Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 4.1888

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Kunftgcmerbeblatt. <*. 3ab,rgang.

Ho. 7.

Seit bes SanbcS Won Soreto (»erat. <3. 130).

Das urtaarifcfye DrafytemaiL

Don <£. Haoiftcs con Kutas.
ITCü 3tbbilbungen.

®em nngarifcfjen Sraljtemail fjat bie
einfdjlägige gadjtitteratur be§ SluSlanbeS bi§-
Ijer wenig 9Iufmerffamfeit gefdjenft; gern er-
greifen mir bafjer bie fid) bietenbe ©elegenrjeit,
um auf (Srunb einer gebiegenen Slrbeit1) ben
©egenftanb and) an biefer «Stelle ju erörtern.
SBir tfjun bie§ um fo lieber, af§ bie bem er-
»nannten SIrtifel entlehnten Sßuftrationen 9fto-
tttoe beranfd)aufid)en, weldje mit ju ben beften
@d)öbfungen be§ 9Kittetatter§ gehören unb ge-
roifj nicfjt ofjne -Dlu^en ftubirt werben bürften.

©ie erfte $rage, bie fid) un§ aufbrangt
unb mit ber fid) aud) Dr. £>ambel gleid) am
©ingang befd)äftigt, ift bie: in roa§ befreit
eigentlid) ba% Sraljtemait genannte SBerfaljren,
Weldje finb beffen djarafteriftifdje ©igenfdjaften,
bie e§ bon ben übrigen belannten ©maitgattungen
unterbleiben?

®ie Beantwortung fdjeint auf ben erften
SSlicf feine leidtjte p fein, ©elbft bem SSer-
faffer mag fie einige ©djwierigfeit bereitet Ijaben,
ba er jur Semtjeicfjnung be§ ®rafjtemait§ in-
birefte SSege einfd)lägt unb erft mit ipilfe bon
33ergleid)en bie gtriei ipaubteigentümlidjfeiten
beSfelben beftimmt. ©§ finb bieg nad) feiner
2tnfidjt jmei Sßomente: ba% tedjnifdje, mef-
d)e§ fid) in ber SSerWenbung be§ Sraljte§
gettenb mad}t, inbem berfefbe bie 3toHe ber
Kontur unb jugleid) ber Seicfjnung fbielt; bo§
ftififtifdje SRoment, Weufjeg bebingt, bafs ba§
©mait größere glädjen bebeefenb al§ fcirbenbeS
©lement bominirenb auftritt.

Mn§ fdtjeint biefe JBefttmmung jur nötigen
©tfenntnig be§ ®raf)temail§ faum befriebigenb;

1) Dr. 30 f. Samuel: (Sin Slbfdjnitt ungavifdjer
^unftgefdjidjte. (Ungarifcfje 3toue VIII, 1888, ©eft 1.)

Sludj als ©onberabbruef u. b. %.: ®a§ mittelalter*
lidje ®ral)tematf. sBubatoeft, ftr. Silian, 1888. gr. 8.
ÄunftgetoerteStott IV.

fie ftreift ba§ SBefen, ofjne e§ flar au§gefbrocf)en
gu Ijaben. SDie Urfadje liegt rooljl in ber
äufjeren ©rfdjeinung biefer 23erjierung§Weife
unb in bem eigentümlichen ©inbruef, ben fie
felbft auf ben geübteften SBefdjauer madjt.

SSBenn mir bie bisher erfdjienenen arbeiten
bon 33ocf§ Strtifel angefangen übertefen, finben
mir, bafj feiner ber Tutoren fid) bei Betradjtung
be§ nngarifcfjen SDrafjtemailS bom Segriff be§
3ettenfd)meläe§ gänglicE) foSmadjen fonnte; ber
91u§gang§bunft War immer be§ ßtoifonne, unb
jeber bemüfjte fid), ba§felbe mit bem SDraljt-
email in 3ufawmenfjang ju bringen. 2tHer-
bing§ fd)einen biefe beiben Secfjnifen gemeinfame
Süge 51t fjaben, aGein nur bei oberf(äd)Iidjer
S8etrad)tung. @o fam e§, bafj man fid} ber«
geben§ fragte, ftriefo ba% uralte btjjantinifdje
S3erfafjren, nadjbem e§ längft erlofdjen, in
Ungarn ein §roette§ 2Kal, Wenn aud) in ber*
änberter Sorm, erblühen fonnte. SOcan forfcfjte
nad) §lnfjalt§üunften jur ©rflärung be§ $ro-
jeffeS, unb immer mieber ftanb man natürlich
Wie bor einem ütätfel, ba§ ju ergrünben un-
möglid) fcrjien. ©elbft \>a% giligran, mit Weldjem
ba§ S)rafjtemail in SSerbinbung gebracfjt tourbe,
mar nur ein §inberni§ unb beirrte bie richtige
Beurteilung be§felben.

^>ampel§ großes SSerbicnft ift e§, mit biefen
beiben Sfjeorieu gebrocfjen, bem ©rafjtemail
jebe ©emeinfdjaft mit bem btjjantinifd^en
©loifonne abgefbrodjeu unb gleichseitig auf
bie Unmögtidjfeit fjingelbiefen ju fjaben, ba§ ba§
filigran al§ folcf)e§ bei ber SBilbung be§ ®rarjt-
emailS mitgemirft fjätte, fomie ben Urfprung ber
Ornamente mit fcfjarfem SöticE ridjtig erfannt
gu I;aben. 9lnberfeit§ teilen mir aber utetjt
bie Sfotftdjt, ba§ ba§ Srafjtemail eine felbftän-
bige ©rfinbung ungarifdjer ©olbfdjmiebe be§

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