Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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von Schwaben
— zugleich Organ für deutsche Lrirchengeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher N)eltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Notteuburg.


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Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heransgegeben
von Ov. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen »vollen gefl. direkt an Or. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ummendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 3. Stuttgart, den 1. Februar 1888. 5. Jahrgang.

Inhalt: Johann Philipp von Gebsattcl, erwählter Fürstbischof von Bamberg. (4. Febrnar 1599 bis 26. Juni 1609.) (Fortsetzung.) — Ge-
schichtliche Notizen über einige im Umfang des jetzigen Landkapitels Stuttgart gelegene Pfarreien, Kirchen und Kloster. Die Pfarrei
Oeffingen OA. Cannstatt. Mitgeteilt von Kaplan Brinzinger. — Kirchenbaukunst in der württembcrgischen Residenz. (Fortsetzung.) —
Keramische Knnstschätze in Obcrschwaben. Von Amtsrichter a. D. P. Beck. — Miszellen.

Johann Philipp von Gebsaltel,
erwählter Fürstbischof von Bamberg.
(4. Februar 1599 bis 26. Juni 1609.)
(Fortsetzung.)
Um dieselbe Zeit schickte Johann Philipp vier Abgeord-
nete, den Domdechanten Chr. Neustetter, den Generalvikar
Schoner und die Räte W. Heel und Or. Georg Haan
kn den kaiserlichen Hof nach Prag, damit sie ihn bei dem
Kaiser und seinen Räten und gleicherweise bei dem Nuntius
gegen die schweren Verleumdungen rechtfertigten, welche der
entflohene Domprediger, Martin Thum (Dum), früher fein
Schützling, nun sein Feind, gegen ihn ausgestrent haben sollte.
Bus den Vortrag dieser Abgeordneten, welche auch solche An-
lagen zu entkräften suchten, die gar nicht erhoben worden
^aren, erwiderte der Kaiser, „es sei ihm zwar etwas der-
gleichen zu Ohren gekommen, aber nicht mit so beschwerlichen
Umständen und bei weitem nicht so viel, als ihm jetzt erzählt
!verde. Er habe übrigens dem ungewissen Gerede keinen Glauben
geschenkt. Das Zeugnis des Domkapitels und der von Johann
Philipp in Reichssachen, geistlichen und weltlichen Dingen
Gewährte Eifer bürge dafür, daß die Beschuldigungen, die gegen
denselben erhoben worden, grundlos seien. In diesem Sinne
)verde er auch an den Papst und den kaiserlichen Gesandten
Ul Rom schreiben lassen und dem Fürstbischof jederzeit seinen
Schutz gewähren." Johann Philipp war natürlich über
ein so günstiges Ergebnis des Versuchs, bei dem Kaiser sich
Rechtfertigen zu lassen, sehr befriedigt. Allein nach wie vor
Unterließ er es, die Priester- und Bischofs-Weihe zu empfangen.
Nebenbei hatte er aber doch eine Anwandlung, den frommen
Bischof zu spielen. Er ließ nämlich im^Jahr 1606 „beson-
ders für seine lieben ihm ungehörigen Schäflein" ein Gebet-
Buch „zumDruck verfertigen", „um ihre Gewissen und Herzen
"«) Chron. dipl. G. d. F-. B. B. VII. 281 ff.
„Christliches Betbüchlein, darinnen anßerlesene schöne Catholi-
iche gebettlein znsammengetragcn, Gott dem Allmechtigen zu lob, ehr
hnd preis, auch den frommen, andechtigen Hertzen zu ewiger und zeit-
licher Wohlfahrt und mehrer Übung des heilsamen gebets verfertigt.
Durch den Hochwürdigen Fürsten und Herrn, Herrn Joann. Bhilipsen,
Bischoffen zu Bamberg. Gedruckt in der fürstlichen Hauptstadt Bamberg,
durch Anthoninm Horitz, F. B. Hofbuchdrnckern, 1606," kl. 8°., 244
Blätter (wovon das letzte samt Register fehlt), noch einmal gedruckt im

in Gott damit zu trösten". Wenn der Herausgeber dieses
seltsamen Buches in der Weise fleißig gebetet hat, wie sie
darin sich darstellt, so fehlte es demselben weder an inniger
Frömmigkeit, noch an sittlichem Ernst. Allein die Heraus-
gabe eitles Gebet-Buches bildet überhaupt noch keinen untrüg-
lichen Maßstab für den Charakter des Herausgebers. Hin-
gegen läßt sich aus dem, was es enthält und beiseite läßt,
ein sicherer Schluß auf seine Denkweise ziehen.
Betrachten wir das fragliche „Betbüchlein" näher.
Auf dem Titelblatt steht oben in lateinischer und deut-
scher Sprache der fromme Spruch: „O Herr Jesu Christe,
ich beger nicht zu leben, es sey dann, daß du mich mit dir
und in deiner gnad sterben last." Zwischen Titel und Drnck-
ort die Stelle aus I. Kor. 13.: „Wan ich alle meine Narung
den armen gebe und ließ meinen leib brennen und hette die
liebe nit, so ist es mir nichts nütz." Ferner Sirach, Kap. 18:
„Ehe du bettest, so bereit dein Hertz zuvor und thue nit als
einer, der Gott versuchen wöll." Weiterhin in besonderer,
verschieden bemalter Einfassung: »Omtio vorn olavis coeli.«
Links und rechts von einem flammenden Herz: »^.lias non
plnoeg, nliter nil n§is.« Unter diesem Spruch: xOicta. sanc-
kikns cluplex impietas.« Ans der Rückseite des Titelblatts
befindet sich ein kleines Bild, welches den von einem Strahlen-
kranz umgebenen Namen Jesu, angebetet von zwei Engeln,
mit dem Beisatz vorstellt: »I^il nliuU.« Oberhalb dieses
Bildchens steht: „Dem Könige der Ewigkeit, dem unsterblichen
und unsichtbaren und allein Gott sey Ehre und Preyß von
ewigkeit zu ewigkeit, Amen!" (?nul. Tim. I., i.) Unter-
halb: „Niemandt knmpt zum Vatter, dann durch mich.
(Joh. 14.)"
„Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Nam
den Menschen underm Himmel geben, darin wir müßen selig
werden, dann in Jesu Christo von Nazaret, dem Gekreuzigten.
(Actorum 14. Kap.)"
In sieben Hauptstücken enthält das Buch mehr als 300
größere und kleinere Gebete nebst schönen (lateinischen und
deutschen) Hymnen, worunter »6e incmnnrione Domini«
und »Onudn, Lion, Znlvatorem«. Letztere beweist, wie die
I. 1665, mit großen Lettern, ohne Ortsangabe, von Michael und Hans
Friedrich Endter, kl. 8°., 645 Seiten mit Register. (Beide Ansg. in d.
k. Bibl. z. B.)
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