Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 5.1888

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Meß- und Kommunion-Gebete, daß der Herausgeber in Be-
zug auf das allerheiligste Sakrament des Altares rechtgläubig
war. In manchen von den „Morgen- und Abendsegen",
Bnß-Gebeten und „Vermahnungen" für Kranke und Sterbende
könnte man zwar eine lutherische Ansdrucksweise finden; allein
der Herausgeber bekennt im Credo bei der hl. Messe „ein
einige, heilige, christliche, katholische und apostolische Kirche".
Den Sterbenden will er jedoch nur gefragt wissen, ob er
hinscheiden wolle „als ein wahrhastiges Mitglied Christi und
seiner heiligen, apostolischen Kirche". Überhaupt findet sich
in den mehr als achtzig Gebeten und „Vermahnungen" für
Kranke und Sterbende kein Wort von der Herbeirnfung eines
Priesters, von der hl. Ölung, vom Fegfener, vom Ablaß
und insbesondere von der Anrufung der Mutter Gottes und
aller Heiligen. Im ganzeil Buche findet sich von der Ver-
ehrung und Anrufung der Heiligen kaum eine Spur, insbe-
sondere nicht bei den Meßgebeten. Beim „englischen Gruß"
ist die Anrufung der Mutter Gottes weggelassen. Zwar hat
der Herausgeber für die drei Tageszeiten, wo das »^.n§e1us
Domini« geläutet wird, die übliche Gebetsformel mit dem
Beisatz empfohlen: „Begrüße die hochgelobte Jungfrau und
Mutter unseres Heilands mit drei englischen Grüßen!" Allein
von einer Anrufung ist auch hier keine Rede. In einem ein-
zigen Gebet (für eine in gesegneten Umständen sich befindende
Frau) erscheint die Mutter Gottes beziehungsweise als Für-
bitterin in der Anrufung ihres göttlichen Sohnes: „So bitte
ich dich um deiner geliebten Mutter, der hochgelobten Jungfrau
Maria willen, der Königin aller Jungfrauen und Frauen,
du wollest" u. s. w. Eine eigentliche Anrufung der
Mutter Gottes war das auch nicht, wie denn der Heraus-
geber davon nirgends eine Erwähnung gemacht hat. In dieser
Hinsicht stand er offenbar auf unkatholischem Standpunkt. In
einer andern Beziehung hingegen sprach er sich entschieden
katholisch aus, indem er zu der Mahnung, es „sollten dem
Priester die Sünden in specie gebeichtet werden",
die Bemerkung fügte: „Die Form findest du im großen Ka-
techismo Canisii vom 186. Blatt bis ans das 302. gar fein
ordentlich nach einander, wie du dein Gewissen erforschen sollst."
(Fortsetzung folgt.)

Geschichtliche Notizen Liber einige im Umfang
des jetzigen Landkagitels Stuttgart gelegene
Pfarreien, Kirchen und Klöster.
Mitgcteilt von Kaplan Brinzinger.
(Fortsetzung.)
11) Die Pfarrei Öffingen OA. Cannstatt.
C. Die Pfarrkirche in Öffingen hat als Kirchen-
palrone die Heiligen: Basilides, Cyrinus, Nabor und Nazarins.
Sie steht, wenn man etwa 250 Schritte von Schmiden her
kommt, am östlichen Teil des Ortes rechts auf einer kleinen
Anhöhe an einem freien offenen Platz. Hinter der Kirche
etwa 20 Schritt rückwärts steht, vielleicht auf der Stelle einer
ehemaligen alten Burg, das freundliche Pfarrhaus. Die Kirche
hatte das Kloster Adelberg seit 1313. Der Chor derselben
samt Turm darüber ist alt, hat spätgotischen Stil und soll
etwa 1457 erbaut worden sein. Wir fanden die interessante,
wahrscheinlich jetzt niemanden mehr bekannte Thatsache in den
alten Konstanzer Archivalakten von 1769, daß Papst Alexan-
der VI. in einem Breve vom Jahre 1500 „Ablaß verlieh
allen Gntthätern, welche zum Kirchenban und zur Beschaffung
von Ornat zu Öffingen beitragen".*") Schon vor 2 Jahr-

