Zeitschrift für christliche Kunst — 14.1901

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1901. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr; 9.

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Die Schweizer Glasmalerei vom Ausgange des XV. bis zum Beginn des

XVIII. Jahrh.

Nach ihren Denkmälern und

Mit Lichtdruck
IV. Art und Verlauf der Schenkungen.

us dem Wortlaut der alten Schrift-
stücke ist ersichtlich, dafs man ge-
wöhnlich nicht aus freien Stücken,
fÜr?^ÜH=iJI sondern erst auf Ansuchen „Fenster-
malerei" schenkte. In Kirchen und Kreuzgänge
stiftete man Wappen, Schutzheilige und Gruppen-
bilder. Sonst war die Ehrengabe „ein Fenster
sammt dem Wappen", „mit der Landschaft",
„ein Ehrenwappen, so man nebent dem Fenster
schenkt", „Wappenfenster", „Fensterschilt", „ge-
malte Fensterscheibe" u. s. w., Ausdrücke
welche übrigens, wie die Denkmäler darthun,
Bildscheiben einschliefsen.

*) Andere Bezeichnungen lauten: Gemalte Schibli;
Ehrenzeichen, Ehrenschilt mit Pannerherm, mit
Löuwen, mit miner Herren Panner gemalt, l/3 oder
1 Crützfenster und Wappen; Rundwappen, Rundel
mit den Vogteien, mit der Landschaft Schilt (Aemter-
scheibe).

Feinere Abstufungen machen die Berner
Seckelmeisterrechnungen: „MGH Ehrenwap-
pen", „Bern-Rych, „Stadtwappen mit alter
Landschaft", „Wappen MGH beider Land-
schaften", „grofses Bern-Rych" ohne oder mit
„tutscher und welscher Landschaft", MGH
Wappen sammt Irer tutschen und weltschen
Landen Rych" u. a. Folgender Vermerk im
Berner Rathsmanual vom Jahre 1581 bezeichnet
ausdrücklich den Unterschied: „Zoffingen.
Wann Ully Fry ein nuwe Tavernen buwt und
man dero mangelbar, sol er inn miner Herren
namen Imme ein pfenster sampt dem wapen
darin schenken und aber die Landschaft darzu
nitt machen lassen, sonders allein der Statt
Ehrenwappen zwyffach und dess Rychs wappen
oben daruff mit zweyen Löuwen uff den
Sytten.'.' (Thormann-v. Mulinen S. 41).

Man bewilligte, — und das war das Ur-
sprüngliche, — nur Geld, später meist mit dem

•) 1. St. Leodegar und Wappen v. Luzern, 6.
Wappenscheibe d. Bischofs v. Konstanz, Anf. d.
XVI. Jahrh., Landesmuseum Zürich. — 2. u. 5. Wet-
tinger Scheiben, 1517, angebl. nach Holbein. —
3. Wappen der Stadt Huttwyl, 1519, Kirche zu
Lauperswyl. — 4. Wappen Unterwaiden, 1500, Museum
zu Stans. — 7. Stifterscheibe a. d. Kirche zu Hindel-
bank, 15l9. — 8. Scheibe im Pfarrhause zu Ober-
ehnheim, angebl. nach Baidung. — 9. Madonna mit
Baselstab, angebl. n. Holbein, 1519, Museum zu Basel.

den neuesten Forschungen.
(Tafel VI). •; (Fortsetzung.)

Zusatz statt des Fensters oder für Fenster und
Wappen, nur Fenster oder beides zusammen,
endlich Wappen, Wappen sammt Fenster
mit oder ohne Geld, wobei man zuweilen
das Wappen aus dem heimischen Vorrath mit-
sandte, jedoch meist die Anfertigung desselben
dem Beschenkten überliefs.

Die gewährten Spenden waren einerseits
Ehrenbezeugung, Freundschaftsbeweis und Ge-
fälligkeit, andererseits Unterstützung, beide Be-
griffe in ihrem Verhältnifs bedingt durch die
gegenseitige Stellung und Würde des Empfängers
beziehentlich des Gebers. Bei Kirchen und
Klöstern sprachen selbstverständlich andere
Gründe mit, vornehmlich die gute Meinung,
ein gottgefälliges Werk zu verrichten, wie man
denn auch laut urkundlichem Nachweis sowohl
vor als nach unserer Sitte neben der Beihülfe
zur Anschaffung von Fenstern Geldmittel zu
anderen kirchlichen Zwecken beisteuerte.

Dafs man aufser der Ehrung, ja öfters in
erster Reihe, auf eine wirkliche Unterstützung
bedacht war, ergibt sich, abgesehen von der
Thatsache, dafs die Schenkung vorzugsweise
bei Bauarbeiten, und zwar bei Neu-, An- und
Umbauten erfolgte, aus dem Umstände, dafs
man neben dem Wappen eine Baarzahlung
„für das Fenster" oder nur Geldmittel zusagte.
Thatsächlich scheint das Fenster im XVI. Jahrh.
die gewichtigere Leistung gewesen zu sein,
weil dasselbe durchschnittlich 6 Pfd., die
Wappenscheibe dagegen blofs 2—4 Pfd. kostete,
ein Preisverhältnifs, welches sich, vereinzelte
theuere Wappen ausgenommen, bei der späteren
allgemeinen Preissteigerung so ziemlich gleich
blieb. Je nach der Anzahl der angegangenen
Geschenkgeber konnte schnell eine erkleckliche
Summe Fenstergeld zusammenkommen, deren
Betrag für den Bauherrn schwer in's Gewicht
fiel, also in Wirklichkeit eine wesentliche
Unterstützung bildete. Das häufige Vorwalten
letzterer Absicht wird mehrfach unzweideutig
ausgesprochen, indem die Unterstützungs-
bedürttigkeit zugleich mit der Würdigkeit her-
vorgehoben wird. „Stür- und Bettelwerch"
heifst nicht ohne Grund manchenorts, z. B.
in Freiburg die Rechnungsrubrik, in welcher
die verschenkten Fenster und Wappen ver-
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