 8ie wird mit dem ersten Band (Oedickte
u. s. w.), der in diesen l'agen ersckeint, voll-
ständig und damit ist der grosse germaniscke
Dickter, der selbständigste Dramatiker seit
8kakespeare — wie dieser durck die 8cklegel-
'Bieckscke Ausgabe — unserm Bational-Bigentum
endgültig eingefügt. Das äussere Oewand, neun
graue Beinenbände mit Ooldpressung nack einer
glücklicken Bckmannscken 2eicknung, ist würdig,
weder auffällig nock rückständig. Die Binlei-
tungen, zum leil von Oeorg Brandes gesckrieben,

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