hunderten und bis anfangs des gegenwärtigen Säkulum käme**
öfters an Festtagen Kapuziner von Weilderstadt zum Gottes'
dienst, Predigen, Beichthören, auch zur Aushilfe in de*
Seelsorge in die Pfarrkirche nach Öffingen. Die jetzige KiraF
ist 1840 neu gebaut worden zu zehntausend Gulden,
ist etwa 100 Fuß lang, 54 breit und hat im Schiff de**
bekannten schlichten modernen „Finanzkammerstil", am
Juni 1849 ist sie vom hochwürdigsten Herrn Bischof D*'-
Joseph von Lipp eingeweiht worden, an welchem Tag Zch
gleich für Hofen und Öffingen gesirmt wurde. Neuestes
ist sie hübsch restauriert worden. 1873 im Sommer wurde
der Chor mit Ornamenten bemalt von Maler Tiefe**'
bronn in Cannstatt, und 3 Fenster mit Glasmalereien vo**
dem (jüngst in Dornstadt bei Ulm verunglückten verstorbene**)
Glasmaler Wörner aus München im Chor eingesetzt: eine
Verkündigung Mariä und Auferstehung Christi zu je 150 G**^
den und eine Anbetung der drei Weisen zu 180 Gulde**,
ferner ein Seitenfenster mit Teppichmalerei zu 50 Gulden-
Die gotischen 3 Altäre sind von Mayer in Sanlgan: de*'
Hochaltar 1873 aufgestellt kostete 850 Gulden, der Marien-
altar links, 1874 zum Teil aus Resten eines früheren ältere**
Hochaltars zusammengesetzt, mit einer Mnttergottesstatne mitte**
kostete 350 Gulden, eine Mater Dolorofa-Statne 128 Gulden-
1876 wurde die Emporbühne hinten restauriert und eine ne**e
Kanzel ausgestellt mit einem geschnitzten Christnsbild am Schall-
deckel und den gemalten Bildern der 4 abendländischen Kirchen-
väter an der Brüstung ebenfalls von Mayer. Gegen Hose**
und Filial Thennhof wurden eiserne Feldkreuze, ein drittes
von Eisen gegen Waiblingen hin errichtet, eines aus Eichen-
holz an der Straße nach Hegnach. Im Januar 1877 wurde
der neue Josephsaltar von Mayer zu 750 Mark angeschasft,
ferner eine Schntzengelstatue aus Holz und bemalt von Stär*
in Nürnberg zu 250 Mark im Sommer 1877, endlich ***)
Dezember eine Herz-Jesu-Statne von Mayer zu 193 Mark-
1879 ist der Chor, weil feucht, zwei Meter hoch mit Zement
gedeckt und an den Wänden mit Teppichen bemalt worden vo**
Maler Karl Leins aus Stuttgart. 1880 im Februar wurde ein
schönes holzgeschnitztes spätgotisches Kommuniongitter als Chor-
abschluß errichtet nach dem Entwürfe des Hrn. Hofbauinspekto*
Bayer in Stuttgart. 1883 wurden zwei neue Chorstühle Z**
250 Mark und ein Vortragkreuz in Eichenholz zu 25 Mark von
Knnstschreiner Binnig in Ödheim erstellt. 1881 stiftete Schult-
heiß Maiersperger neue auf Leinwand gemalte Stationen, vo**
Maler Berz in München zu 640 Mark gefertigt, eingeweiht
von Hrn. Dekan Schneider. Redakteur Dr. Uhl aus Stutt-
gart stiftete einen weißen Traghimmel aus Seidendamast, vo**
den Frln. Horn, Hofstickerinnen zu Stuttgart, angefertigt *****
600 Mark zu großer Freude der Gemeinde. Die alte, vo**
Wolfschlngen stammende Orgel ist 1847 durch Orgelbane*
Walker in Lndwigöburg restauriert worden. So macht das
einfache schlichte Pfarrkirchlein jetzt einen sehr freundliche**
Eindruck.
(Fortsetzung folgt.)
I. Kirchenbaukunst in der wurttembergischen
Residenz.
(Fortsetzung.)
Betreffs der Veränderungen, welche die sog. Reformatio**
in Bezug auf die Stiftskirche Stuttgart brachte, lesen wir i**
Ehr. Befolds Documenta Concernentia DcclesiamCol'
le^iatam 3tuet§arckien8em Dioecesm Constantie**'
sis. Tudin^ae, IZ'pm fobannis Cunracki Dellen. TVnno

Konstanzer ?lktcn-Faszikel 335.
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